Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Pirinçci und die Integration

Veröffentlicht:

Pirinçci und die Integration
Datum: 14.08.2014, 14:19

Kaum jemand, behaupte ich, hat mehr für die Integration getan als Akif Pirinçci mit seinem letzten Werk. Ganz sicher toppt er die Leistung der gesamten Integrationsindustrie. Seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ (Sie erinnern sich?) merkt man an, dass es aus Liebe zu diesem und Sorge um dieses Land geschrieben wurde. Im Gegensatz zu seinen migrantischen Kollegen, die immer irgendwelche Geschichten über Identitätsprobleme und Grenzerfahrungen zwischen den Kulturen erfinden oder gleich Reportagen über die Herkunftsländer ihrer Eltern schreiben, die also nicht wirklich hier angekommen sind, ist er konsequent ein deutscher Schriftsteller gewesen und geblieben.

Leider sind die Deutschen immer noch nicht ganz bereit, das zu erkennen. In eigentlich allen Interviews zu seiner Wutschrift, die praktisch nur von Wohlmeinenden und Zustimmenden geführt wurden, wurde Pirinçci als Türke oder türkischstämmiger Autor angesprochen. Das war gut gemeint; gut war es nicht. Denn ein jedes Mal musste er betonen: Ich bin ja Deutscher.

Das muss noch kommen: die Leute mit ausländischen Namen, die perfekt deutsch sprechen und zu diesem Land stehen, komplett als Deutsche anzunehmen, sie also genauso hart zu behandeln, aber eben auch genauso gut; mit anderen Worten: gerecht. Das wird natürlich nur gehen, wenn die Deutschen jene, die hier zwar gut leben, aber nicht zu diesem Land stehen, auch deutlich kritisieren. Zu beidem sind die Deutschen immer noch wegen ihrer Vergangenheit nicht wirklich in der Lage. Da ist immer noch viel zu viel Verkrampfung.

Das hat sich leider nicht geändert in den letzten 30 Jahren. Schon ganz zu Beginn von Pirinçcis Karriere 1982 schrieb die „Zeit“ bedauernd: „Wer hofft, in seinem Buch etwas über das Denken und Fühlen der zweiten Ausländergeneration zu erfahren, wird enttäuscht: über Türken und deren Probleme schreibt er so gut wie nichts. Das nämlich, erklärt er, [...],»ist überhaupt kein Thema, das kennt doch jeder«“. Warum also sollte er über Türken schreiben, er, der doch nach eigenem Bekunden so deutsch ist „wie eine Eiche“.

 

 

Sven von Storch

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