Prof. Dr. Ulrich Kutschera

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Der Dreigeschlechter-Glaube_ Ideologie contra Biologie

Veröffentlicht:

Der Dreigeschlechter-Glaube_ Ideologie contra Biologie
Datum: 01.10.2019, 12:19

Veröffentlicht: 01.10.2019

von Prof. Dr. Ulrich Kutschera



Vor 150 Jahren hat der deutsche Biologe Julius Sachs (1832–1897) in seinem Lehrbuch der Botanik (1. Auflage 1868, 2. A. 1870) erstmals dargelegt, was wir unter „Sexualität“ verstehen: Der Urvater der Pflanzenphysiologie definierte „Sex“ als „Zellenvereinigung“, d. h. Gameten-Kopulation. Auf Deutsch: die Fusion eines Spermiums mit einer Eizelle (1, 2). Seither sind hunderttausende hochkarätige Forschungsarbeiten erschienen, aber eine dritte Gameten-Form, neben den von Männchen produzierten Spermien und den von Weibchen hervorgebrachten Eizellen, wurde nicht gefunden. Daher sprechen Biologen von der biparentalen Reproduktion, d. h. der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung.


Gonochoristen und Hermaphroditen

Die Gonaden (im männlichen Organismus Hoden zur Spermienproduktion; bei Weibchen die Ovarien) können bei Tieren auf zwei verschiedene Organismentypen verteilt sein, Männchen und Weibchen. Diese Lebensformen werden als Gonochoristen bezeichnet (z. B. Mäuse und Menschen). Bei Hermaphroditen (Zwitter) sind Hoden und Ovarien in ein und demselben Individuum funktionstüchtig (z. B. Regenwürmer, Blutegel), wobei in aller Regel die Fremdbefruchtung („Heterosex“) einer Eigen-Kopulation („Homosex“) vorgezogen wird (1, 2).

Mit Verwunderung lesen wir bei Spektrum.de (Extremwurm mit drei Geschlechtern entdeckt, https://www.spektrum.de/news/extremwurm-mit-drei-geschlechtern-entdeckt/1676528) und auf Spiegel Online (Forscher finden Würmer mit drei Geschlechtern in kalifornischem Natronsee, https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/mono-lake-forscher-finden-wuermer-mit-drei-geschlechtern-in-kalifornischem-see-a-1289172.html), nun wäre der große Durchbruch in der Sexualbiologie gelungen: Wissenschaftler hätten ein „drittes Geschlecht“, und somit eine weitere „Gameten-Form X“, die gemeinsam mit der Eizelle und dem Spermium eine „Dreifach-Gameten-Kopulation“ vollziehen würde, entdeckt. Das ist jedoch nicht der Fall, denn die DNA besteht aus exakt zwei (und nicht drei) Halbsträngen (2). Wie ist dieses Journalisten-Rätsel eines vermeintlichen „dritten Geschlechts“ bei einem „Wurm“ zu erklären?


Gonaden und Sexualzellen definieren das Geschlecht

Wie oben dargelegt, gibt es Gonochoristen und Hermaphroditen. Sogenannte „Würmer“ sind eine pseudowissenschaftliche Sammelbezeichnung für „wurmförmige Wirbellose“; der Begriff existiert in der Systematik und Evolutionsbiologie nicht. Es handelt sich bei der neu entdeckten kalifornischen Art um eine Nova Spezies aus der Gruppe der Fadenwürmer (Nematoden) (3). Wie ich vor einigen Jahren ausführlich beschrieben habe (4), gibt es in Nematoden-Populationen nach der Geschlechterausbildung (Gender) sowohl Hermaphroditen, wie auch wenige Männchen (Gonochoristen). Dieser einfache, für den Modellorganismus Caenorhabditis elegans geltende Entwicklungsmodus ist bei einigen Arten erweitert. Bei diesen Nematoden-Spezies werden neben Hermaphroditen und Männchen, auch vom „zwittrigen Muttertier“ (nach Selbstbefruchtung), Weibchen produziert.

 

Diese drei Reproduktionsformen innerhalb variabler Fadenwurm-Fortpflanzungsgemeinschaften repräsentieren aber exakt zwei und nicht drei Geschlechter. Begründung: Es gibt auch dort nur Hoden, die Spermien produzieren (Männchen-Funktion) und Ovarien, die Eizellen hervorbringen (Weibchen-Rolle). Diese zwei Gonadentypen sind entweder „gonochoristisch“ auf Männchen und Weibchen verteilt, oder „hermaphroditisch“ in ein und demselben Individuum ausgebildet.

Gender-Ideologie contra biowissenschaftliche Fakten

Fazit: Obwohl leider in manchen Fachpublikationen fälschlicherweise der Begriff „trioecy“ (Dreihäusigkeit) mit „three sexes“ („drei biologische Geschlechter“) gleichgesetzt wird (5), ist diese Terminologie irreführend und sachlich falsch. Das sollten eigentlich die Redakteure von Spektrum.de und Spiegel Online wissen. Offensichtlich hat aber die sozialkonstruktivistische Gender-Ideologie, die als derzeit letzte Ausgeburt den Glauben an ein „drittes Geschlecht“ hervorgebracht hat, derart indoktrinierend gewirkt, dass auch seriöse Medien dem Zeitgeist hinterher laufen und diesen Gender-Nonsens unter ihr Leservolk bringen. Kein Vorzeigestück für den ehemals weltweit hoch angesehenen Wissenschaftsstandort Deutschland (2)!


Referenzen

1. Kutschera, U. (2018) Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. 2. Auflage. LIT-Verlag, Berlin.


2. Kutschera, U. (2019) Physiologie der Pflanzen. Sensible Gewächse in Aktion. LIT-Verlag, Berlin.


3. Shih, P.-Y., Lee, J. S., Shinya, R. et al. (2019) Newly identified nematodes from Mono Lake exhibit extreme arsenic resistance. Curr. Biol. (in press).


4. Kutschera, U. (2010) Sprengel-Darwin Principle of cross fertilisation and the queen of problems in evolutionary biology. Ann. Hist. Phil. Biol. 15, 159–172.


5. Rahrbach, M. (2015) Warum Frauen eben doch nicht benachteiligt sind: Eine Abrechnung mit dem männerfeindlichen Radikalfeminismus. Verlag Natur und Gesellschaft, Olpe.


Weitere Infos zum Thema Evolution & Gender-Ideologie, s. www.evolutionsbiologen.de.


Sven von Storch

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