Lesetipp_ _Das Heerlager der Heiligen_ von Jean Raspail
Lesetipp_ _Das Heerlager der Heiligen_ von Jean Raspail
Datum: 29.07.2015, 17:44
Schon 1973 hat der französische Schriftsteller Jean Raspail, der übrigens kein Stubenhocker, sondern ein Mann ist, der die Welt gesehen hat und kennt, einen Roman geschrieben, der diese Entwicklung vorausgesehen hat. Ich möchte die Buchbeschreibung des Antaios-Verlages, der den Roman soeben neu veröffentlicht hat, zitieren:
"Die »Armada der letzten Chance« , eine Flotte aus rostigen Schiffen mit einer Million verhungernder Inder an Bord sticht in See, um im reichen Europa Rettung und eine neue Heimat zu suchen. Sie bildet die Vorhut weiterer unzähliger Massen aus der Dritten Welt, die denselben Weg aus dem Elend wählen werden. Das realitätsblind gewordene Abendland reagiert auf diese drohende, waffenlose Invasion mit einem utopisch-humanitären Taumel, der letztlich seinen Untergang zur Folge hat: innerlich zerfressen von Selbstverachtung, schlechtem Gewissen und schwindendem Selbstbehauptungswillen ist der europäische Kontinent nicht mehr imstande, das Eigene zu verteidigen.
Der legendäre, bitterböse, prophetische Kultroman von Jean Raspail aus dem Jahr 1973, in Frankreich ein bis heute vieldiskutierter Bestseller. Die über das Mittelmeer verlaufenden Schlepperrouten und die Bilder überfüllter Boote, die »Willkommenskultur«, die keine persönliche, sondern eine institutionell-opportune ist – all das ist im Heerlager der Heiligen dystopisch vorweggenommen und in Szenen von starker Präsenz umgesetzt.
Raspails Roman war in Deutschland lange vergriffen und ist nun endlich wieder erhältlich – in einer neuen, erstmals vollständigen Übersetzung von Martin Lichtmesz."
Der Übersetzer Lichtmesz weist im Vorwort auf einige Unterschiede zu heute hin: "Anders als bei Raspail sind die Invasoren [...] in der Mehrzahl junge, kräftige Männer." Die verstärkende Rolle des Islam konnte Raspail noch nicht voraussehen. Die "Menschen vom Ganges" sind natürlich nur Platzhalter für die außereuropäischen Völker in ihrer Gesamtheit. Raspail geht es nicht um "das Andere" oder "den Fremden", sondern "die Masse als physische Überzahl ebenso wie als totalitäre Gleichschaltung aller Köpfe und als kollektive Regression und Hysterie. Er schildert eine Gesellschaft, in der sich Infantilismus und Sentimentalität mit dem Ressentiment, dem Hedonismus, dem Neid und dem Herdentrieb verbinden. Zusammen mit einem maßlosen, kryptoreligiösen Utopismus wird daraus die linke Ideologie unserer Zeit, die inzwischen in jede Ritze unseres Daseins gedrungen ist." Raspail übt vor allem Kritik an dieser Gesellschaft.
Das Personal, das die Einwanderung bejubelt, ist bekannt und wird von Raspail treffend beschrieben. Linksalternative, die einen Kult um die Dritte Welt betreiben, Missionsärzte, säkulare Idealisten, atheistische Philosophen, abtrünnige katholische Schriftsteller, die zum Buddhismus übergetreten sind; all die Menschen mit "gespaltenem Bewußtsein", die Unvereinbares vereinen wollen, der "antirassistische Rassist, selbstkritische Chauvinist, marxistische Hedonist, demokratische Faschist, kommunistische Kapitalist, ökumenische Katholik, kollektivistische Individualist, egoistische Menschenfreund, lebensversichert und pensionsberechtigt, also letztlich für nichts verantwortlich". Für Raspail kann aber "Ungleiches nicht gleich gemacht werden, jegliche Illusion über die Natur des Menschen führt ins Desaster" (Lichtmesz).
Europa hat sich bisher gegen die (nach heute weit verbreiteter linker Auffassung ja völlig berechtigten) Einwanderungen von Hunnen, Arabern, Mongolen und Türken gewehrt, um "das Eigene" zu bewahren. Was ist überhaupt seine "Seele", wie Raspail es nennt, die Europa seiner Meinung nach verloren hat? Ist sie ein diffuser atheistischer "Humanismus", der alle und alles einschließt und in einem blutleeren "Verfassungspatriotismus" mündet, der zu nichts verpflichtet? Dies kann nicht der Standpunkt sein, der zu einer Abgrenzung des "Eigenen" führt, das verteidigt werden darf und muss. Hat Europa zur Verteidigung noch die innere Kraft? Ertrüge es deren unschöne Begleiterscheinungen? Es gibt viele Gründe, Europa, das Abendland und den "weißen Mann" nicht zu mögen, - Raspail kennt und benennt sie -, doch heißt das auch, dass Europa sich nicht wehren darf, dass es weniger Daseinsberechtigung hat als jene Anderen, die nur verblendeten Illusionären als besser erscheinen? Das "Abendland", dessen Krise und Krankheit nach Raspail letztlich "eine metaphysische, religiöse ist", steht vor einer Entscheidung.
Zuletzt sei deshalb der Autor selbst zitiert: "Es scheint mir [...], daß sich uns nur eine Alternative bietet: den schicksalsergebenen Mut aufzubringen, arm zu sein, oder den entschlossenen Mut wiederzufinden, reich zu sein. In beiden Fällen wird sich die sogenannte christliche Nächstenliebe als ohnmächtig erweisen. Diese kommenden Zeiten werden grausam sein."
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