Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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#verbietet1001nacht

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#verbietet1001nacht
Datum: 22.02.2018, 23:12

Die berühmte orientalische Rahmenerzählung „Tausendundeine Nacht“ ist im indisch-persischen Kulturraum entstanden. Später, nach der Islamisierung Persiens, ist sie von arabischen Übersetzern bearbeitet worden. 

Ein König lässt seine untreue Frau ermorden und befiehlt seinem Wesir, ihm jede Nacht eine Jungfrau zum sexuellen Gebrauch zuzuführen, die er jeweils morgens ebenfalls umbringen lässt. Um dem Morden ein Ende zu bereiten, will Scheherezade den König heiraten und stellt sich ihm zur Verfügung. Um nicht umgebracht zu werden wie die anderen Frauen, erzählt sie jede Nacht Geschichten, die sie am Morgen, an einer spannenden Stelle, abbricht, sodass der König neugierig auf die Fortsetzung die Hinrichtung verschiebt. So geht das tausendundeine Nacht, bis der König ihr Gnade gewährt. Inzwischen hat sie ihm, denn das, und nicht das Geschichtenerzählen, war ja der Deal, drei Kinder geboren.

Diese Erzählung strotzt nur so von Frauenverachtung. Dennoch wird sie nicht wie „Pippi Langstrumpf“ oder „Rotkäppchen“ zensiert oder gar verboten. Keine Feministin, keine Frauenrechtlerin weit und breit, die den misogynen Charakter dieser Erzählung geißelt. Woran mag das wohl liegen?

Sven von Storch

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