Prof. Dr. Ulrich Kutschera

zu Person und Archiv

Abtreibung als Tötungsdelikt und Corona-Impfzwang

Veröffentlicht:

Abtreibung als Tötungsdelikt und Corona-Impfzwang
Datum: 11.02.2022, 12:59

Seit 20 Jahren, beginnend mit der Veröffentlichung der Erstauflage meines Lehrbuchs "Evolutionsbiologie" im Parey Buchverlag/Berlin 2001, beschäftige ich mich mit den christlich-biblisch motivierten "Kreationisten". Diese Gott-gläubigen Schöpfungstheoretiker, u.a. vereinigt in der evangelikalen "Studiengemeinschaft Wort und Wissen", lehnen die auf dem Selektionsprinzip von Darwin und Wallace basierende Erklärung der Arten- bzw. Bauplan-Transformation durch Überproduktion variabler Nachkommen und natürliche Ausleseprozesse aus religiösen Gründen ab. Ihr sogenanntes "Grundtypenmodell" wurde von mir wiederholt als Pseudowissenschaftliches Gedankenkonstrukt entlarvt. Wie kann diese schroffe Zurückweisung begründet werden?

Seit über 40 Jahren beschäftige ich mich u.a. mit der Sexualbiologie aquatischer Ringelwürmer (Annelida: Hirudinea), und kann zu den Artbildungsprozessen europäischer und kalifornischer Spezies zahlreiche Forschungsbeiträge vorweisen (einschließlich der Beschreibung neuer Arten, z.B. Helobdella californica Kutschera 1988, H. austinensis Kutschera et al. 2013 usw.).

Auf dieser fachlichen Grundlage sah ich es immer als eine meiner Pflichten an, diese  Glaubens-basierte "Theobiologie" bzw. "Biotheologie" inhaltlich anzugreifen, und dieselbe als nicht ernst zu nehmende  Schein-Alternative zu unserem soliden evolutionären Weltbild darzustellen.

Kürzlich wurde ich gefragt, warum ich denn, als international tätiger Zoologe und "Evo-Atheist", den emeritierten Papst Benedikt verteidigt habe, und das noch in einem erzkonservativen Katholiken-Journal (siehe kath.net/news/77421). Meine Antwort lautete, dass dieser prominente Katholik, als "erfolgreicher weißer Mann", zu Unrecht von Sympathisanten der LGTB-Pädolobby beschuldigt wurde, und das wollte ich in diesem Beitrag klar zum Ausdruck bringen. Diese Verteidigung eines Theisten durch einen "Gott-losen Darwinisten" führt mich zur Abtreibungs-Problematik.

In meinem gerade in einer 2., verbessert-ergänzten Neuauflage erschienen Buch "Strafsache Sexualbiologie. Darwinische Wahrheiten zu Ehe und Kindeswohl vor Gericht"
(evolutionsbiologen.de/media/files/flyer-final.pdf) habe ich die Frage, wie ein Kind entsteht, auf aktuellem Kenntnisstand dargestellt. Es ist erstaunlich, dass die männlichen Gameten (Spermien) trotz immunologischer Schranken im weiblichen Genitaltrakt  mit recht guter Zielgenauigkeit die  befruchtungsfähige Eizelle (gereifte Oocyte) erreichen, um einen zellulären Sex-Akt vollziehen zu können. Daher lautet auch der betreffende Buch-Abschnitt zur inneren Befruchtung "Vater werden ist doch schwer!".

Nach Beschreibung der vorgeburtlichen Entwicklung des Menschen wird dann ab Seite 82 die Frage diskutiert, wann "das menschliche Leben" beginnt. Die Stadien Zygote, Embryo und Fötus sind im Detail dargestellt -- auf dem aktuellen Kenntnisstand -- und da beginnt die Problematik bzgl. biologische Bewertung einer Tötung im Mutterleib. Mit dem Sex-Akt, d.h. der Befruchtung, beginnt ein genetisch individuelles menschlichjes Leben, und eine vorsätzliche Tötung dieses generierten Homo sapiens im Mutterleib ist biologisch betrachtet unakzeptabel. Wahrscheinlich werden rund 20% aller  Embryonen bzw. Föten natürlicherweise vom Mutterleib abgestoßen, weil es genetische Inkompatibilitäten gibt, oder Entwicklungsstörungen auftreten. Diese "natürlichen Abtreibungen" können einen Kinderwunsch zunichte machen, und Paare schwer belasten. Rund 70% der Befruchtungsprodukte (Zygoten) entwickeln sich in Europa im Mutterleib zu lebensfähigen Babys.

