Natürlich und natürlich
Natürlich und natürlich
Datum: 10.01.2014, 15:36
Da outet sich jemand mit 31 Jahren, er sei homosexuell. Haltlose Leitmedien trompeten diese Nachricht in eine hypersexualisierte deutsche Welt hinaus, als gäbe es nichts Natürlicheres als dies zu tun. Und nichts Wichtigeres. Aber alles ist ja angeblich Politik. Sie stellen aber die naheliegende Frage nicht, wann eine angeblich angeborene sexuelle Ausrichtung eigentlich stabil wird. Erst in den Zwanzigern? Ich kenne mich in der wissenschaftlichen Debatte darüber nicht aus, aber da scheint mir noch Erkenntnisbedarf zu bestehen: Die Gene allein können es nicht sein. Auch wenn man zubilligt, dass jemand sich in den Nullerjahren des 21. Jahrhunderts immer noch mit dem Outen schwer tut.
Der Betreffende soll jetzt zum Vorbild taugen. Er war acht Jahre mit einer Frau zusammen, von der er sich vier Wochen vor der geplanten Hochzeit getrennt hat. Torschlusspanik? Soll vorkommen. Oder steckte mehr hinter dieser Entscheidung? Niemandem steht es zu, sich mit Vermutungen zu diesen persönlichen Tragödien zu äußern. Tatsache aber ist, dass hier jemand jahrelang das intime Vertrauen eines anderen Menschen missbraucht hat, um seiner Umwelt (und sich) etwas vorzumachen. Das ist natürlich vorbildlich, oder? Nein, traurig ist das.
Schon schießen sich Zeitungen wie die „Welt“ auf die Katholische Kirche ein, die, nach den Sportvereinen, die letzte Bastion der Homophobie sei. Dabei sei Homosexualität doch etwas so Natürliches. Doch wird vergessen, dass die Moral gerade darin besteht, nicht alles, was natürlich ist, auch zuzulassen. Auch Handlungen wie (beispielsweise) Mord und Raub sind natürlich, wenn man darunter versteht, dass es sie zu jeder Zeit, an jedem Ort, in jedem Volk gegeben hat. Die Kirche hat laut Katechismus gar nichts gegen Homosexuelle, sondern legt die Betonung für ein gelungenes Leben auf andere Dinge als das sexuelle Sich-Ausleben. Das gilt übrigens auch für Heteros.
Es ist wirklich zum Verzweifeln, wie einseitig und dumm in diesem Medienhype berichtet wird. In Deutschland ist das mittlerweile natürlich (oder, wie Thomas Bernhard gesagt hätte: Das ist hierzulande naturgemäß so).
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