Haltet den Dieb!
Haltet den Dieb!
Datum: 29.04.2013, 10:14
Statt von der „Eurokrise“ reden unsere Europolitiker, die Sprecher bei ARD und ZDF und alle anderen, die ihre Köpfe vor der immer deutlicher werdenden Eurorealität immer tiefer in den Sand stecken müssen, weiterhin gern von der „Staatsschuldenkrise“.
Dabei hätten sich die Südstaaten der Eurozone ohne die niedrigen Eurozinsen nie so hoch verschulden können. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Nebelgranate gezündet wird, um dem Schuldigen die Gelegenheit zu geben zu entkommen. Im Bundestag wurde die Diskussion über die Zypernrettung geschickt hinter dem "Zickenkrieg" um die Frauenquote versteckt, und alle sonst so kritischen Medien fielen darauf hinein. Mit dem Fall „Höneß“ wird zur Zeit das Stück „Jagd auf Steuersünder“ aufgeführt, was dem Euro Gelegenheit gibt, sich weiterhin hinter der Kulisse zu verstecken.
Dass der Süden unter einer zu starken Währung leidet, in Rezession, Arbeitslosigkeit und Depression versinkt, liegt am Einheitseuro! Früher konnte man dort durch Abwertung der eigenen Währung die Preise für Hotelzimmer, Autos und Maschinen wettbewerbsfähig halten. Seit dem Einheitseuro ist das nicht mehr möglich.
Dass sich Sparer und Rentner im Norden wegen einer zu schwachen Währung zunehmend vor Inflation ängstigen müssen, liegt genauso am Einheitseuro wie die steigenden Immobilienpreise in deutschen Ballungsgebieten! Auch dass die Münzprägeanstalten über Lieferengpässe für Goldmünzen klagen müssen, liegt am Euro!
Wenn die Wirtschaftsleistung in der Eurozone schrumpft, während sie weltweit zulegt und in der Eurozone mit über 19 Millionen Arbeitslosen ein historischer Höchststand erreicht wird, liegt das an den katastrophalen Folgen der Eurorettungspolitik. Wenn die Jugendarbeitslosigkeit im Süden explodiert und die Menschen dort Frau Merkel die Schuld dafür geben, dann liegt das am Euro! Eigentlich müsste sie entgegnen: „Das liegt nicht an mir, das liegt an der Einheitswährung, die Euch die Möglichkeit nimmt, Eure Arbeitskraft zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten!
Das aber hieße, mit dem Finger auf den Schuldigen zeigen, den Euro! Anstatt ihn anzuzeigen, nimmt sie die Schuld lieber auf sich oder auf uns, denn es sind die Deutschen, die zur Lieblingszielscheibe anderer Europäer geworden sind. Ist das, was die Urheber des Euro als Friedensprojekt im Sinn hatten?
Als die Kanzlerin letzte Woche vor dem Sparkassenverband forderte, die Europäische Zentralbank (EZB) müsse die Zinsen erhöhen, um die Spareinlagen der Deutschen vor der Inflation besser zu schützen, hätte sie ehrlicherweise gleich hinzufügen müssen: „Das geht nun mal nicht mehr, denn die EZB kennt nur einen einheitlichen Zinssatz“. Warum sie es nicht tat, ist auch klar. Sie hätte mit einem Satz die Fehlerhaftigkeit der ganzen Konstruktion entlarven, den Euro als Schuldigen an den Pranger stellen und rufen müssen: "Haltet den Dieb!"
Der Beitrag erschien zuerst auf Handelsblatt.com
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