04. November 1989_ eine Million Menschen demonstrieren auf dem Alexanderplatz
04. November 1989_ eine Million Menschen demonstrieren auf dem Alexanderplatz
Datum: 04.11.2019 - 12:01 Uhr
Der Alexanderplatz in Berlin war am 04. November 1989 schwarz von Menschen. Mehr als eine Million Demonstranten versammelten sich friedlich, um ihren Abgesang auf das SED-Regime zu zelebrieren. Diese Kundgebung war das für Jedermann offensichtliche Ende eines Regimes, das seine Bürger rund um die Uhr überwachen ließ und den Menschen bis in die intimsten Sphären des Privatlebens nachschnüffelte. Es war das Ende derer, die eine tödlich gesicherte Mauer quer durch Berlin errichten ließen und einen mindestens ebenso mörderischen Todesstreifen auf fast 1.400 Kilometer länge quer durch Deutschland schufen. Fünf Tage später fielen durch einen Versprecher Schabowskis diese menschenverachtenden Gebilde.
Die Demonstration an jenem 04. November, heute vor 30 Jahren, war die erste genehmigte nicht staatlich organisierte Kundgebung. Zuvor gab es derlei Menschenmassen nur bei den von Staat und Regime organisierten Feiern, zu deren Teilnahme die Bürger verpflichtet waren. Wehe, man fehlte bei den Feiern zum Sozialismus und dessen Errungenschaften. Der Abschnittsbevollmächtigte hatte ein Auge und Ohr darauf, wer sich dieser Propagandaveranstaltungen entziehen wollte oder wer gar subversiv gegen die Partei, die immer recht hatte, agierte.
Der Überwachungsapparat von SED und Stasi war nahezu lückenlos. Die staatlichen Organe verfolgten rigoros Andersdenkende, Menschen mit abweichender Ansicht wurden »zur Klärung eines Sachverhalts« von unauffällig-auffällig gekleideten Männern abgeholt und verschwanden für Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre in den berüchtigten Stasi-Knästen. Doch an jenem 04. November 1989 musste selbst der letzte SED-Betonkopf erkennen, dass das Ende seines Regimes unmittelbar bevorsteht.
Damals, vor 30 Jahren, feierte die Freiheit ihren ersten großen Sieg. Heute, im November 2019, ähnelt das Leben in Deutschland auf fatale Weise mehr und mehr dem Leben im SED-Regime vor dem Herbst 1989. Vom Mainstream abweichend denkende Menschen werden verfolgt, ihre Ansichten und Meinungen werden zensiert und der Staat lässt sich immer wieder neue Gesetze und Maßnahmen einfallen lassen, um diese »Abweichler« klein zu halten. Genau das haben die Menschen 1989 mit ihren Kundgebungen abgelehnt und mit ihren Demonstrationen zu Fall gebracht. Heute aber ist ihnen das abendliche TV-Programm offensichtlich wichtiger als die Beschneidung elementarer Grundrechte.
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