Zum abertausendsten Mal_ Lückenpresse
Zum abertausendsten Mal_ Lückenpresse
Datum: 28.07.2017, 12:21
Heute erschien ein ganzseitiger Artikel in der "FAZ" unter dem Titel: "Die eingebildete Verschwörung". Die Journalisten Gerald Braunberger, Stephan Löwenstein und Reinhard Veser zeigen ein Plakat der ungarischen Regierung mit dem "Konterfei eines lachenden George Soros" und beginnen die Legende mit dem Satz: "Anstachelung antisemitischer Empfindungen?", also mit einem Fragesatz, von dem aber in raffinierter Weise beim Leser natürlich nur das Wort "antisemitisch" übrigbleiben soll. So suggestiv geht es weiter.
Weil der Besprechungsraum der von Soros (aber "nur" zu "etwa einem Drittel") finanzierten NGO namens "Helsinki-Komitee" "klein" sei, könne hiervon kein Einfluss ausgehen, behaupten die Autoren. Dümmer geht es kaum: kleine Räume, kleiner Einfluss. Für wie dumm halten diese Journalisten ihre Leser?
Um nicht ganz einseitig zu erscheinen, wird auch etwas Kritik an Soros und seinen Spekulationsgeschäften geübt. Es wird sogar gesagt, dass er mit seinen Prognosen nicht immer recht hatte. Na so was. Ansonsten gehe es ihm, der aus den direkten Geschäften schon längst ausgestiegen sei, nur um "Rechtsstaatlichkeit". Frau Bakonyi vom "Helsinki-Komitee" beklagt, dass die ungarische Regierung auf alle, die nicht ihrer Meinung seien, "Druck ausübe." Ein Blick auf die in Ungarn veröffentlichte öffentliche Meinung zeigt, dass eine Vielfalt herrscht, die es in Deutschland zum Beispiel nicht mehr gibt. Vom "Druck", den die deutsche Regierung auf Andersdenkende ausübt, wollen wir gar nicht reden.
Drei eklatante Fehlleistungen machen den Artikel aber zu einem üblen Pamphlet.
1. Der Vorwurf des Antisemitismus wird ohne jede Begründung erhoben; das gezeigte Plakat kann nur auf Umwegen antisemitisch interpretiert werden. Dass es Leute gibt, also nicht nur Linke wie die Autoren, sondern auch Rechtsextreme, die das tun, heißt nicht, dass das Plakat antisemitisch ist, denn es muss möglich sein, einen Mann, der ohne Mandat politischen Einfluss hat, zu kritisieren, auch wenn er zufällig Jude ist. Der israelische Ministerpräsident Netanjahu hat bei seinem kürzlichen Besuch in Budapest Ungarns Leistung im Kampf gegen Antisemisitismus ausdrücklich gelobt. Davon schreiben die Autoren nichts.
2. Im Untertitel schreiben die Autoren: "Er [Viktor Orbán] wirft ihm [Soros] vor, Millionen von Migranten nach Europa umsiedeln zu wollen, um Profit zu machen. Wie kommt Orbán bloß darauf?" Im ganzen Artikel sucht man vergebens nach der nur zu offenkundigen Antwort, nämlich dem Statement von George Soros selbst. Es ist in der "Welt" nachzulesen und heißt "Soros-Plan". Soros hat diesen Plan später modifiziert, aber im Grunde bleibt es dabei: Millionen von Migranten nach Europa umzusiedeln. Alle Punkte sind offizielle Politik der EU geworden. Und da fragen die Autoren: "Wie kommt Orbán bloß darauf?" Ja, wie bloß?
3. Eine Verschwörungstheorie ("Soros als Strippenzieher") ist immer schlecht. Sogar die "Weisen von Zion" werden von den Autoren als Vergleich bemüht, um die Absurdität der Vorwürfe gegen Soros zu zeigen. Das ist natürlich auch nur suggestive Rhetorik. Es wäre ihre Pflicht, solchen Theorien harte Fakten entgegenzusetzen. Es gibt harte Fakten. Was macht Soros zum Beispiel auf einem EU-Gipfel bei dem EU-Kommissionspräsidenten Junckers, der auf Nachfragen sagt, über den Inhalt des Gesprächs ließe er nichts verlauten und er empfange, wen er wolle? Da müssten Journalisten ansetzen. Warum sucht man im Artikel vergebens nach der "ESI" (European Stability Initiative), einem von Soros (teil-)finanzierten "Think tank", der sowohl die Kanzlerin Merkel als auch die EU berät, und zwar in Richtung eines kontinuierlichen Nachschubs an muslimischen Einwanderern aus Afrika und dem Orient? So versteckt sind diese Ideengeber nicht. Wenn man die "ESI" vor den Lesern verschweigt, kann man sie natürlich scheinheilig fragen, wie Orbán bloß auf so etwas Abwegiges komme, dass Soros Millionen von Migranten nach Europa umsiedeln wolle.
Diese drei Fehlleistungen machen den Beitrag zu einem miesen propagandistischen Angriff auf eine ausländische Regierung, die im Wahlkampf steht. Aber von hier aus, wo "die Guten" leben, ist das ja erlaubt. Umgekehrt ist es verboten. Zweierlei Maß. Schlechter kann Journalismus kaum sein.
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