Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Schule des Wechsels

Veröffentlicht:

Schule des Wechsels
Datum: 11.04.2018, 11:26

Ein deutscher Journalist schrieb vor 5 Tagen in der „FAZ": „Auf jeden Fall lässt sich festhalten, dass Orbáns Ungarn im europäischen Ring sozusagen deutlich über seiner Gewichtsklasse boxt." Das hätten diese Leute gerne, dass kleinere Länder den Mund halten und machen, was Brüssel, Berlin und Paris ihnen sagen.

Manchmal kann man eben auch von kleineren Ländern etwas lernen. Mut und Stolz zum Beispiel. Der Mehrheit der Ungarn ist es egal, was eine entfesselte Presse im Ausland über sie schreibt. Sie wollen trotzdem ihr Leben, ihre Kultur selbst bestimmen und sich nicht vorschreiben lassen, wie sie leben sollen. Ungarn soll ungarisch bleiben. Die Regierungsparteien und ihre Wähler wurden von der ungarischen linksgerichteten Presse und Oppositionspolitikern als "Bande" bezeichnet: Das spornte die Konservativen eher an, massenhaft zu den Urnen zu strömen und die demokratische Antwort auf derlei Verunglimpfungen zu geben.

Das ungarische Wahlergebnis ist auch ein Beweis für die Falschheit der These einer französischen Historikerschule, dass nur Strukturen wichtig seien und dass Persönlichkeiten in der Politik keine Rolle mehr spielen. Dass Ungarn über seiner Gewichtsklasse boxt, hat etwas mit Viktor Orbán zu tun. Aber auch den Deutschen müsste dämmern, dass die forcierte Islamisierung in ihrem Land etwas mit einer bestimmten Person oder einem bestimmten Personenkreis zu tun hat. 

Die Hoffnung, die sich hinter dieser Tatsache verbirgt, ist die: Strukturen kann man schwer ändern, Personen aber kann man relativ leicht auswechseln. Man muss es nur wollen. Dann kann auch auf die Strukturen Einfluss genommen werden. Auf der Webseite des ungarischen Ministerpräsidenten kann man auf Deutsch, Englisch und Französisch übersetzte Texte lesen, die eine Schule des Wechsels bieten. In seinen Interviews, Reden und Mitteilungen können auch Deutsche – an ihre Situation angepasst – Anregungen finden, wie ein Politikwechsel in relativ kurzer Zeit erreicht werden kann. 

Freilich braucht es dafür Mut. Wenn man sich anschaut, wie viele Menschen in Deutschland zögern, eine so harmlose Petition wie die „Gemeinsame Erklärung vom 15. März 2018" zu unterschreiben, nur weil sie von einer unsachlichen Presse, die jedes Maß verloren hat, als „rassistisch" und „nazistisch" dämonisiert wird, dann kommen einem Zweifel. Für den Schutz eines menschengefährdenden Kampfhunds kommen schneller und mehr Unterschriften zusammen. Auch fehlt es den Deutschen an Stolz. Es geht dabei um die Wahrung des Eigenen, gar nicht darum, besser als Andere sein zu wollen: „Und weil wir dies Land verbessern / Lieben und beschirmen wir's / Und das Liebste mag's uns scheinen / So wie andern Völkern ihrs." Aber nicht einmal zu dieser schönen Hoffnung Bertolt Brechts scheint es bei den Deutschen mehr zu reichen.  

Dennoch sei hier unverzagt eine Kostprobe von der empfohlenen Webseite geboten, nämlich Viktor Orbáns Dankesrede am Abend der historischen Wahl: http://www.miniszterelnok.hu/viktor-orbans-rede-nach-dem-wahlsieg-des-fidesz-kdnp/. 

Sven von Storch

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