Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Nous sommes tous Charlie_ Kommt das Ende der Illusionen_

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Nous sommes tous Charlie_ Kommt das Ende der Illusionen_
Datum: 07.01.2015, 21:52

Nach dem entsetzlichen Massaker an Journalisten des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" und Polizisten könnten diejenigen, die zwar immer dann lautstark von Pressefreiheit reden, wenn sie sich und ihre Ansichten meinen, aber in Wirklichkeit sowohl die Meinungsfreiheit (durch PC) als auch die Versammlungsfreiheit (von Pegida) angreifen, wo sie nur können, Flagge zeigen. Morgen müssten die Titelseiten aller Tageszeitungen von gewissen Karikaturen geziert sein. Aus Solidarität mit wahrhaft mutigen Kollegen, Märtyrern ihres Berufs. Ich bin ziemlich sicher, das wird nicht geschehen, denn es könnte doch so "intolerant" aussehen. Nützt es da etwas, wenn "das Netz" sich über Twitter virtuell und unverbindlich solidarisiert? Von wegen: "Nous sommes Charlie..." Doch hat dieser französische Hashtag eine andere Qualität als der lächerliche deutsche "Aufschrei" nach "Dirndl-Gate": Es geht um richtiges Blut. Kommt das Ende der Illusionen?

Mir schrieb gerade ein Freund aus Paris, dass "das Gräuel von Charlie Hebdo 100 bis 200.000 Exemplare mehr von Houellebecqs ´Soumission´[Unterwerfung] verkaufen lässt und das wird den Leuten bewusst machen, was der Islam wirklich ist. Ach, das ist teuer bezahlt!" Furchtbar wahr. Was in Frankreich also geschehen, ob man sich dort dem Problem stellen wird, kann ich nicht genau sagen. Hierzulande wird schon wieder beschwichtigt, man dürfe jetzt nicht emotional werden. Es wird alles nur zerredet werden, da bin ich sicher. Warum?

Es liegt in Deutschland eine gesellschaftliche Fehllage vor: Gegen Frauenquoten vorzugehen bedeutet in der Öffentlichkeit, sich gegen die Gleichberechtigung der Frau zu wenden. Das ist in etwa zu vergleichen mit dem Dilemma, für Ausländer, aber gegen Asyl- und Unterhaltsmissbrauch zu sein. Wer bestimmte Inhalte des Islam für verfassungsfeindlich hält, ist angeblich gegen Muslime an sich. Der Emotionalitätsvorwurf ist dabei nur unverschämt: Fakten und Argumente werden denunziert. Die gefährliche Fehllage besteht darin, dass bei bestimmten Themen jede Differenzierung bereits mit einem Intoleranzverdacht belegt ist. Das lähmt diese Gesellschaft.

Nun werden die meisten Themen in der deutschen Presselandschaft durchaus kontrovers diskutiert, aber eben nicht alle. Manche Themen, darunter sehr wichtige, werden "scheinkontrovers" behandelt. Es wird von vorneherein nur eine Meinung akzeptiert. Es kann nur eine geben, weil eine andere nicht sein darf. Nicht einmal teilweise darf im Ergebnis von der "Linie" abgewichen, sie muss im Gegenteil 100%-ig verfolgt werden. Wenn nicht, ist man angeblich intolerant, obwohl man nur differenziert hat. Weil die Behandlung dieser Tabuthemen so undifferenziert ist, kollidiert sie mit der Realität. Es handelt sich also um Illusionen. Wer Illusionen nachhängt, wird Probleme nicht lösen können.

PS: Am Morgen nach dem Attentat sehe ich, dass ausgerechnet die „taz“ sich besonders große Sorgen macht, weiterhin angstfrei ihre journalistische Arbeit machen zu können. Nun, sie gehört zu denen, die Illusionen verbreiten. Sie muß sich wirklich keine Sorgen machen.

Sven von Storch

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