Mittelstandsförderung_
Mittelstandsförderung_
Datum: 13.05.2011, 21:07
In Frankfurt am Main, der Kapitale des deutschen Kapitalismus, ist die Gentrifizierung voll im Gang. In der FR wurde kürzlich behauptet, dass teure Stadtteile wie das Westend, das Nordend oder Bockenheim von Rechtsanwälten, Ärzten und Architekten, die sich die Grundstückspreise leisten könnten, übernommen würden. Prompt reagierte eine Architektin auf dieses alt-linke Vorurteil per Leserbrief. Davon, schrieb sie, könne überhaupt nicht die Rede sein. Gerade der freiberufliche Mittelstand sei nicht mehr in der Lage, Quadratmeterpreise zwischen 5000 und 10.000 Euro zu bezahlen und müsse in die Peripherie wegziehen. Die einzigen, die diese horrenden Preise, dann aber locker, bezahlen könnten, sind Banker.
Makler berichten davon, dass die Barzahlung von einer Million Euro keine Seltenheit sei. Dieses, wohlgemerkt, kurz nach einer Finanzkrise, die angeblich die Banken so schwer erschüttert hat, dass sie teilweise auf Staatsgelder angewiesen waren. In Frankfurt war von Krise allerdings nie etwas zu spüren. Die Boni sind mittlerweile weiter angestiegen. In den Restaurants der erwähnten Stadtteile sieht man immer mehr von den großmäulig schreienden, polternden Anzugträgern, die leicht an ihrem einzigen Gesprächsthema, dem Geld, erkennbar sind: Es sind Banker. Die attraktiven Wohngegenden der Innenstadt werden von ihnen komplett aufgekauft. Stinklangweilige Monokultur.
Jedenfalls in Frankfurt ist deutlich erkennbar, dass der klassische Mittelstand zu den Verlierern der ökonomischen Entwicklung gehört, und Frankfurt dürfte so etwas wie ein Lackmustest für eine generelle Entwicklung sein. Die FDP, angeblich die Partei des freiberuflichen Mittelstandes, hat niemals irgendetwas gegen diese Entwicklung unternommen. Ihre diesbezüglichen Beteuerungen sind bestenfalls Folklore, in Wahrheit verlogen. Sie ist die Partei des Neoliberalismus. Viele Angehörige dieser Schicht sind darum mittlerweile zu den Grünen gewechselt. Möglicherweise ein Mißverständnis. In Baden-Württemberg wird sich zeigen, ob dem dort noch gesunden Mittelstand auch da, aber diesmal von links, die Grundlagen seiner Existenz ruiniert werden.
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