Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Zwei Inszenierungen, zwei Demokratien

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Zwei Inszenierungen, zwei Demokratien
Datum: 19.11.2024, 21:31

Die US-Wahl ist gelaufen, Donald Trump hat mit einem überragenden Vorsprung von 312 zu 226 Wahlmännerstimmen seine kurzfristig und putschartig für einen schon lange dementen Präsidenten installierte objektiv unfähige Konkurrentin besiegt. In Deutschland zerbrach sofort danach die sogenannte Ampel-Koalition, die wahrscheinlich schlechteste Regierung, welche die BRD je hatte; vorgezogene Neuwahlen stehen jetzt an.

Nachdem die wie alle Linken völlig der Realität enthobene, abgehoben-elitäre Kamala Harris behauptet hatte, als Studentin bei McDonald’s gearbeitet zu haben, was sein kann oder auch nicht, hat sich Donald Trump in der Schlussphase des Wahlkampfs kurzerhand die Schürze umgebunden und bei einer McDonald’s-Filiale in Pennsylvania die Fritten ausgeteilt. Auch kritische Beobachter mussten zugeben, dass er „gewiß ein Showman [ist] und ein Selbstdarsteller, aber ein in sich konsistenter und mitunter geradezu genialer. Sein Auftritt als Frittenausteiler bei MacDonald’s ist einer der erstaunlichsten Propagandacoups, die ich je gesehen habe, und niemand anderer hätte die Fähigkeit gehabt, diese Nummer derart glaubwürdig und sympathisch durchzuziehen“ (Martin Lichtmesz).

Bei YouTube kann sich man Szenen dieses Wahl-Werbeauftritts anschauen. Die Leute, die beim Drive-Thru vorbeifahren und plötzlich Donald Trump gegenüberstehen, der ihnen die bestellte Tüte aushändigt, wissen, dass es sich um eine Inszenierung handelt, aber sie gehen gern darauf ein, gerade weil sie das durchschauen. Die Unterhaltungen wirken natürlich, nicht aufgesetzt. Die Spots sind selbstverständlich vom Wahlkampfteam für YouTube ausgewählt, aber nicht gestellt. Trump weiß mit den Leuten zu reden. Das ist Volksnähe, gern auch „Populismus“ genannt. Negativ gemeint ist das meist, aber in Wirklichkeit ist es überhaupt nicht negativ.

Die Inszenierung ist also ein ehrlicher Deal. Trump weiß, dass er spielt, und die Leute wissen es auch. Es ist eine runde Sache. Man nimmt ihm den McDonald’s-Mitarbeiter ab, obwohl man weiß, dass er Millionär ist.

Im Gegensatz dazu stammelt Robert Habeck „der Dreitage-Bärtige“ (Michael Klonovsky) verdächtiger- und ausnahmsweise rasiert in einem sichtlich zur „Küche“ umgebauten Studio irgendeinen einstudierten semantischen Unsinn. Er behauptet in peinlicher Weise, gerade „mit Freunden“ gekocht zu haben, und gleichsam nebenbei auf die Idee gekommen zu sein, Kanzlerkandidat werden zu wollen. „Ich habe gesagt, ich biete mich an mit meiner Erfahrung, mit dem, was ich kann, mit meiner Kraft.“ Welche Erfahrung? Welches Können? Welche Kraft? Er hat Deutschland in die schwerste wirtschaftliche Krise seit Jahrzehnten gestürzt. Er sollte froh sein, nicht juristisch zur Verantwortung gezogen zu werden.

Es ist abstoßend, was Habeck da macht. Er täuscht Volksnähe vor, hat aber keinerlei Kontakt zu den Menschen. Die Inszenierung ist steril, verlogen. Er wagt es sehr wahrscheinlich nicht, sich echten Menschen auszusetzen wie Donald Trump das tut. Da nützt auch das ekelerregend sich anbiedernde Duzen nichts, in das Habeck kalkuliert immer wieder verfällt. Nimmt ihm das jemand ab? Es ist zu befürchten, dass es immer noch zu viele sind.

Diese zwei Inszenierungen zu vergleichen ist sehr lehrreich. Trump lässt die Leute down-top kommen und reagiert auf ihre Aussagen. Habeck indoktriniert nur top-down und lügt auch („Putin ist schuld an der Inflation“). Manche Leute brauchen das offenbar; in der Corona-Zeit gab es in Deutschland bei Demos Schilder mit der Aufschrift „Verbietet uns mehr!“ Anderswo gibt es Überraschungen und echten Politikwechsel. Was wir sehen, ist der Unterschied zwischen einer vitalen Demokratie und „Unsererdemokratie“. Den „Raum des Politischen eröffnen“, wie Habeck salbaderte, würde bedeuten, dass die linksgrünen Parteien endlich von der Bildfläche verschwinden. Wie sagte Habeck: „Vielleicht ja doch.“

Sven von Storch

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