64-jährige Rosi muss in einer Schiedsrichterkabine wohnen

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64-jährige Rosi muss in einer Schiedsrichterkabine wohnen
Datum: 05.03.2019 - 12:01 Uhr

Bis 2017 war für Rosi Rosenlehner aus Gaiberg die Welt noch halbwegs in Ordnung. Zwar litt die nicht mehr ganz junge Frau auch damals schon unter der Augenkrankheit Grauer Star und konnte sich mit ihrer Sozialhilfe mehr schlecht als recht über die Runden retten. Große Sprünge konnte sie damals schon nicht machen, doch sie hatte wenigstens noch ihre kleine Wohnung. Doch damit war es vor zwei Jahren schlagartig vorbei. Rosi sollte und musste aus ihrer Wohnung raus.

Sie suchte Hilfe bei den Behörden. Die aber schoben sich die Verantwortung gegenseitig zu. Niemand zeigte sich für Rosi verantwortlich und schließlich stand sie so gut wie auf der Straße. Der örtliche Sportverein SC Gaiberg zeigte ein Herz für die Dame und räumte kurzerhand die ehemalige Umkleidekabine im Sporthaus für Rosi. Jetzt »wohnt« sie auf 38 Quadratmetern, ohne Fenster, mit einer aus einer Mikrowelle und einer mobilen Herdplatte bestehenden Küche. Dort »residiert« sie jetzt seit über einem Jahr.

Käme Rosi aus Syrien, dem Iran, Nord- oder Zentralafrika, dann hätten sich die Behörden überschlagen, um Abhilfe zu schaffen. Kirchliche Institutionen, Vereine, Flüchtlingshelfer oder andere Profiteure aus den Reihen der Flüchtlingsindustrie wären schon längst tätig geworden. Doch Rosi stammt aus der Region - und das ist das Dilemma.

Im vergangenen Dezember bestand die Aussicht für Rosi auf eine richtige Wohnung. Sie reichte ihren Antrag beim JobCenter ein, aber das meldete sich wochenlang nicht. Zudem bleibt die finanzielle Hürde. Laut Referenzwerten für angemessene Bruttokaltmieten steht ihr ein Betrag von 300 EUR zuzüglich 61 EUR Betriebskosten zur Verfügung. Die durchschnittliche Kaltmiete für Wohnungen in Gaiberg aber beträgt 6,70 Euro/Quadratmeter. Und die Nebenkosten liegen in der Region bei kleinen Wohnungen bei etwa 150 Euro pro Monat. 

Rosi, die von den Gaibergern umsorgt und als warm und liebenswert bezeichnet wird, zweifelt an der Gerechtigkeit in diesem Land: »Die Flüchtlinge bekommen alles gestellt, sogar die Erstausstattung - und ich muss für alles kämpfen«, sagt die 64-Jährige, mit den Tränen in den Augen kämpfend, heißt es in einem Bericht. »Ist das gerecht?«

Sven von Storch

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