Frankreich ist zu schwach für den Euro
Frankreich ist zu schwach für den Euro
Datum: 28.05.2013, 09:23
In der vergangenen Woche sagte Frankreichs Ex-Präsident Valerie Giscard d’Estaing, dass in einer Partnerschaft kein Partner viel stärker sein dürfe als der andere. Er bezog sich natürlich auf die Ursache der sich verschlechternden Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Der Verfasser hat zwölf Jahre in Paris gelebt und weiß, dass viele Franzosen auch so denken. Er ist trotzdem der Meinung, dass befreundete Nationen sich nicht so wie Ehepaare verhalten müssen, deren Partner immer auf den anderen warten. Und haben die Deutschen nicht auch gute Beziehungen zu anderen, wirtschaftlich schwächeren Nationen?
Es wird höchste Zeit, sich mit der Ursache der aus dem Lot geratenen französisch-deutschen Achse zu befassen: mit dem Euro! Allerdings, bisher bleibt es politisch inkorrekt, zuzugeben, dass der Euro zu stark für Frankreich und zu schwach für Deutschland geworden ist.
Jahrzehntelang konnte Frankreich seine Wettbewerbsfähigkeit durch eine Kombination von Reformen und Abwertungen seiner Währung erhalten. Blieben die Reformen aus, konnte die Regierung das Ventil der Abwertung öffnen. Seit Einführung des Einheitseuros geht das nicht mehr.
Heute leiden Franzosen unter einem zu starken Euro und einer Rezession, deutsche Sparer zunehmend unter zu einem zu schwachen Euro und zu niedrigen Zinsen, um die Inflation auszugleichen. Das Resultat kann man auf beiden Seiten des Rheins besichtigen: drüben steigende Arbeitslosigkeit insbesondere für die Jungen; hier ein Ansturm auf inflationssichere Immobilien.
Was bedeutete es eigentlich, wenn Präsident Hollande von der EZB niedrigere Zinsen verlangt, während Kanzlerin Merkel zur gleichen Zeit für höhere wirbt? Die Antwort kann doch nur heißen: eine “one-size-fits-all” – Währung kann in wirtschaftlich so unterschiedlichen Situationen wie denen in Frankreich und Deutschland nicht funktionieren.
Um den Euro zu stabilisieren, sollte mit dem Fiskalpakt der „Süden“ dem „Norden“ angeglichen werden. Seitdem klar ist, dass keins der „Südländer“ seine Ziele auch nur annähernd erreicht, wird eine weitere Strategie verfolgt: Deutschland soll ihnen durch eine teilweise Aufgabe seiner Produktivitätsvorsprünge entgegen kommen.
Und hier kommen wir zur Ursache der Probleme zwischen Paris und Berlin. Zwar ist Frankreich wirtschaftlich nicht besser dran als Italien oder Spanien, trotzdem verweigert es sich den nötigen Reformen. Stattdessen verlangt Präsident Holland, französische und deutsche Schulden mit Eurobonds zu sozialisieren, sein Industrieminister will, dass Deutschland weniger exportiert, sein Finanzminister will höhere deutsche Steuern. Das kommt hier nur bei linken Ökonomen, Roten und Grünen gut an.
Außenminister Westerwelle dagegen fühlte sich letzte Woche aufgerufen, so wie andere deutsche Kollegen vor ihm auch, Frankreich zu Reformen zu drängen. Das kommt in Frankreich bei niemandem gut an.
Als beide Länder noch nicht in einem Euroverbund aneinander gekettet waren, ist niemand auf die Idee gekommen, dem anderen Partner vorzuschreiben, welche Wirtschafts- und Sozialpolitik er zu verfolgen hat. Heute stecken Franzosen dauernd ihre Nase in deutsche und Deutsche ebenso oft ihre in französische Angelegenheiten.
Der Euro sollte mal Frieden stiften. Heute führt er dazu, dass die Deutschen von den Franzosen zunehmend als schulmeisterlich, die Franzosen von den Deutschen als reformfaul angesehen werden.
Bevor der Euro Frankreich und Deutschland weiter voneinander trennt, sollten sich beide vom Einheitseuro trennen.
Beitrag erschien zuerst auf: Handelsblatt.com
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