Vor einem Jahr_ Hat sich seitdem etwas verändert_
Vor einem Jahr_ Hat sich seitdem etwas verändert_
Datum: 08.08.2016, 10:49
Milosz Matuschek ist nach Ausweis seines Blogs "Lovenomics" ein selbsternannter Fachmann in Liebesfragen und schlägt in einem Artikel für die FAZ ("Warum macht unser Mitgefühl schlapp?") vor, alle Migranten ganz lange und ganz lieb zu umarmen, bis alles, alles gut ist.
Der Untertitel des Beitrags lautet: "Flüchtlinge und Asylbewerber gelten als Problem statt als Chance. Das liegt an unserer Gastfreundschaft: Wir haben keine". [Diese Behauptung ist angesichts der milliardenschweren Asyl-, Migrations- und Integrationsindustrie und der begleitenden Refugee welcome-Hysterie schon sehr gewagt!] Matuschek versteht nicht, warum Deutschland sich "als eine der reichsten Industrienationen nicht in die erste Reihe stellt, sich die Hände reibt und sagt: Hurra, da kommen sie, die Facharbeiter, Ärzte, Ingenieure!" [Hervorhebung von mir]. Nun war ich vor einigen Tagen am Budapester Keleti-Bahnhof, um mir ein Bild von der Transit-Zone zu machen [die natürlich überhaupt nicht chaotisch war wie in der hiesigen Presse dargestellt]: Da war kein Migrant, der in dieses Wunschbild gepasst hätte. Aber das mag ja ein Ausschnitt sein, der nicht repräsentativ ist, und die Ingenieure, alle von europäischer Qualität, versteht sich, kommen noch. [Sie kamen nicht.]
Unterirdisch ist die Argumentation Matuscheks trotzdem. Dass er an deutscher Küche verzweifelt [er mag keine Bouletten], mag noch angehen, obwohl da schon, wie auch bei seinen so furchtbar schlechten Erfahrungen mit deutschen Automechanikern [diewollen nicht improvisieren, sondern ordentlich arbeiten], ein wenig Deutschenhass durchscheint. Als polnischer Spätaussiedler sei er in Deutschland immer fremd geblieben, der Arme. [Ist das nicht furchtbar: Er konnte seine Herkunft nicht ungeschehen machen, wie es der linke Traum so will...]. Ist nun die Zeit der Rache gekommen? "Wer durch andere Länder gereist ist, erzählt oft begeistert, dass fremde Menschen in Albanien und Georgien, die wenig haben, einen wie selbstverständlich beherbergen und verköstigen." Mag sein, aber Gastfreundschaft beruht auch in Albanien und Georgien auf einer zeitlich begrenzten Dauer. Wer sich im Heim des Albaners oder Georgiers einnisten will, wird ohne Zweifel auf Widerstand stoßen. Und ein Gast pflegt auch in diesen Ländern anzuklopfen, bevor er nach Aufforderung eintritt. So ist das mit der Gastfreundschaft, nicht aber bei Herrn Matuschek. [Übrigens wurde 2015 offiziell noch zwischen Asyl und Einwanderung unterschieden; heute wird nicht einmal mehr nachgefragt, warum alle Asylanten und Flüchtlinge "mit Bleibeperspektive" unmittelbar integriert werden sollen.]
Dann macht er den Gauckschen Fehler, der allen Ernstes die Aufnahme der deutschen Vertriebenen in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg mit der aktuellen Einwanderung von Afrikanern und Asiaten verglich, und sie auch noch als "Integration" bezeichnete. "Im Libanon sind mehr als eine Million Syrer untergebracht", sagt Matuschek. Das stimmt schon, doch sind die Syrer Araber wie die Libanesen. Sagen wir, Österreich müsste 2 Millionen Deutsche aufnehmen (das wäre etwa dasselbe Verhältnis zur eigenen Bevölkerung wie im Libanon), das würde schon ohne größere Probleme gehen. Es ist ein Argumentationsniveau, das erschrocken macht. Matuschek unterrichtet laut FAZ an der Pariser Sorbonne. Das stimmt, er unterrichtet in Teilzeit am Institut für Rechtsforschung. Ohne Worte.
[Im Jahr nach diesem Artikel sind im so abweisenden Deutschland wieder eine große Zahl an Einwanderern angekommen. Dass es weniger sind als 2015, ist der beherzten Balkandiplomatie Österreichs zu verdanken. Der Deal Merkels mit einem Islamisten wird bald Schnee von gestern sein.]
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