Prof. Dr. Adorján F. Kovács

zu Person und Archiv

Rote Linien. Zu Webers Ultimatum an Orbán. Von Zsolt Bayer

Veröffentlicht:

Rote Linien. Zu Webers Ultimatum an Orbán. Von Zsolt Bayer
Datum: 06.03.2019, 08:39

Wir sind voll mit roten Linien. Rote Linien durchkreuzen Europa. […]

Nun hat der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei, Joseph Daul, eine neue rote Linie gezogen und erklärt, dass Viktor Orbán die Grenze überschritten hat. Hallo, bitte, Europa hat sich sehr verändert. Früher hat Archimedes Kreise in den Sand gezeichnet (Noli tangere circulos meos), und heute zieht Daul rote Linien in den Sand der geistigen Wüste.

Und warum hat der ungarische Ministerpräsident die letzte rote Linie von Herrn Daul überschritten? Weil er die Wahrheit gesagt hat. Die Wahrheit, über die Brüssel, die Europäische Kommission und die Volkspartei hartnäckig immer und immer wieder behaupten, dass sie eine Lüge ist, wogegen nach ungefähr fünf Minuten Recherche und Nachlesen jeder sehen kann, dass sie es sind, die lügen. Das heißt, sie halten uns für dumm.

Und wer lügt, zieht gern rote Linien in die geistige Wüste, damit er mit einer keinen Widerspruch duldenden Stimme sagen kann: Es ist verboten, sie zu übertreten! Natürlich ist es verboten. Durch den Übertritt erreichen wir das Land der Wahrheit, und dies darf man nicht in der heutigen Europäischen Union. Es ist wie der alte Witz, wenn das gesamte Zentralkomitee den Genossen Gorbatschow überredet, das Alkoholverbot aufzuheben. „Aber warum sollte ich es aufheben, Genossen?“ „Weil, Genosse Gorbatschow, was wird passieren, wenn das ganze Land plötzlich nüchtern wird?“

Ein Wort wie Hundert, die neuen Genossen sitzen hinter ihren roten Linien und markieren die Wege, legen die Grenzen des Denkens, der Redefreiheit und ganz allgemein der Freiheit fest, und auf diejenigen, die die Grenzen überschreiten, deuten sie […] und nennen sie Monster. Diktator, autoritär, Hitler, Stalin (wer hinter den roten Linien lebt, dessen Stärke ist das logische Denken nicht) und drohen ihnen mit allem. Jetzt gerade mit Ausschluss.

Und nun werfen wir mal kurz einen Blick auf den Ausschluss.

Erste Frage: Woraus möchten sie den Fidesz ausschließen? Aus der Volkspartei. Was ist die Volkspartei? Eine politische Formation, die es nicht wagt, ihren eigenen Namen zu verwenden, weil sie den Begriff „christlich“ enthält; eine politische Formation, die langsam nichts mehr mit Konservatismus und Christentum zu tun hat; eine politische Formation, die die in sie eingetretenen wilden Liberalen, wilden Anarchisten, wilden Linken und noch wilderen Grünen hin und her zerren, und deren Überreste unbedingt diesen entsprechen wollen; eine politische Formation, die sich selbst verloren hat, die keine Seele, keine Haltung hat, aus der ein Helmut Kohl Hals über Kopf weglaufen würde.

Zweite Frage: Wer würde durch den Ausschluss verlieren? Auf jeden Fall die Volkspartei! Sie würde ihr stärkstes Mitglied mit dieser tragikomischen Selbstverstümmelung verlieren, eines der wenigen, das noch den Konservatismus, das Christentum, das einmal-gewesene wahre Europa repräsentiert und sich weigert, sich hinter rote Linien zu ducken. Aber genau darum wollen die Rote-Linien-Zieher den Fidesz doch ausschließen! Wer würde davon dann profitieren? Ich denke, vor allem der Fidesz. Einmal weil sie mit den polnischen und italienischen Konservativen, Christen und wahren Europäern eine neue solche Partei gründen könnten, die bald der Volkspartei, die ihre Seele verloren hat und rote Linien zieht, über den Kopf wachsen könnte. Und nach dem Ausschluss von Fidesz würde es eine erhebliche Welle von Austritten aus der Volkspartei geben.

Und dann könnten sich Daul, Weber, Juncker, Merkel und die anderen endlich mit Soros und Sargentini zusammenschließen. Dann würde niemand mehr über ihre roten Linien springen.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.