Prof. Dr. Adorján F. Kovács

zu Person und Archiv

Verschweigen, verleumden_ Der Krieg der Worte

Veröffentlicht:

Verschweigen, verleumden_ Der Krieg der Worte
Datum: 04.04.2016, 18:48

Unter dem Titel „Das Wörterbuch der neuesten Rechten“ wurden die Begriffe „Das Eigene“, „Genderwahn“, „Geschichte“, „Hypermoral“, „Islam“, „Legitimität“, „Lügenpresse“, „Rasse“, „Realität“, „Thymos“, „Vereinigte Staaten“ und „Widerstand“ besprochen. Dies natürlich polemisch, obwohl meines Wissens erstmalig rechte Autoren wie Thor von Waldstein oder Martin Lichtmesz nicht als komplette Vollidioten dargestellt wurden. 

Die Tendenz der von mehreren Autoren verfassten „Klärungsversuche“ ist so offenkundig, dass einfache Lektüre genügt. Nur kurz will ich einige Beispiele für ihre Technik bringen. So wird bei „Genderwahn“ zum Begriff des „Wahns“ geschrieben, dass dieser Begriff prinzipiell unklar sei. Nun handelt es sich bei „Wahn“ im weitesten Sinne um ein psychiatrisches Krankheitssymptom, und man könnte kritisieren, dass Menschen, die das Genderkonzept vertreten, pathologisiert werden. Darauf geht der Autor aber nicht ein, denn sonst müsste er ja anerkannte linke Begriffe wie „Islamophobie“, die schon lange und hemmungslos Menschen mit einer kritischen Einstellung zum Islam pathologisieren, ebenfalls diskutieren - und das soll ja nicht sein.

Interessant ist bei den Stichworten „Das Eigene“ und „Islam“, dass die Autoren einen Widerspruch innerhalb der Rechten sehen darin, dass für diese auch der Liberalismus zu den Feinden zähle; dies würde sowohl ein Problem mit der Identität als auch mit der Islamkritik geben. Der rechte französische Schriftsteller Richard Millet hat darauf eine zufriedenstellende Antwort gegeben (in seinem Buch „Verlorene Posten“). Das wird selbstverständlich nicht behandelt; vielleicht ist es auch nicht die Aufgabe der FAS, zuviel zu klären.

Perfide wird es aber so richtig beim Begriff „Vereinigte Staaten“. Dort könnte von der Sorge um die wohl geplanten „Vereinigten Staaten von Europa“ die Rede sein, ist es aber nicht. Es geht um die USA und den Wall Street-Kapitalismus - ein potentiell ernstes Thema. Der Autor holt aber den Nazivorwurf 'raus: „Das Geld, der große Gleichmacher, ist das Gift, der wahre Gegner sitzt in Amerika, genauer: in jener Wall Street, von wo aus der »Weltkapitalismus« gesteuert wird. Schon klar, wer gemeint ist.“ Natürlich sind damit „die Juden“ gemeint - eine reine Unterstellung. So geht Verleumdung.

Allen Lesern empfehle ich ein Buch, das ich gerne verschenke - es kann nicht weit genug verbreitet sein. Ich meine Manfred Kleine-Hartlages „Die Sprache der BRD“, erschienen bei Antaios. Darin werden die Worthülsen der deutschen Politik und Presse analysiert, und zwar hervorragend. Natürlich aus rechter Position. Aber aus welcher Position könnte denn der links-grüne Mainstream sonst kritisiert werden? Die Kritik ist auch unterhaltsam. Wer bei Kleine-Hartlage liest, was unter „Offenheit“ und „Zeichen setzen“ wirklich zu verstehen ist, wird schmunzelnd klüger. Und gewappneter gegen die Zumutungen des linken Diskurses.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.