Steinmeiers Oster-Rede zu Corona
Steinmeiers Oster-Rede zu Corona
Datum: 11.04.2020, 20:18
Er sagte, es handle sich bei der Corona-Pandemie um eine „Krise, für die es kein Drehbuch gab“. Das ist offensichtlich nicht die Wahrheit.
Schauen Sie bitte hier und hier. Seit 2012 ist genau dieses Ereignis einer Pandemie mehrfach angekündigt gewesen. Aber die politische Klasse hatte anderes zu tun als sich um den Schutz der „Bevölkerung" zu kümmern. Nicht nur in diesem Fall, muss man leider sagen.
Der Mann will ein Versagen der Regierenden – und vielleicht mehr noch – vertuschen.
Über die tatsächliche Bedrohung maße ich mir kein Urteil an. Es kann sein, dass Ältere mehr geschützt werden müssen als sonst bei Epidemien. Es gibt zu viele differierende Meinungen. Die Meinung der Regierenden ist nur eine davon. Was feststeht, ist die Tatsache einer für eine rationale Entscheidungsfindung nicht ausreichenden Datengrundlage. Es ist interessant, dass praktisch alle Staaten auf dieser Grundlage die gleichen Maßnahmen ergriffen haben.
Steinmeier sagte, es handle sich um eine „Prüfung unserer Menschlichkeit“. Auch das ist offenkundig falsch. Mit Menschlichkeit haben Kontaktverbot, Besuchsverbot, Versammlungsverbot nichts zu tun. Sondern mit Misstrauen. Und zwar ausgerechnet unserem Nächsten, dem Mitmenschen gegenüber. Das leider ist die Saat, die in dieser Krise ausgesät wird. Wahrlich eine „kostbare Erfahrung", wie Steinmeier es nannte. Die Staaten dagegen, deren Machtmitteln freie Bürger am ehesten misstrauen sollten, haben die Gelegenheit ergriffen, die sich bot.
Denn es handelt sich um ein gigantisches Experiment, wie weit Staaten gehen können bei der Einschränkung von Grundrechten ihrer Bürger, ohne auf Widerstand zu stoßen. Das interessiert jeden Staat. Die Gelegenheit ist zu günstig. Deswegen lobte Steinmeier ja auch das „kraftvolle" Handeln des Staates, für den er steht. Und die Rechnung für unsere „Geduld und Disziplin" kommt noch. Als ich am Schluss der Rede das Wort „Solidarität" hörte, war mir alles klar. Es geht um Geld.
Übrigens hat die Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, hierzulande flapsig „die Queen" genannt, in ihrer ebenfalls ungewöhnlichen Osteransprache Christus zweimal erwähnt und das Auferstehungsgeschehen ausführlich behandelt – wie es ihrer Aufgabe als Verteidigerin des Glaubens entspricht. Nicht nur wegen des Brexit scheint Großbritannien geistig glücklicher.
Morgen, am Ostersonntag, werden die Kirchen leer sein. Das gab es lange nicht, vielleicht noch nie. Mögen trotzdem mehr Gebete zum Himmel steigen, als wenn die Kirchen voll wären! Und der schöne Ostergruß der Orthodoxen gilt heute wie immer: „Christ ist erstanden!" – „Ja, er ist wahrhaft auferstanden!"
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