Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Oriana Fallaci spricht (Teil 2)

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Oriana Fallaci spricht (Teil 2)
Datum: 13.06.2016, 17:29

Natürlich dreht sich „Die Wut und der Stolz“ (2001/02) überwiegend um die Bedrohung der erschlafften westlichen Kultur durch den aggressiven Islam. Aber Fallaci passte nicht in ein Schema. In dem Buch nimmt sie, ein freier Geist, kritisch auch zu anderen Themen Stellung.

Viele, auch im Westen, empfanden am 11. September 2001 Schadenfreude. Fallaci hat sie nicht vergessen: „Sie sagen: »Wunderbar. Recht geschieht es ihnen, den Amerikanern.«“ Obwohl Linke, war sie über diese erbärmliche Freude wütend. Sie war fähig, in den USA immer auch das Positive zu sehen: „Ich möchte lieber auf die Unverwundbarkeit zu sprechen kommen, die alle Amerika zugeschrieben haben. Unverwundbarkeit? Welche Unverwundbarkeit? [...] Die Verwundbarkeit Amerikas [...] erwächst auch aus dem multiethnischen Charakter Amerikas, aus seiner Liberalität, aus seinem Respekt für die Bürger und Gäste. [...] Was die bewundernswerte Fähigkeit zusammenzuhalten betrifft, die beinahe martialische Geschlossenheit, mit der die Amerikaner auf Unglücke und Feinde reagieren, nun: Ich muss gestehen, dass ich zuerst auch darüber gestaunt habe.“

Wer nun aber meint, Fallaci habe die USA rosarot gesehen, irrt. „Ich fühle mich Amerika sehr verbunden. Aber [...] ich verfluche seine Schwächen, seine Fehler, seine Schuld. [...] Die kindliche Verherrlichung des Wohlstands, die Verschwendungssucht, die Bigotterien, die aggressive Arroganz im wirtschaftlichen und militärischen Bereich. [...] Ebenso die herrschende Unwissenheit. Ich meine die Wissenslücken, denn zugegeben: Auf wissenschaftlichem und technologischem Gebiet sind sie erstklassig, doch die humanistische Bildung ist unzureichend... Nicht zuletzt die beständige Glorifizierung von Sex und Gewalt, die unaufhörliche Zurschaustellung von Vulgärem und Brutalem, mit der Amerika den ganzen Westen verseucht hat, mit den Filmen und den Flegeleien eines zwar befreiten, aber ungebildeten Volkes.“

Wie gut sie auch die kommunistischen „Wetterwendischen“, die „Wendehälse“ beschreibt: „Sie haben mich mit ihrer Anmaßung beleidigt, ihrer Großtuerei, ihrer Überheblichkeit, ihrem intellektuellen Terrorismus, ganz abgesehen von dem Spott, mit dem sie alle überschütteten, die nicht ihrer Meinung waren. Sodass jeder, der sich nicht zu ihrer Religion bekannte, als Reaktionär sowie als Dummkopf, als Höhlenmensch und darüber hinaus als Lakai der Amerikaner dastand. Diese Mullahs von gestern, diese roten Pfaffen, die mich wie eine Ungläubige in Mekka behandelten, [...] aber gleich nach dem Fall der Berliner Mauer den Ton änderten. Orientierungslos wie die Küken, die sich nicht mehr unter die Fittiche der Glucke, das heißt der Sowjetunion, flüchten können, improvisierten sie eine Gewissensprüfung. Erschrocken wie Pfarrer, die fürchten, ihre Gemeinde und damit ihre erworbenen Privilegien zu verlieren, und mit den erworbenen Privilegien ihren Traum, zum Erzbischof oder sogar zum Kardinal aufzusteigen, begannen sie, sich als Liberale zu gebärden. Oder vielmehr, Lektionen in Liberalismus zu erteilen. Daher spielen sie heute die Rolle von Gutmenschen.“

An einer Stelle erwähnt Fallaci Politiker, die früher Massenmördern wie Khomeini oder Pol-Pot die Stiefel geleckt haben - gibt es da nicht einen beliebten deutschen Regionalpolitiker, zu dem diese Beschreibung passt? Fallaci kennt sie genau: „Diese Pseudorevolutionäre. Diese Weichlinge, die Erben der Achtundsechziger, die die Universitäten auf den Kopf stellten und heute die Wall Street oder die Börse in Mailand, Paris oder London bestimmen.“

