Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Neuerscheinung_ Über Franz Liszts Bergsymphonie

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Neuerscheinung_ Über Franz Liszts Bergsymphonie
Datum: 09.11.2013, 23:29

Den von ihm so genannten Symphonischen Dichtungen Franz Liszts nähert sich die Musikwissenschaft immer noch mit einer gewissen Reserve. Sie sind mit einer großen Zahl an Vorurteilen behaftet, was leider auch dazu geführt hat, dass man sie selten im Konzert hört. Besonders das auch Bergsymphonie genannte Orchesterwerk Ce qu’on entend sur la montagne (Was man auf dem Berge hört), entstanden 1847-1857, provozierte eine ganze Reihe von Stellungnahmen, die sich mit Vorwürfen wie Redundanz und Formlosigkeit auseinander setzten.

[caption id="attachment_10015694" align="alignnone" width="250"] Liszt im Alter von 46 Jahren. Foto: F. Hanfstaengl[/caption]

Diese in ihren Ergebnissen äußerst widersprüchliche Auseinandersetzung zeichnet die neue Studie mit dem Titel "Stets wiederkehrend und verschwindend": Aufbau und Bedeutung der Bergsymphonie Liszts, erschienen im Are Musik Verlag Mainz, nach. Als Arzt, der auch musikalisch ausgebildet ist, versuche ich einen frischen Blick auf diese etwas mehr als halbstündige, einsätzige Komposition zu werfen. Glanz und Elend der Musikwissenschaft werden dabei sichtbar. Es ist kaum zu glauben, wie viele verschiedene Interpretationen seines Aufbaus und seiner Bedeutung ein einziges, traditionell notiertes Stück hervorrufen kann.

Die wechselnde Auffassung von Programmatik wird im Buch ebenso behandelt wie die unterschiedlichen Techniken der Analyse, mit denen man Aufbau und programmatischer Bedeutung dieses geheimnisvollen Werks beikommen wollte, wobei ihm letztlich vorgefasste Urteile aufgezwungen wurden.

Ausgehend von der großen Bedeutung der Motive für eine "redende" Musik nimmt die Studie jene erstmals wirklich ernst und identifiziert sie genau. Nach Definition ihrer Stellung im Gefüge des Stücks kann der Aufbau der Bergsymphonie objektiv dargestellt werden. Er ist von einem komplizierten Mosaik aus sich variiert wiederholenden und verzahnenden Motivzellen und -gruppen bestimmt.

Davon ausgehend wird gezeigt, dass Form, Verlauf und Bedeutung des Werks im Verhältnis zum Programm, einer Ode Victor Hugos, von einer subtilen Folgerichtigkeit sind. Sowohl die Mikro- als auch die Makrostruktur beruhen auf dem Prinzip der Wiederholung . Die mikrostrukturellen Motive verkörpern den „poetischen Gedanken“, grob gesagt wird also durch das Auf- und Abtauchen von Motiven und Motivzellen der stete Wechsel von Wiederkehr und Verschwinden der in der Ode thematisierten Stimmen von Natur und Menschheit musikalisiert.  Die Makrostruktur des formalen Aufbaus, ein "unsauberes" Rondo, repräsentiert das Nachdenken Liszts über diesen Wechsel, also vor allem das Konstatieren der Tragik der dauernden Wiederkehr des Konflikts von Natur und Menschheit und der von Zweifeln erfüllten, daher immer neu zu schöpfenden Hoffnung auf Gott. Die ursprüngliche Gattungsbezeichnung „Meditationssymphonie“ erscheint damit für dieses Werk weitaus passender.

Liszt erweist sich damit entgegen der falschen, aufgrund einer problematischen Rezeptionsgeschichte immer noch virulenten Auffassung nicht nur als großer Pianist und bloßer Anreger der Musikgeschichte, sondern als genialer Komponist, dessen fortschrittliche, erst heute langsam verstandene Techniken genuin gültige Werke wie die Bergsymphonie hervorgebracht haben, getreu seinem Motto: Neue Schläuche für neuen Wein!

Dem Buch liegt eine CD bei mit einer fulminanten Einspielung der Bergsymphonie durch das Große Rundfunk-Orchester der UdSSR unter der Leitung von Nikolai Golovanov aus dem Jahr 1953, ergänzt durch weitere seltene Aufnahmen repräsentativer Werke Franz Liszts.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I. Das Formproblem bei Franz Liszt

II. Die Entstehung der Bergsymphonie

III. Probleme der Analyse bei Liszt

IV. Das Programm der Bergsymphonie

V. Traditionelle Analyseversuche mit primärer Orientierung am Programm

VI. Traditionelle Analyseversuche mit primärer Orientierung an der Musik

VII. Weitere traditionelle Analysen unter Betonung der Harmonik

VIII. Topoi, Symbole und Bedeutung

IX. Kurzanalysen in Übersichtsarbeiten

X. Moderne Analyseversuche

XI. Prämissen der Analyse

XII. Untersuchung der Motive der Bergsymphonie

XIII. Definition der Motive der Bergsymphonie

XIV. Aufbau der Bergsymphonie

XV. Partiturbeispiel

XVI. Form der Bergsymphonie

XVII. Verwendung der Motivzellen

XVIII. Verlauf und Bedeutung der Bergsymphonie

XIX. Probleme der Rezeption Liszts

XX. Wirkung und Anregungen der Bergsymphonie

Bibliographie

Anhänge

Sven von Storch

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