Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Wie die Deutschen zu Indianern werden

Veröffentlicht:

Wie die Deutschen zu Indianern werden
Datum: 02.09.2016, 09:13

Ob Münklers Überwachung durch linke Studenten per „Münkler-Watch“, die ihm vorgeworfen haben, rassistisch, militaristisch und sexistisch zu sein, zu seiner Konversion zur Merkelpolitik geführt hat? Das ganze neue Buch ist einmal eine erneute Explikation der bald 40 Jahre alten These vom „Verfassungspatriotismus“, die der linke Politikwissenschaftler Dolf Sternberger eingeführt hat, und dann auch die bei Linken beliebte Übertragung der Verhältnisse der USA auf Deutschland  ̶  obwohl das Scheitern des US-Modells immer deutlicher absehbar ist. Beides, Verfassungspatriotismus und Übertragung, sind denkbar, führen aber, auf Deutschland angewendet, zum Untergang des deutschen Volkes durch Umvolkung.

Der Verfassungspatriotismus wird im Schlusskapitel des Buches nochmals beschworen: Der „entscheidende Identitätsmarker der Deutschen“ müsse schlicht und einfach das Bekenntnis zum Grundgesetz sein. Das bedeutet, dass die Eskimos Deutsche würden, wenn man das Grundgesetz in Grönland gelten ließe. Für Münkler ist das offenbar Identität genug. Der Unsinn dieser Aussage ist offensichtlich. Nun wurde das ius sanguinis („Recht des Blutes“ = Abstammungsprinzip), natürlich durch die Rot-Grünen 1999, wen sonst, durch das ius soli („Recht des Bodens“ = Geburtsortsprinzip) ergänzt. Das ius soli bezieht sich auf das Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland; das Grundgesetz kann also nicht für sich betrachtet werden, sondern ist mit dem „Boden“ verbunden, der traditionell deutsch ist. Das zeigt die zweite Schwäche des Denkens in der Kategorie des „Verfassungspatriotismus“, denn die Verfassung als solche ist eben nicht ausreichend. Nun geht es also zusätzlich um den „Boden“ und der soll nicht mehr „deutsch“ sein, sondern „das Deutsche“ wird von den politischen und intellektuellen Eliten aktiv umdefiniert. Denn jeder weiß, dass die Deutschen jenes weitgehend germanische Volk sind, das seit etwa Otto dem Großen zugleich in dem Gebiet zwischen Rhein und Oder lebt und sich als solche bezeichnet; das soll nach dem Willen der Eliten nicht mehr so sein. Die ganze Welt, die nach Deutschland kommt, wird angeblich „deutsch“, also wie die Grünen und Linken in Deutschland  ̶  so stellen sich wenigstens Trittin, Göring-Eckardt und Künast das vor. Die Größe dieser Entscheidung über den Kopf des deutschen Volkes hinweg ist von katastrophaler Tragweite, denn die Deutschen werden ausgetauscht und verschwinden damit weitgehend aus der Geschichte. Münkler sagt das natürlich nicht so, aber es ist die logische Konsequenz seiner Thesen.

Die zweite Säule des Buches ist die Vorstellung von den USA als optimalem (angeblich multikulturellen) Staat, der jedem Einwanderer die besten Chancen eröffnet, was deshalb auch für Deutschland wünschenswert sei. Jeder, der etwas Ahnung von Geschichte hat, weiß, dass diese Vorstellung von den USA immer schon eine Lüge war  ̶  Münkler weiß das natürlich auch. Die Zahl der Auswanderer, die im Atlantik und Pazifik ertrunken sind, ist hoch, die Einwanderung war spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts streng geregelt, die Einwanderer hatten praktisch keine staatliche Unterstützung,  die Zahl jener, die es nicht „geschafft“ haben, ist Legion, obwohl keiner darüber redet. Kurz: Für Deutschland gelten andere Gesetze. Oriana Fallaci hat diesen Unterschied zu den USA in ihrem Klassiker „Die Wut und der Stolz“ bereits anhand von Italien unwiderleglich demonstriert. Schlau wird nun von den Befürwortern der Einwanderung gesagt, u. a. von der sogenannten Integrationsministerin Aydan Özoguz, aus deren Familie heraus schon (von ihr unwidersprochen) zum Mord an Islamkritikern aufgerufen wurde, dass die Ausländer „nun mal da“ seien. Es wird also die Macht des Faktischen bemüht. Seit letztem Jahr sind weitere 1,5 Millionen einfach „da“. Das stimmt aber so nicht, die Ausländer sind nicht einfach da. Diese, seien es die Gastarbeiter, Asylbewerber, Flüchtlinge, Einwanderer oder unter welchem Namen auch immer, sind immer aktiv mit Förderung der politischen und intellektuellen Elite ins Land gekommen. Es fällt auf, dass trotz angeblicher Verschärfung von Asylgesetzen immer mehr Ausländer „einfach da“ sind  ̶  und die Deutschen absolut und relativ immer weniger werden.

Deutschland ist natürlich kein Einwanderungsland wie die USA, Kanada, Brasilien, Argentinien oder Australien. Es soll aber von rückgratlosen Wissenschaftlern wie Gesine Schwan und eben Münkler dazu gemacht werden. Nun waren auch diese Länder nicht unbewohnt, als sie zu Einwanderungsländern wurden  ̶  gegen den Willen der Autochthonen, die durch Ausrottung, aber auch durch friedlichen Austausch immer weniger wurden. Der ungarische Ministerpräsident Orbán hat in seiner Grundsatzrede an der Sommeruniversität von Bálványos dieses Jahr gesagt: Es sei verständlich, dass die Amerikaner aus ihrer Perspektive ein positives Bild von der Einwanderung haben, denn so seien die USA entstanden. „Doch sie müssen auch verstehen, dass in dieser Geschichte wir [die Europäer] die Indianer sind.“

Die These von der „Umvolkung“, die zuletzt Akif Pirinçci erläutert hat, macht natürlich unter der Bedingung, dass jeder deutsch ist, der legal oder illegal seinen Fuß über die deutsche Grenze auf deutschen „Boden“ setzt, keinen Sinn. Deshalb weitet die Linke ja auch das ius soli immer weiter aus. Nun weiß aber auch Münkler, wen die Türken in Deutschland meinen, wenn sie von „den Deutschen“ sprechen. Sie meinen nicht sich, mögen sie auch die deutsche Staatsbürgerschaft haben, sondern jenes Volk germanischen Ursprungs, das ich oben definierte. Mit dem faktischen Austausch des deutschen Volkes durch Einwanderer wird es immer mehr Menschen in Deutschland geben, die nominell (oder nach Münklers, Özoguz´ oder Merkels Sichtweise) „deutsch“ sind, die aber mit den Deutschen wenig gemein haben außer hoffentlich das Bekenntnis zum Grundgesetz, was aber niemandem nirgendwo eine Identität gibt. Das wird deshalb ein ganz anderes Land sein. Ich betone, dass das nicht schlimm sein muss, aber man sollte es den Deutschen heute sagen. Denn zum Deutschsein gehört mehr als die Verfassung und der „Boden“. Die deutsche Kultur wird marginalisiert werden. Vielleicht bleiben ein paar Rückzugsgebiete in Friesland, Sachsen und Bayern. Österreich könnte zum neuen deutschen Kernland werden, eine interessante Perpektive. Man muss immer das Gute zu sehen versuchen.

Sven von Storch

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