Wird man wenigstens ihm glauben_
Wird man wenigstens ihm glauben_
Datum: 06.04.2016, 21:51
Es gibt auch immanente Kritik des Islam, aber sie wird ebensowenig gehört wie Kritik von außen, sei sie noch so gut begründet. Gerade ist in der „Zeit“ ein Gespräch der Literaturkritikerin Iris Radisch mit dem algerischen Autor Boualem Sansal erschienen, in dem er der erschrockenen Interviewerin exakt das wiederholt, was er vor vier Monaten schon in der „FAZ“ gesagt hat - ohne jede Konsequenz. Ich beziehe mich hier auf das ältere Interview, um zu zeigen, wie wenig sich geändert hat.
„Die Islamisten wollen die Welt erobern und sind dabei, sich in Europa einzurichten“, sagt einer, der es wissen muss: Boualem Sansal (Interview in der FAZ vom 18.11.2015). Und die deutsche Regierung hilft dabei mit! Es dürfte wohl auch ohne geheimdienstliche oder polizeiliche Kenntnisse klar sein, dass umso mehr Fische herumschwimmen, je größer der Teich ist. Anders gesagt: Vielleicht ist der Teich nicht das Problem, aber ohne Teich gibt es auch keine Fische. Warum ist die Wahrscheinlichkeit von Terroranschlägen in Polen, Ungarn oder Lettland wesentlich geringer als in Frankreich, Dänemark oder Deutschland? Wer den Zusammenhang zwischen dem Anteil an islamischer Bevölkerung und radikalen Muslimen leugnet, wer also die logische Konsequenz aus der millionenfachen Zuwanderung von Muslimen nicht sieht, ist mehr als ein weltfremder Traumtänzer, man muss ihn wohl eine Gefahr nennen; er ist Teil des Problems. Der Starrsinn in der Regierungsspitze, so könnte man diagnostizieren, zeigt Züge beginnenden Alzheimers.
Sansal ist ein Mann, der mehr Mut hat als alle unsere Politiker zusammengenommen und, seien wir ehrlich, mehr als wir alle. Er lebt in einem von Terror erschütterten Land und ist nicht nur Ziel der islamischen Terroristen, sondern auch der korrupten Regierung. Trotzdem bleibt er in Algerien, ohne Schutz, obwohl er mehr Grund hätte zu fliehen als viele von denen, die gerade täglich über die deutsche Grenze strömen. Er ist nämlich tatsächlich verfolgt und auch noch jemand, der unserer Kultur näher steht als 90% der stockkonservativen Einwanderer, die gerade mit Beifall an unseren Bahnhöfen begrüßt werden und dafür keineswegs dankbar sind, sondern bald unsere Art zu leben werden ändern wollen.
Was er, ein aufgeklärter Moslem, sagt, wollen die Willkommensbewegten nicht hören. Der radikale Islam ist attraktiv wie es totalitäre Herrschaftsideologien, von denen er nur die älteste ist, immer schon waren; sie geben eine klare Orientierung: „Es geht um Indoktrination. Die Jugend ist desorientiert und sucht nach einem Sinn des Lebens. Diese Lücke füllt die Religion aus. Sie bietet Visionen, politisches Engagement und eine Moral. Diese Zutaten zusammengenommen machen den Islamismus so faszinierend, dass sich inzwischen sogar Christen, Atheisten und Juden unter den Islamisten finden.“
Was hat der Westen dem entgegenzusetzen? Seinen blassen „Verfassungspatriotismus“? Seinen idiotischen Konsumismus? Seinen nihilistischen Relativismus? „Weltweit mobilisieren sie Anhänger, und ihnen gegenüber steht – nichts, Leere. Die Demokratien sind schwach. Deshalb werden die Islamisten obsiegen und große Teile der Welt beherrschen. Denken Sie doch nur einmal: Vor zwanzig Jahren gab es sie nicht, und schon heute dominieren sie mehr als dreißig Länder. Und sie gewinnen ständig neue Territorien hinzu, ob in der Sahara, im Irak oder in Syrien. Die Türkei wird von einer islamistischen Partei regiert, Iran, Marokko. Und als Nächstes installieren sie sich in Europa.“
Schon der verfemte Autor, dessen Name nicht mehr genannt werden darf, hat in „Deutschland von Sinnen“ den Widerspruch bemängelt, der zwischen den Beteuerungen, der Islam sei doch nur ein kleiner, harmloser Teil unserer Gesellschaft, und seiner ununterbrochenen medialen Überrepräsentanz besteht. Ihm glaubt man nicht. Glaubt man Sansal, der mit anderen Worten dasselbe sagt? „Was ich meine, ist eher eine psychologische Unterwerfung [Europas]. Seit Jahren spricht man hier von nichts anderem mehr als vom Islamismus. Das ist für mich durchaus eine Form der Okkupation. Der Islam stammt nicht aus Europa, aber europäische Medien, Regierungen, die Sicherheitspolitik – alles dreht sich nur noch darum. Die Islamisten treiben den Westen vor sich her. Sie brauchen gar keine Ministerposten, sie regieren auf ihre Art. Sie erzeugen eine Stimmung der Angst und des Schreckens, um ihre Ziele durchzusetzen.“
Zuletzt zeigt sich die „Unterwerfung“ im Verbot von Kritik, die man von Muslimen kaum erwarten und die also nur extern vom Westen kommen kann. Doch das wird unter Rassismusverdacht gestellt: „Und zuletzt ist es für einen Muslim schwer, einen anderen Muslim zu kritisieren. Schon als Europäer steht man dann unter Verdacht, islamophob zu sein. Über einen Muslim, der sich kritisch äußert, aber heißt es, er sei vom Glauben abgefallen. Das ist sehr gefährlich.“ Was für ein schöner Gleichschritt einer totalitären Ideologie mit dem Land des moralischen Imperialismus.
