Angeblich geht es den Deutschen so gut wie nie zuvor
Angeblich geht es den Deutschen so gut wie nie zuvor
Datum: 10.01.2017 - 09:38 Uhr
Die erste Fassung des Armuts- und Reichtumsbericht war der Merkel-Regierung deutlich zu kritisch (wir berichteten). Er wurde daraufhin deutlich überarbeitet und entschärft. Doch auch die redigierte Fassung schien nicht die gewünschten Zahlen zu zeigen, sodass er laut einem Bericht der »Welt« noch einmal überarbeitet wurde. Die Merkel-Regierung sei dabei, dem Bericht »den letzten Schliff« zu geben, bevor er heute auf einem Symposium durch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vorgestellt werden soll.
In der nun finalen Fassung sank die Zahl der Arbeitslosen seit 2012 um fast 50 Prozent und die Zahl der Beschäftigten befindet sich auf einem Rekordniveau. Dass die Zahl der ALG-II-Empfänger unverändert bei über 4 Millionen liegt, wird in dem Bericht jedoch nicht erwähnt. Auch dass die Zahl der von Armut bedrohten respektive betroffenen Kindern sich dramatisch erhöht hat, ist dem Bericht keine Erwähnung wert.
Darüber hinaus relativiert sich die Rekordzahl der Beschäftigten sehr schnell, wenn man berücksichtigt, dass im Bundesdurchschnitt fast jeder fünfte Arbeitnehmer im Bereich des Niedriglohnsektors beschäftigt ist; also ein Einkommen erhält, das kaum zum Bestreiten des eigenständigen Haushaltes ausreicht. Laut einem Bericht der Zeitung »Neues Deutschland« vom 11. Dezember 2016 sind in den westlichen Bundesländern 19,3 Prozent der Arbeitnehmer in diesem Sektor beschäftigt, in den östlichen Bundesländern liegt ihr Anteil sogar bei 34,5 Prozent.
Aber diese Zahlen sind der Merkel-Regierung zu kritisch und ihrer Propaganda abträglich. Deshalb werden sie nicht erwähnt. Schließlich ist ja im Herbst Bundestagswahl.
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