Merkel und die politische Größe
Merkel und die politische Größe
Datum: 03.01.2019, 21:46
Merkel und die ihre katastrophale Politik unterstützenden Parteien sind im Jahr 2017 vom deutschen Wahlvolk mit 87 Prozent der abgegebenen Stimmen bestätigt worden. Das muss man nach dem Herbst 2015, nach der unkontrollierten Einwanderung von über einer Million mutmaßlich eroberungswilliger Migranten, erst einmal schaffen. Doch Merkel konnte sich auf die einhellige Unterstützung einer willfährigen Regierungspresse stützen. Ist sie die große Politikerin, als die sie von einer Phalanx der deutschen Medien fast einhellig gefeiert wird? Und falls dem so ist – was könnte darunter verstanden werden?
Wer sich heute die Protagonisten im Deutschen Bundestag genau anschaut, wird eine in der deutschen Geschichte beispiellose Ansammlung durchschnittlicher oder gar minderbegabter Gestalten finden. Sogar das Führungspersonal, besonders auf der links-grünen Seite, fällt durch abgebrochene Ausbildungen und fehlende berufliche Erfahrung auf. Vorherrschend sind reine Parteikarrieren, die einen Quereinstieg unmöglich machen: Das Scheitern des Friedrich Merz sollte Beweis genug sein. Das normale Leben außerhalb des Politikerghettos ist den meisten Abgeordneten unbekannt, Hauptmotivation der politischen Betätigung scheint das „Pöstchen“ mit der mit ihm einhergehenden Alterssicherung zu sein. Bereits der Widerstand gegen den Umzug aus Bonn, der für diese angeblichen Staatsdiener mit der grundgesetzlich festgeschriebenen Rolle Berlins als deutscher Hauptstadt nach der sogenannten Wiedervereinigung eine Selbstverständlichkeit hätte sein müssen, zeigte die Versorgungsmentalität dieser Klasse.
Eine Person könnte sich von diesen alltäglichen, banausenhaften Regierenden, ihren Helfershelfern und Claqueuren abheben: die nun doch langsam scheidende ewige Kanzlerin. Und zwar wegen der wenigen, aber durch ihre Gewaltsamkeit für das deutsche Volk schicksalhaften Entscheidungen (Eurorettung, Energiewende, Grenzöffnung), die diese Frau, der man Helmut Kohlsche Fähigkeiten im Aussitzen nachsagte, schließlich doch zu dem „Tatmenschen“ machen, als den der spanische Philosoph José Ortega y Gasset den geborenen Politiker definierte. Doch ist der „Tatmensch“ Merkel deshalb auch eine große Politikerin? Schauen wir genauer hin, sollten wir denn die Kategorie der „Größe“ ebenso wie jene des im Amtseid erwähnten „Volkes“ überhaupt noch verstehen.
Ortega zählt in seinem Artikel „Mirabeau oder der Politiker“ von 1927 als erste Eigenschaft des „großen“ Politikers die „Skrupellosigkeit“ auf. Das könnte zu dieser Frau gut passen, die, wie alle, die mit ihr zu tun hatten, bestätigen, keinerlei Prinzipien kennt. Doch versteht Ortega unter der speziell politischen Immoralität etwas anderes als einen schlechten Charakter: „Zwei Wörter gibt es, die unsere Zeit niemals hätte erfinden können: die Wörter Seelengröße und Seelenkleinheit. Dafür aber hat sie es zustande gebracht, diese beiden Wörter zu vergessen, weil ihr der Sinn für den fundamentalen Unterschied, der sich in ihnen ausdrückt, verlorengegangen ist. Seit eineinhalb Jahrhunderten verbirgt man uns auf Grund einer allgemein stillschweigenden Übereinkunft die Tatsache, dass auch im Bereich des Seelischen verschiedene Größenordnungen existieren, dass es große und kleine Seelen gibt; wobei groß und klein für uns kein Werturteil bedeutet, sondern einen wirklichen Unterschied in der Struktur, einen Gegensatz in der seelischen Verhaltensweise. Der seelisch Große und der seelisch Kleine sind zwei verschiedene Menschentypen, [...] die zwei gegensätzliche Moralperspektiven in sich tragen. [...] Die moralische Perspektive des seelisch Kleine ist dann richtig, wenn er seinesgleichen zu beurteilen hat, ist aber verfehlt, wenn man sie auf den seelisch Großen anwendet.“
Der spanische Philosoph hält also schon damals die humanistisch-aufklärerisch-sozialistische „Übereinkunft“ von der Gleichheit aller Menschen für falsch, wie es ja auch jeder Spaziergang oder Einkaufsbummel bestätigt. Er ergänzt für die links-grün sozialisierten, egalitaristischen Leser und Leserinnen von heute: „Es steht jedem frei, die Existenz großer Männer [oder Frauen, AK] für unerwünscht zu halten und einer Menschheit den Vorzug zu geben, die flach wäre wie die Innenseite der Hand; wer aber große Männer [oder Frauen] verlangt, der darf von ihnen keine Alltagstugenden verlangen.“ Genügt Merkels andere Moralperspektive wirklich, damit sie aus der sie umgebenden Herde des Mittelmaßes herausragt? Ihre 18 Jahre als Parteivorsitzende, die alle Konkurrenten hinweggefegt hat, und ihre 13 Jahre als Kanzlerin könnten das vermuten lassen. Hat sie weitere, laut Ortega für „große“ Politiker typische Eigenschaften? Ihr fehlt zwar die „stürmische Vorgeschichte“ der Jugend, die den „Tatmenschen“ ankündige; dagegen findet sich bei ihr – es sei nur an die Maut erinnert – das notorische „unverschämte Lügen“ ebenso wie ihr nun wirklich jede „Innerlichkeit“ fehlt, was erforderlich sei, um die Reflexion zu mindern, die den „Tatmenschen“ hemmt.
