Prof. Dr. Adorján F. Kovács

zu Person und Archiv

Unterirdisches Niveau bei der FAZ

Veröffentlicht:

Unterirdisches Niveau bei der FAZ
Datum: 01.09.2015, 21:10

Der Untertitel des Beitrags lautet: "Flüchtlinge und Asylbewerber gelten als Problem statt als Chance. Das liegt an unserer Gastfreundschaft: Wir haben keine". Matuschek versteht nicht, warum Deutschland sich "als eine der reichsten Industrienationen nicht in die erste Reihe stellt, sich die Hände reibt und sagt: Hurra, da kommen sie, die Facharbeiter, Ärzte, Ingenieure!" Nun war ich vor einigen Tagen am Budapester Keleti-Bahnhof, um mir ein Bild von der Transit-Zone zu machen: Da war kein Migrant, der in dieses Wunschbild gepasst hätte. Aber das mag ja ein Ausschnitt sein, der nicht repräsentativ ist, und die Ingenieure, alle von europäischer Qualität, versteht sich, kommen noch.

Unterirdisch ist die Argumentation Matuscheks trotzdem. Dass er an deutscher Küche verzweifelt, mag noch angehen, obwohl da schon, wie auch bei seinen so furchtbar schlechten Erfahrungen mit deutschen Automechanikern, ein wenig Deutschenhass durchscheint. Als polnischer Spätaussiedler sei er in Deutschland immer fremd geblieben, der Arme. Ist nun die Zeit der Rache gekommen? "Wer durch andere Länder gereist ist, erzählt oft begeistert, dass fremde Menschen in Albanien und Georgien, die wenig haben, einen wie selbstverständlich beherbergen und verköstigen." Mag sein, aber Gastfreundschaft beruht auch in Albanien und Georgien auf einer zeitlich begrenzten Dauer. Wer sich im Heim des Albaners oder Georgiers einnisten will, wird ohne Zweifel auf Widerstand stoßen. Und ein Gast pflegt auch in diesen Ländern anzuklopfen, bevor er nach Aufforderung eintritt. So ist das mit der Gastfreundschaft, nicht aber bei Herrn Matuschek.

Dann macht er den Gauckschen Fehler, der allen Ernstes die Aufnahme der deutschen Vertriebenen in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg mit der aktuellen Einwanderung von Afrikanern und Asiaten verglich, und sie auch noch als "Integration" bezeichnete. "Im Libanon sind mehr als eine Million Syrer untergebracht", sagt Matuschek. Das stimmt schon, doch sind die Syrer Araber wie die Libanesen. Sagen wir, Österreich müsste 2 Millionen Deutsche aufnehmen (das wäre etwa dasselbe Verhältnis zur eigenen Bevölkerung wie im Libanon), das würde schon ohne größere Probleme gehen. Es ist ein Argumentationsniveau, das erschrocken macht. Matuschek unterrichtet laut FAZ an der Pariser Sorbonne. Das stimmt, er unterrichtet in Teilzeit am Institut für Rechtsforschung. Ohne Worte.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.