Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Sozialismus ist der Kosename für Kommunismus

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Sozialismus ist der Kosename für Kommunismus
Datum: 06.02.2017, 12:33

Viktor Orbán zeichnet sich ausweislich seiner Reden als theoretisch äußerst bewusster und fundierter Politiker aus. Obwohl er machtbewusst ist, was jeder erfolgreiche Parteipolitiker sein dürfte, fehlt ihm trotz einer mittlerweile langen Karriere  jenes selbstwidersprüchliche und prinzipienlose Agieren, wie das zum Beispiel für Frau Dr. Merkel und andere Exemplare der deutschen politischen Klasse typisch ist. Man kann bei ihm tatsächlich noch von rational begründeten Prinzipien ausgehen.

Zu diesen Prinzipien gehört ein klarer Antikommunismus. Man sollte meinen, das sei westlicher Konsens, doch wäre diese Annahme, dächte man sie ernst, ein törichter Fehler. Obwohl der Kommunismus sich ebenso massenmörderisch ad absurdum geführt hat wie der Nationalsozialismus, gibt es heute immer noch berühmte Philosophen wie Alain Badiou oder Slavoj Žižek, die sich offen als Kommunisten bezeichnen, was erstaunlicherweise keine öffentlich-mediale Entrüstung hervorruft wie ein Bekenntnis zum Faschismus. Die Leute sind als Autoren, Lehrer und Interviewpartner gefragt.

Auch in der Politik gibt es Menschen wie die Fraktionsführerin der Partei „Die Linke“, Sahra Wagenknecht, die sich lange als Kommunistin bezeichnete, bevor sie einen nicht sehr überzeugenden rhetorischen Wandel vollzog. Natürlich ist sie immer noch Kommunistin. Diesen „Wandel“ kennt man bei Kommunisten zur Genüge, es gab ihn schon bei der SPD in Bad Godesberg 1959, als diese Partei die revolutionäre Perspektive des Kommunismus aufgab, um in der Nachkriegs-Bundesrepublik regierungsfähig werden zu können.

Die SPD kommunistisch? Man wird bei ihr darauf hinweisen, dass sie in der DDR von den „echten“ Kommunisten der KPD zur Einheitspartei SED geschluckt worden sei, es also ungerecht wäre, sie als identisch mit diesen zu sehen. Doch hat das niemand so behauptet. Zudem gab es immer Richtungskämpfe zwischen unterschiedlichen linken Parteien, die aber inhaltlich niemals überbewertet werden sollten.

Was war denn (um der Anschaulichkeit halber auf einer persönlicheren Ebene zu bleiben) der Unterschied zwischen Erich Honecker und Herbert Wehner? Er lag doch vor allem darin, dass Herbert Wehner auf die Anwendung revolutionärer Gewalt verzichtet hat. Was aber die Ziele angeht, haben die Sozialisten nie auf die Durchsetzung der kommunistischen Agenda verzichtet, nur sollte sie eben auf friedlichem Wege erreicht werden.

Auch Viktor Orbán hat in Ungarn mit solchen Wendehälsen reichlich Erfahrung machen können. Die Kommunisten der Staatspartei wurden 1990 plötzlich zu „demokratischen Sozialisten“ und regierten lange Jahre weiter. Im Westen hat das niemanden gestört, im Gegenteil wurden „sozialistische“ Führer von ihm mit Preisen geehrt. Es hat zwanzig Jahre gedauert, bis das ungarische Volk das völlige moralische und politische Versagen der Kommunisten, denn das blieben die „Wendehälse“ natürlich innerlich, mit deren vernichtender Abwahl quittierte.

Orbán prägte aus diesen Erfahrungen heraus das Wort, dass Sozialismus nichts anderes als der Kosename für Kommunismus sei. Es handelt sich um eine reine Propagandabezeichnung, da das Etikett „Kommunist“ in den meisten europäischen Ländern, so auch in Deutschland, (noch) nicht für die Anerkennung der Regierungsfähigkeit förderlich ist. Wer sorgfältig die Politik des „sozialdemokratischen Zeitalters“ 1966 bis 1982 untersucht, wird feststellen, dass kulturrevolutionäre Entscheidungen getroffen wurden, die auf eine Umwandlung der Gesellschaft im kommunistischen Sinn hinzielten. Wer heute die linkspopulistische Agitation eines Martin Schulz verfolgt, wird exakt die Muster erkennen, die für einen Kommunisten typisch sind.

Es ist wichtig, sich immer daran zu erinnern, dass Sozialismus nur ein Kosename ist. Wie der gemütliche Schorsch eigentlich ein ungemütlicher Georg ist. Denn der Verzicht auf Gewalt bei den „Sozialisten“ bedeutet nur, dass sie in ihrer Strategie und Taktik wesentlich subtiler geworden sind. Die menschenfeindlichen kommunistischen Ziele werden (statt mit Gewalt) mit massenpsychologischen und anderen Tricks verfolgt und umgesetzt.

Sven von Storch

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