Und nun zur Frage bzgl. der gezielten Tötung im Uterus. Meiner Ansicht nach ist es gerechtfertigt, in Ausnahmefällen bis maximal zur 4. Schwangerschaftswoche, eine derartige Menschentötung vorzunehmen. Bei Vergewaltigungen oder erzwungenen Verwandten-Verheiratungen sollte man der sexuell geschändeten Frau die "ungeliebte Frucht im Mutterleib" abnehmen, so grausam das auch ist. Unter bestimmten Medizinischen Indikationen, wie schweren Behinderungen, die bereits vorgeburtlich sichtbar werden, kann man meiner Ansicht nach ebenfalls eine beschönigend als "Abtreibung" bezeichnete derartige gynäkologische Operation vornehmen.

Wie verlaufen diese Tötungsdelikte bei Embryonen bzw. Föten in späteren vorgeburtlichen Entwicklungsstadien? Zunächst wird das bereits als Junge oder Mädchen ausgebildete Menschenkind im Mutterleib mit einer spitzen Nadel getötet, d.h. abgestochen -- bis der Herzschlag verstummt. Danach holt der  "abtreibende Arzt" mit einer Zange abgetrennte Einzelteile der blutenden Leiche aus dem Mutterleib und sammelt den Kopf, die Ärmchen, Beinchen und den Rumpf, mehr oder weniger zerrissen, in einem Behälter. Soweit mir bekannt, werden diese zerstückelten Leichenteile nicht beerdigt, sondern "entsorgt", aber diesbezüglich bin ich mir nicht sicher.

Das Motto dieser wahrlich "teuflischen Menschen-Vernichtungs-Praxis" lautet u.a. "Mein Bauch gehört mir"-- Wie passt dieser Spruch zur derzeitigen "Corona-Doktrin", die wie folgt umschrieben werden kann: "Mein Körper gehört dem Impfwütigen Pseudo-Gesundheits-Staat?" Warum werden etwa 100 000 jährliche Tötungen im Mutterleib, mit jeweils ca. 80 verlorenen Lebensjahren akzeptiert, aber bei 80 Jahre alten Opfern einer realen SARS-CoV-2-Infektion, die das Leben oft nur um wenige Monate verkürzt, ein Staats-Trauerakt vollzogen? (so sehr mir die an der Lungenkrankheit Covid-19 leidenden und sterbenden Menschen leid tun!).

Kommen wir zu den eingangs erwähnten christlich motivierten "Evolutions-Leugnern" bzw. den emeritierten Papst zurück. So wenig ich deren theistische Einmischung in die per definitionem atheistische Biologie akzeptiere,  kann ich aber ihre Ablehnung der "Abtreibung" verstehen. Daher habe ich die Petition von Eduard Pröls/ Citizen GO unterzeichnet: Es gibt kein "Menschenrecht" auf teuflische Tötungsdelikte im Mutterleib, die euphemistisch als "Abtreibungen" bezeichnet werden!

Die Europäische Union würde ihre "humanistische" Basis verlieren, sollte die "Abtreibung" in die EU-Charta der Rechte aufgenommen werden. Nur politisch indoktrinierte, naturwissenschaftlich naive Ignoranten der Sexualbiologie, die (wie Bibeltreue Kreationisten!) das Faktum Humanevolution zurückweisen, und an den "Mensch als Soziales Konstrukt" glauben, können Derartig Abartiges befürworten.

--
Dr. Ulrich Kutschera
Professor of Biology                                                                 
Academic Advisor & Manager: Project W. R. Briggs/Stanford-019
I-Cultiver, Inc., San Francisco Bay Area, Tracy, CA 95376, USA
The Systems Biology Group, Inc., Palo Alto, CA 94306, USA
AK Evolutionsbiologie, 79104 Freiburg i. Br., Germany
www.evolutionsbiologen.de

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.