In Talkshows werden immer wieder mal eine Frau Hübsch oder eine Frau Gümüşay in voller islamischer Montur hofiert. Wie blöd müssen sich Musliminnen vorkommen, die ohne Kopftuch, emanzipiert, selbständig sind - das gibt es in Deutschland doch auch! Sie müssten in unserem Staat unterstützt und in Talkshows als Vorbild gezeigt werden, nicht diejenigen, die noch nicht in ihrem Handeln, aber in ihren Ansichten vom IS kaum zu unterscheiden sind. Doch unsere christophoben Atheisten haben ihr Herz für den Islam entdeckt und vertrauen die Integration der „Flüchtlinge“ jetzt ausgerechnet den Islamverbänden an. Das kann man nur noch als intellektuelle Kapitulation bezeichnen.
Aber natürlich ist das eigentliche Problem unserer Zeit und Weltgegend die Glaubenslosigkeit. Mit den Worten Günter Rohrmosers gesagt handelt es sich um ein „tiefes kulturelles Vakuum, weil die geistigen und religiösen Grundlagen der Kultur entleert sind und wir allenfalls noch die Früchte genießen, die Fundamente aber aufgegeben haben.“ Prophetisch schrieb er 2008, dass „dies die Stunde ist, in der der Islam als Gesetzesreligion seine ungeahnten Wirkungen entfaltet. [...] Die Rede von Integration wird zur Farce, weil die Kultur, in die hinein sich die Migranten integrieren könnten, nicht mehr sichtbar ist.“ Rohrmoser klagte die Neomarxisten der Frankfurter Schule und deren 68er Schüler an, durch eine „Kulturrevolution“ die Verbindung zur kulturellen Tradition gekappt zu haben. Insofern könnte man sich, wiederum nach Rohrmoser, vorstellen, dass „die islamischen Mitbürger in 40 Jahren eine Normalität vor der Kulturrevolution auf ihre Weise wiederherstellen würden.“
Rohrmoser glaubt man nicht. Aber auch Sansal sieht es so: „[Die] wahre Intention ist die intellektuelle Ausrichtung. Das große Ziel ist die Renaissance des Islams. Dafür steht die Nahda-Bewegung, deren Name nicht zufällig »Wiedererwachen« heißt. [...] Die Bewegung [hatte] das Ziel, den Islam mit der Moderne zu verbinden. Heute hat Nahda Millionen Anhänger und wird immer mächtiger. Sie unterhalten karikative Initiativen, Koranschulen und sind in Parlamenten vertreten. Aber es sind fundamentalistische Muslime, deren Mission es ist, den Islam zu neuer Größe zu führen, in Afrika, Asien, Europa.“ Nicht umsonst ähnelt der Slogan dem alten „Deutschland erwache!“ Der Kampf gegen Rechtsextremismus soll verstärkt werden? Was ist der radikale Islam anders als rechtsextrem? Aber die einst hellwache Ideologiekritik in Deutschland ist mausetot.
Um nochmals an Rohrmoser anzuschließen, kann der Westen, können wir uns erlauben, Relativisten zu sein, wenn alle Welt, die gewaltige Mehrheit, es nicht ist? Wenn das 21. Jahrhundert das der Religion sein wird, und es sieht danach aus, dass die kulturelle Normalität wiederkehrt auch bei uns, kann es nicht gleichgültig sein, von welcher Religion diese kulturelle Normalität getragen wird. Kann es der Islam sein? Man verstehe mich nicht falsch. Auch in einem überwiegend islamischen Deutschland könnte man gut leben, wenn man sich anpasst. Wenn man sich denn anpasst und einem egal ist, was alles man verliert! Oder kann es ein Christentum der Kirchen sein, die danach schielen, ob sie im Windschatten des Islam wieder ein wenig Terrain gewinnen und die den Deutschen gerade von den Kanzeln predigen, ihren hart erarbeiteten Lebensstandard aufzugeben, um in der Armut mit allen „Flüchtlingen“ dieser Welt gleich zu werden? Hätten die Christen sich immer wehrlos unterwerfen oder sogar umbringen lassen, wären sie zwar moralisch Heilige geblieben, aber es gäbe sie nicht mehr. Sogar das vorchristliche Europa definierte sich seit den Perserkriegen durch die Abwehr von asiatischen Einflüssen. Nein, es kann nur das sich auch verteidigende Christentum des Bernhard von Clairvaux, Balduin von Jerusalem, Johann Hunyadi oder des Prinzen Eugen sein, ein wehrhaftes Christentum, das heute zugeschüttet und verleugnet ist. Seine Berechtigung hat es aber zuzeiten gehabt. Diese Zeit ist wieder gekommen.
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