Medizin und Geschichte
Medizin und Geschichte
Datum: 30.07.2016, 11:04
Kollektive wie individuelle Krankheiten haben den Verlauf der Geschichte beeinflusst. Es sei nur an die dramatischen Folgen der sog. Justitianischen Pest des 6. Jahrhunderts erinnert, die, neben den Zermürbungskriegen mit den Persern, das Byzantinische Reich so geschwächt hat, dass es sich teils selbst aus dem Orient zurückziehen musste, teils von eigentlich weit unterlegenen arabischen Armeen überrannt werden konnte. Auch der spanische Siegeszug in den beiden Amerikas wäre nicht so reibungslos verlaufen, hätten die Röteln und andere Seuchen, gegen die die autochthonen sog. Indianer keine Abwehrkräfte hatten, nicht Millionen von ihnen getötet.
Auch Krankheiten einzelner Herrscher haben zu fatalen Fehlentscheidungen geführt. Der Psychiater Prof. Volker Faust hat die Problematik in einem Artikel schön zusammengefasst (http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/macht.html) und Beispiele genannt. Auch die Alzheimer-Erkrankung könnte heute in der Politik eine zunehmende Rolle spielen. Sie beginnt zunächst unbemerkt und schleichend, was sie natürlich gefährlich macht. Sie äußert sich anfangs nur in minimalen Charakterveränderungen und seltsamen, aber für die Umwelt noch nachvollziehbaren Entscheidungen. Eine gewisse Starrköpfigkeit kann hinzukommen. Starre Mimik und ausdruckslose Augen können begleitend auftreten, aber als Erschöpfung missdeutet werden. Es könnte sein, dass sich in Zukunft (wie schon in der Vergangenheit) herausstellen wird, dass auch heute wesentliche Entscheidungen von Politikern getroffen wurden, die nicht mehr gesund waren. Nur die Krankheit hat sich gegenüber früher geändert. Die Öffentlichkeit muss grundsätzlich mit der Möglichkeit unmerklich erkrankter Politiker rechnen und auch demokratische Staaten müssen Maßnahmen zur Risikominderung ergreifen, d. h. diagnostische Früherkennung fördern.
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