50 christliche Liegenschaften in der Türkei enteignet

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50 christliche Liegenschaften in der Türkei enteignet
Datum: 07.07.2017 - 08:32 Uhr

Betroffen von der als Verwaltungsreform getarnten Enteignung der 50 Kirchen, Klöstern und Friedhöfen sind die Liegenschaften der syrisch-orthodoxen Kirche in der Region Tur Abdin in der südöstlichen Türkei unweit der syrischen Grenze. Diese Region gilt als historisches Kerngebiet der syrischen Christen, die auch heute noch Aramäisch (angeblich die Sprache Jesu) sprechen. Der gesamte Besitz wurde wurde von der Regierung in Staatsbesitz überführt und der Diyanet zugewiesen, einer direkt dem Ministerpräsidenten unterstellten Behörde für Religionsangelegenheiten. 

Bis 1932 war das nahe der neuen Metropolitanstadt (Verwaltungsbezeichnung) Mardin gelegene Kloster Zafaran der Sitz des syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien. Doch im Rahmen der Christenverfolgung in der Türkei wurde der Sitz erst nach Homs und später nach Damaskus verlegt. Das Kloster aus dem 5. Jahrhundert ist noch Sitz eines Bischofs. 

Im vorigen Jahr hatte ein Regierungskomitee ein komplettes Verzeichnis des Kirchenbesitzes erstellt und sich diesen nun auf Befehl des Alleinherrschers vom Bosporus unter die Nägel gerissen. Die Möglichkeiten, sich gegen diesen Raub zur Wehr zur setzen, sind in der Diktatürkei gering. Religionsgemeinschaften können sich in der Türkei weder als Rechtspersonen konstituieren noch ihren Besitz registrieren lassen. Zudem gehört die syrisch-orthodoxe Kirche zu den nicht-geschützten christlichen Gemeinschaften.

Ziel dieser Maßnahme, so ein Sprecher gegenüber der Presseagnetur »AINA«, sei die von Erdogan vorangetriebene Re-Islamisierung der Diktatürkei.

Sven von Storch

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