9. November - DER ganz besondere Tag für Deutschland

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9. November - DER ganz besondere Tag für Deutschland
Datum: 09.11.2023 - 09:47 Uhr

Jedes Jahr im März wird in Deutschland den Märzgefallenen aus dem Jahr 1848 gedacht. Es war der erste Versuch, eine vom Volk bestimmte Demokratie im Land zu etablieren. Einer der führenden Köpfe dieser Demokratiebewegung war Robert Blum, ein moderner, volkstümliche Anführer der gemäßigten politischen Linken im Frankfurter Paulskirchenparlament. Daran erinnert, dass er am 9. November 1848 nach der Zerschlagung des Aufstands in Wien hingerichtet wurde, wird heute bedauerlicherweise nicht mehr ausreichend erinnert.

Am 9. November 1918 rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Seitenfenster des Berliner Schlosses die Republik nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs aus. Reichskanzler Max von Baden hatte die Abdankung des Kaisers verkündet - wovon der wiederum gar nichts wusste - und seinen eigenen Rücktritt. Ebert übernahm die Geschäfte und noch bevor die Kommunisten ihre Idee, eine Sowjetrepublik auszurufen, umsetzen konnte, war Scheidemann in Aktion getreten. Heute ist das nicht mehr als eine Randerinnerung.

Am 9. November 1923 glaubte ein kleiner Gefreiter aus dem Ersten Weltkrieg, er könnte von München aus nach Berlin marschieren und die wacklige Weimarer Republik zum Einsturz bringen. Sein Versuch scheiterte aber bereits an dem Widerstand der Bayrischen Polizei direkt vor der Feldherrenhalle in München. In den zwölf dunkelsten Jahren der deutschen Geschichte wurde dieser Tag zum Erinnerungstag hochstilisiert. Heute wird kaum noch an ihn erinnert; ein Verlust ist das nicht wirklich.

Jener kleine Gefreite schaffte es einige Jahre später, zum Reichskanzler ernannt zu werden und legte damit auch den Grundstein für den schrecklichsten 9. November in der deutschen Geschichte. Am 9. November 1938 wurden in Deutschland jüdische Geschäfte, jüdische Einrichtungen und Synagogen zerstört, in Brand gesetzt und geplündert. Die Pogromnacht war dabei sogar nur der Vorläufer von dem, was der Gefreite und seine Schergen den Juden in Deutschland und den später besetzten Gebieten antun sollten. Mit allem Recht wird an diesem Tag jenen schrecklichen Taten gedacht; die Aktualität beweist einmal mehr, dass dieser Tag nicht vergessen werden sollte.

Am 9. November 1989 vergaloppierte sich der SED-Pressesprecher Schabowski bei der Verkündung einer neuen Reiserichtlinie seiner Partei. Ausreisen in die BRD sollten jederzeit auch ohne Vorliegen von Voraussetzungen möglich sein. Auf Nachfrage erklärte Schabowski, dass trete »nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich.« Daraufhin machte sich Tausende Berliner auf den Weg an die Mauer der Schande. Am späten Abend ging als erstes der Schlagbaum am Übergang in der Bornholmer Straße hoch: das war der Anfang vom Ende des SED-Regimes. Heute wird kaum noch an diesen ganz besonderen Glückstag in der deutschen Geschichte erinnert. Bedauerlicherweise.

Sven von Storch

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