Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Theorie und Praxis

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Theorie und Praxis
Datum: 06.02.2015, 11:19

Trocken, kommentarlos und mit offenbar stillschweigender Zustimmung meldeten die deutschen Zeitungen folgende Notiz: Der Großmufti der Al-Azhar-Universität Kairo, Scheich Ahmed al-Tajib, habe am Mittwoch, nach dem Feuertod einer jordanischen Geisel, erklärt, nur die strengstmögliche Strafe - Kreuzigung, andere Tötungsformen oder die Amputation von Gliedmaßen - sei für IS-Terroristen angemessen.

Auch wenn die Al-Azhar in Wirklichkeit nur die orthodoxe Schule der Ašariten vertritt und sich eine klerikale Rolle anmaßt, die im sunnitischen Islam eigentlich abgelehnt wird, spricht doch Bände, dass eine theologische Hochschule, ja, dass ein „Mann Gottes“ derlei erklärt. Der Unterschied in der Auffassung von Recht, Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu abendländischen Vorstellungen ist frappierend. Dass zudem erklärt wird, nur „Gott quäle mit Feuer“, zeigt, dass auch die Gottes- und Jenseitsvorstellungen weit auseinanderklaffen.

Es spricht genauso Bände, dass diese barbarische Erklärung, die inhaltlich dem IS an Brutalität in nichts nachsteht, von unseren progressiven Journalisten so trocken vermeldet wurde. Denn so groß scheint der Unterschied zwischen Theorie und Praxis im Islam denn doch nicht zu sein. Darauf hinzuweisen haben unsere linksliberalen Zeitungen aber unterlassen.

Sven von Storch

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