Doch hat Merkel wirklich jemals einen politischen „Schöpfungsauftrag“ (Ortega) verspürt? Bedeutet Dasein für sie: „Werke gewaltigen Ausmaßes vollbringen?“ Sieht sie die Politik der Zukunft voraus, wie Cäsar das Kaisertum und Mirabeau die konstitutionelle Monarchie vorausgesehen haben, die dann lange Zeit, seien es Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte, beherrschend blieben? Sehen wir auf das sich bereits abzeichnende Ergebnis: Merkels Kanzlerschaft wird für das deutsche Volk letztlich destruktivere Auswirkungen haben als die ihres Amtvorgängers Adolf Hitler, aber man mag zunächst nicht glauben, dass der Ersatz eines Staatsvolks durch „replacement migration“ (UNO), der multitribale Bürgerkrieg im ruinierten Sozialstaat und der Schwellenlandstatus eines dekarbonisierten ehemaligen Industrielandes eine Politik ist, die den Stempel dessen trägt, was man füglich unter Zukunft versteht. Aber seien wir nicht vorschnell: Die Zukunft, die man vorhersieht, muss nicht zwingend gut sein.
Das Problem bei Merkel ist weniger die Impulsivität ihrer Entscheidungen als die Durchschnittlichkeit ihrer Motivation. Da gibt es keine „schöpferischen Tugenden großen Ausmaßes, die seelengroßen Tugenden“, da hört man nur von einem „freundlichen Gesicht“ (Merkel), als wäre das Schicksal eines Volkes eine Angelegenheit des privaten mitmenschlichen Umgangs. Das ist „eine unmoralische Parteinahme zugunsten des seelisch Kleinen. Denn unmoralisch ist es nicht nur, wenn man dem Guten das Schlechte vorzieht, unmoralisch ist es auch, wenn man das mindere Gut über das größere stellt.“ Hier herrsche Perversion, sagt Ortega. „Es wäre durchaus nicht übertrieben, wenn man diese perverse Bevorzugung des Durchschnittlichen zu Ungunsten des Vortrefflichen als die größte Immoralität überhaupt bezeichnen würde. Denn wenn man sich für das Schlechte entscheidet, so tut man dies im allgemeinen, ohne dabei den Anspruch auf besondere Moralität zu erheben; dagegen geschieht jene andere Verkehrung der Werte fast immer im Namen einer – selbstverständlich falschen und widerwärtigen – Moral.“
Hier ist mit Immoralität natürlich jene des seelisch Kleinen gemeint. Worauf Ortega sich bezieht, ist nämlich die Kritik des radikalen Jakobiners und Königsmörders Marie-Joseph Chénier am toten Mirabeau: Er sei nicht moralisch, weil bestechlich gewesen. Nun war Mirabeau tatsächlich bestechlich, aber nur, um zu einem Ausgleich zwischen König und Nationalversammlung zu kommen; seine Bestechlichkeit „lag [...] immer in der Richtung seiner politischen Taktik und war nie etwas anderes als ein Teil dieser Taktik.“ Die vorausschauende, großartige Politik des konservativen Revolutionärs Mirabeaus, die für Frankreich und Europa im Erfolgsfall eine Wohltat gewesen wäre, wurde also ausgerechnet von einem Vertreter der äußersten linken politischen Richtung kritisiert, weil sie nicht deren billiger Gutmenschenmoral entsprach. Und diese Gutmenschenmoral war es – und eben nicht Mirabeaus Bestechlichkeit –, die bekanntlich zu Destruktion, Bürgerkrieg, terroristischem Massenmord und Krieg mit Millionen von Toten führte. Ja, das nicht zu sehen, ist pervers, aber typisch links, und ja, seufzt Ortega, es ist leichter, nicht bestechlich als ein Mirabeau zu sein.