Sie kannte sie alle, die großen Relativierer, die alle Werte umwerten und keine Unterschiede zwischen krank und gesund, zwischen Mann und Frau, zwischen Deutschen und Afghanen erkennen wollen, denen letztlich alles gleichgültig ist: „Diese falschen Christen, die das Ende unserer Zivilisation vorbereiten. [...] Die Mode oder wohl eher das Idiotentum, das im Namen der Brüderlichkeit einen Pazifismus um jeden Preis predigt und selbst jenen Krieg ablehnt, den wir einst gegen den Nazi-Faschismus geführt haben. Die Mode oder wohl eher der faule Zauber, der im Namen des Humanitarismus die Angreifer hochleben läßt und die Verteidiger verleumdet, Straftätern die Absolution erteilt und Opfer verdammt, die Taliban beweint und die Amerikaner bespuckt, den Palästinensern alles verzeiht und den Israelis rein gar nichts. [...] Die Mode oder wohl eher die Demagogie, die im Namen der Gleichheit Leistung und Erfolg, Werte und Wettbewerb negiert, die eine Mozart-Symphonie und eine Monstrosität namens Rap oder einen Renaissancepalast und ein Zelt in der Wüste auf ein und derselben Ebene ansiedelt.“

Mit dem Cavaliere Berlusconi hatte sie natürlich auch ein Hühnchen zu rupfen. Aber nicht primitiv aus sozialistischem Neid heraus. „Sie werden bemerkt haben, mein Herr, dass ich Ihnen Ihren Reichtum nicht vorwerfe. Dass ich nicht in den Chor derjenigen einstimme, die darin eine Art Schuld oder ein Hindernis im Hinblick auf das Regieren sehen. Einem reichen Mann das Recht zu verweigern, in die Politik einzutreten, ist meiner Meinung nach undemokratisch, demagogisch und illegal und unglaublich dumm. Ich halte es mit Alekos Panagoulis, der, wenn ein Politiker oder ein Regierungschef reich war, zu sagen pflegte: »Umso besser! Dann stiehlt er nicht. Er hat es nicht nötig.« Übrigens waren und sind auch die von der europäischen Linken gefeierten Kennedys skandalös reich.“

Vor einer Medienherrschaft Berlusconis hatte sie im Gegensatz zu den Unken, die die Pressefreiheit jedesmal in Gefahr sehen, wenn eine andere Meinung auftaucht, keine Angst, denn sie wußte: „Jedenfalls haben Ihre Gegner in Italien wie auch im übrigen Europa die Medienwelt so fest in der Hand, was die Information durch Fernsehen und Presse betrifft, und beeinflussen die öffentliche Meinung so frech mit ihrer aufwieglerischen und ebenfalls schamlosen Propaganda, dass sie [also die Linken] bei diesem Thema lieber den Schnabel halten sollten.“

Was Fallaci von einem Regierungschef aber forderte, hatte damals kein europäischer Politiker: „Die Qualitäten nämlich, die zum Beispiel Klemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich, Camillo Benso Graf von Cavour und Benjamin Disraeli besaßen. Zu unserer Zeit Churchill, Roosevelt und De Gaulle. Konsequenz, Glaubwürdigkeit, Kenntnis der Geschichte von gestern und heute, Stil und Klasse im Überfluss, und vor allem Mut. Oder verlange ich in puncto Mut zu viel?“ Warum fällt mir bei dieser Beschreibung heute nur ein Politiker eines kleinen mitteleuropäischen Landes ein?

Schließlich verzweifelte Fallaci an der EU, die von sich behauptet, Europa zu sein: „[In allen europäischen Ländern:] gleich ist die Schuld, gleich die Feigheit und Heuchelei. [...] Um sich das klarzumachen, genügt es, einen Blick hinter die Kulissen jenes Finanzclubs zu werfen, den man gemeinhin Europäische Union nennt. Ein Club, dessen alleiniger Zweck darin besteht, den schönrednerischen Unsinn namens gemeinsame Währung durchzusetzen, den Italienern ihren Parmesan und ihren Gorgonzola zu nehmen, den Mitgliedern seines unfähigen Parlaments sagenhafte Diäten zu bezahlen (steuerfrei) und uns mit seinem populistischen Unsinn zu belästigen. Zum Beispiel damit, [...] dass die europäischen Flugzeugsitze normiert werden (Alle-Ärsche-sind-gleich.) [...] Ein Club, der mit den arabischen Ländern ins Bett steigt wie eine Hure und der sich die Taschen mit deren vergifteten Petrodollars vollstopft. Ein Club, der sich erdreistet, von »kulturellen Ähnlichkeiten« mit dem Nahen Osten zu sprechen. [...] Dieser Finanzclub, [...] der mehr als fünfzehn Millionen Söhnen Allahs samt ihren Terroristen Schutz gewährt, [...] ist nicht das Europa, von dem ich geträumt habe. Er ist nicht Europa. Er ist der Selbstmord Europas.“

 

 

 

 

 

Sven von Storch

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