Wir leben in besonderen Zeiten
Wir leben in besonderen Zeiten
Datum: 07.05.2016, 08:14
Als im Jahr 1989 die Berliner Mauer fiel und der Kommunismus unterging, war den allermeisten Leuten klar, dass es sich um ein außergewöhnliches welthistorisches Ereignis handelte. Meine Eltern, die unter dem kommunistischen Regime gelitten hatten und vor ihm geflohen sind, konnten kaum glauben, was geschah. Auch ich war, wie viele, noch ein Jahr zuvor sicher, dass der Kommunismus das Jahrhundert überleben würde. Aber es hat sich gezeigt, dass wir in besonderen Zeiten leben.
Diese besonderen Zeiten setzen sich fort. Deutschlands politische Klasse hat entschieden, aus ihrem Land einen Vielvölkerstaat zu machen, obwohl es sich offiziell nicht um ein Einwanderungsland handelt. Seit Jahrzehnten strömen Millionen Ausländer ununterbrochen mit den unterschiedlichsten Begründungen in das Land und verlassen es nicht mehr. Das Tempo der Einwanderung hat zuletzt stark zugenommen und hält - trotz gegenteiliger Verlautbarungen - an. Das deutsche Volk, dessen eigene Reproduktion immer mehr abnimmt, hat offensichtlich nichts dagegen und wählt die Parteien wieder in die Regierung, die für diese Entwicklung verantwortlich sind.
Im amerikanischen „New Observer“ („Germany: Nonwhite in One Generation“) und in der österreichischen „Presse“ („Mitteleuropas Islamisierung - nur ein Hirngespinst?“) wurden Berechnungen zur Entwicklung der Bevölkerungsverteilung in Deutschland diskutiert, die ich im Debattenmagazin „The European“ („Wahrheiten zur Flüchtlingskrise“) veröffentlicht habe. Die teilweise noch spekulativen Berechnungen deuten unter dem Eindruck der aktuellen sog. Flüchtlingskrise darauf hin, dass in etwa 30 Jahren die Deutschen in ihrem Land eine Minderheit bilden werden. Wie beim Fall der Mauer können wir uns das nicht vorstellen, aber alle Parameter sprechen dafür.
Dass Völker sich auflösen, ist historisch immer wieder vorgekommen. Die Etrusker gab es noch Jahrhunderte nach dem Untergang ihres unabhängigen Städtebundes, bis in die Zeit des Imperators Augustus. Dann verloren sich ihre Spuren, weil es innerhalb der italischen Provinz sinnlos wurde, jemanden als Etrusker zu bezeichnen. Die Makedonen Alexanders des Großen sind nicht identisch mit den slawisch sprechenden Mazedonen von heute, nur das Territorium, auf dem die sich so nennenden Menschen leben, ist dasselbe geblieben. Die Awaren, eine Föderation mongolischer, slawischer und germanischer Völker, haben nach einer langen Blütezeit auf dem Gebiet des heutigen Ungarn ihre kulturelle Identität verloren und sind in anderen Völkern aufgegangen.
Wir erleben gerade, wie ein Volk, das seit etwa 1000 Jahren unter dem Namen der „Deutschen“ in einem relativ umschriebenen Gebiet Mitteleuropas lebt, mit dessen eigener Zustimmung sich relativ zügig auflöst. Wir sind soeben Zeugen dieses welthistorischen Vorgangs. Es handelt sich um eines der bislang politisch und kulturell bedeutendsten Völker überhaupt, das von anderen Völkern ersetzt wird. Die Begriffe „Deutschland“ und „deutsch“ werden zunächst bestehen bleiben, aber einen neuen Inhalt bekommen; andere Menschen ohne verwandtschaftliche oder kulturelle Beziehungen zum jetzt in diesem Land lebenden Volk werden es mehrheitlich bewohnen.
Analoge Vorgänge werden in anderen Ländern Westeuropas wie Frankreich und Großbritannien beobachtet. Über die Ursachen soll an dieser Stelle nicht spekuliert werden; für Deutschland können die verheerenden Niederlagen in den beiden Weltkriegen und das Schuldbewußtsein wegen des Holocausts eine ähnliche Rolle spielen wie in den anderen Ländern die Tatsache, ehemals Kolonialmächte gewesen zu sein und aus diesem Grund schuldbewußt die Fähigkeit zur Selbsterhaltung verloren und eine Tendenz zur Selbstauflösung zu haben.
Allerdings ist es möglich und erlaubt, gegen diese Entwicklung zu sein. Die Idee des Selbstbestimmungsrechts der Völker wurde von Vladimir I. Lenin, wahrlich keinem Vertreter der „Neuen Rechten“, im Oktober 1914 propagiert und nach der Oktoberrevolution mit dem Dekret über die Rechte der Völker Russlands umgesetzt. Auch der damalige US-Präsident Woodrow Wilson legte seinen Friedensbemühungen am Ausgang des Ersten Weltkriegs die Idee des Selbstbestimmungsrechts der Völker zugrunde, wenngleich er mit ihr einen anderen Inhalt verband als Lenin. In den Menschenrechtspakten der UN wird definiert: „Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft dieses Rechts entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.“ Auch in der EU ist dieses Recht jedes Volkes, sich selbst als Volk zu bestimmen und wirtschaftlich, sozial und kulturell es selbst zu bleiben, nicht beseitigt worden. Daher ist es legitim, wenn baltische oder ostmitteleuropäische Völker keine Einwanderung befürworten, die die Zusammensetzung der Bevölkerung verändert und damit die Auflösung der Staatsvölker bewirkt.
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