Ist es auch leichter, freundlich zu sein – als eine Merkel? Nein, es ist genauso leicht, denn Merkel mit ihrem mädchenhaften Lächeln verkörpert die durchschnittliche, in aller Regel falsche Freundlichkeit der Gutmenschen, die den gewöhnlichen Alltag prägt und die jeder „kann“. Mit dieser gewöhnlichen Moral der Freundlichkeit aber bringt sie eine Nation an den Rand des Untergangs, denn Destruktion ist der große gemeinsame Nenner Merkelscher Politik, finanziell, ökonomisch, bevölkerungspolitisch. Billige Moral und Destruktion sind links, weshalb sie auch von allen linken Parteien unterstützt wird. Ihre kleine Moral der guten Absicht, mit den Milliardenguthaben des deutschen Sparers fremde Banken zu stützen, auf Kosten des deutschen Steuerzahlers das Weltklima retten zu wollen und schließlich zu Lasten des deutschen Volkes die ganze Welt einzuladen, widerspricht ihrem Amtseid und ist „falsch und widerwärtig“. „In der Tat“, schreibt Ortega, „läßt nichts sich leichter vorspiegeln als politische Größe. [...] Der wirklich und der scheinbar große Politiker pflegen mit ein und derselben öffentlichen Gewalt in Händen sich der Allgemeinheit zu präsentieren. Ihr äußerer Glanz und ihre Erscheinung sind für den ungeschulten Blick die nämlichen.“
Merkel ist aus dieser Sicht eine von einer würdelosen Presse und willfährigen Trittbrettfahrern aufgebaute Scheinriesin, weil sie den Hauptinhalt von Politik, wie ihn Ortega definiert, niemals überhaupt in den Blick genommen hat: „Wie ist der Staat, der nur eine Maschine ist, die innerhalb der Nation aufgebaut wurde, um ihr zu dienen, einzurichten, damit die Nation sich vervollkommne?“ Für Merkel existiert eine deutsche Nation nicht, nur ein Siedlungsgebiet namens Deutschland. Was interessiert sie die Vervollkommnung der deutschen Nation? „In der Geschichte trägt die Lebenskraft einer Nation, nicht die formale Vollkommenheit der Staaten den Sieg davon.“ Das aber versteht Merkel nicht, die der kraftvollen Nation das „Phantom des vollkommenen Staates“ vorzieht, der am besten von Brüssel aus ganz Eurabien technokratisch überzieht. „Wir werden schon sehen, was bei den Lösungen herauskommt, die [...] jede selbständige Regierung der Nation unterbinden und das ganze Leben vom Staat abhängig machen.“ Ortega hatte damals die kommunistischen und faschistischen Katastrophen vor Augen. Auch heute werden diese Lösungen in der Katastrophe für das Volk, für die Nation enden. Aber Vorsicht! Ist dies doch vielleicht genau das, was Merkel will.
Es gibt nur eine Möglichkeit, wie Merkel noch „Größe“ zuerkannt werden könnte, nämlich unter dem Zeichen der Destruktion, das ihre Kanzlerschaft prägt. Hinter der Verkehrung der Werte, der perversen Bevorzugung des Fremden vor dem Eigenen, des Unfriedens vor dem Frieden, der Zerstörung vor der Schöpfung steckt eine monströse Immoralität. Das Genie des großen Politikers besteht, so Ortega, in der „historischen Intuition“, es ist „die Fähigkeit, im scheinbar Lebendigen das Tote zu erkennen“. Hier liegt die einzige Chance verborgen, dass Merkel auf eine perverse Weise doch ein politisches Genie ist. Wenn es stimmt, dass der Zusammenbruch 1945 dem deutschen Volk das Genick gebrochen hat und es nur noch als Untoter sein Dasein fristet, wofür die demographische Katastrophe und die Überalterung sprechen könnten, dann hat Merkel mit ihrer Politik der Destruktion korrekt in die Zukunft gesehen, nämlich in eine Zukunft ohne deutsches Volk. Ist das „schöpferisch“? In gewisser Weise ja: die Schöpfung eines libanisierten, afrikanisierten Deutschlands in einem islamisch dominierten Eurabien. Wenn das der Inhalt ihrer Immoralität ist, so ist diese tatsächlich derart monströs, dass Angela Merkel zu Recht eine große Politikerin genannt werden kann.
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