Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Nach dem „Brainswitch nicht mehr ernst zu nehmen

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Nach dem „Brainswitch nicht mehr ernst zu nehmen
Datum: 21.07.2016, 20:39

Am 15. Juli schon gab Münkler im Fernsehen von sich, dass man solchen islamisch motivierten Massenmorden wie in Nizza mit „mürrischer Indifferenz“ begegnen und ansonsten wie immer weitermachen solle, das sei die beste Strategie gegen die Angst. Außerdem sei das Leben sowieso voller Risiken, der islamische Terror sei quasi auf einer Stufe mit defekten Haushaltsgeräten.

Dieser geistige Amoklauf war kein Versehen oder Black-Out. Heute liest man in der „Zeit“ einen Artikel von ihm, in dem er Nizza und die Terrorattacke von Würzburg, also von angeblichen „Einzeltätern” verübten islamischen Terror „messerscharf” analysiert, und zwar so: Das bedeute, dass jeder Opfer werden könne und - Achtung! - auch JEDER Täter! Also der Atheist, Buddhist und Christ genauso wie der Moslem. Das ist so unglaublich, dass man sprachlos ist. Man darf annehmen, dass die Bundesregierung ungefähr dieselbe Meinung hat. Man braucht in diesem Fall keine weiteren Feinde mehr. 

Wissenschaftler arbeiten im weitesten Sinne in Einsamkeit und Freiheit. Sie treiben sich jedenfalls nicht ständig in politischen Talkshows herum. Der Anschein der Wichtigkeit führt zuverlässig zu einem sogenannten „Brainswitch“, wie ich das nenne: Der Wissenschaftler beginnt seine Seriosität dem Effekt zu opfern, er verkündet einfache medien- und regierungskompatible „Wahrheiten“, von denen er meint, dass sie seine weitere Anwesenheit in den Talkshows oder als Berater fördern. Reine Eitelkeit. Dieses Schicksal hat bereits Wissenschaftler wie die Integrationsforscherin Foroutan gänzlich und den Soziologen Nassehi teilweise ereilt. 

Sven von Storch

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