Kopftuchurteil_ Islamophilie als politische Doktrin
Kopftuchurteil_ Islamophilie als politische Doktrin
Datum: 14.03.2015, 19:54
Anders als mit schleichender Verblödung können Deutschlands viele Widersprüche nicht mehr erklärt werden. Die grassierende „Islamophilie“ mag dazu gehören. Denn nun ist in diesem Land, in dem politisch vehement eine Frauenquote gefordert, ein Schulunterricht der „sexuellen Vielfalt“ propagiert und die Gendertheorie im öffentlichen Raum breit durchgesetzt werden soll, ein Urteil des Verfassungsgerichts zum islamischen Kopftuch gefällt worden. Ein politisches Fanal, das die Trägerin, potentiell alle muslimischen Frauen, zu wandelnden Litfaßsäulen des Islam macht, eine Art freiwillig getragener gelber Stern umgekehrten Vorzeichens, der die Trägerin hochmütig aus der geringgeschätzten Mehrheitsgesellschaft ausgrenzt, ein Symbol von Männer- und Frauenverachtung wird vom höchsten deutschen Gericht gebilligt.
Religionen sind immer nur auf (staatlichen, juristischen und gesellschaftlichen) Druck hin in ihrem Herrschaftsstreben gebremst worden. Danach sieht es bei dieser höchstrichterlichen Entscheidung nicht aus. Nicht etwa die vielen Frauen in Deutschland, die sich als Musliminnen definieren und trotzdem kein Kopftuch tragen, werden als Vorbild genommen, sondern diejenigen, die dem konservativen, ja sogar dem radikalen Islam zuneigen oder gehorchen. Die Begründung mit der Religionsfreiheit missachtet dabei ausserdem, dass der Islam eben keine „normale” Religion wie zum Beispiel das Christentum, sondern vor allem ein politisch-gesellschaftliches Regelsystem ist. Die Richter machen den fundamentalen Fehler, wie Klippschüler Äpfel und Birnen zu vergleichen. Es ist eben ein erheblicher Unterschied, ob man zum Beispiel ein Kreuz um den Hals trägt, was sowohl Männer und Frauen machen können, aber nicht müssen, oder ein Kopftuch, das ausdrücklich nur die Frau verhüllen soll (vorerst nur die Haare, in Zukunft vielleicht mehr). Auch die Kippa ist vergleichsweise dezent und verhüllt nicht.
Warum die Verhüllung und was ist so schlimm daran? Immer wieder wird gesagt, dass Musliminnen mit Kopftuch selbstbestimmt und emanzipiert sein können. Das kann aber nicht stimmen. Die Probe auf's Exempel ist der Versuch einer Alternative: Ein Christ könnte neben dem Kreuz auch einen Fisch oder andere Symbole tragen. Eine Muslima, die ihren Glauben öffentlich zeigen will, MUSS (mindestens) das Kopftuch tragen, sie hat eben keine Wahl, denn sie soll, so die Vorschrift, ihre Haare vor dem begehrlichen Blick der tierähnlichen Männer verbergen, die sonst über sie herfallen würden. Gleichzeitig suggeriert sie, nach eigenem Verständnis selber ehrbar und keusch, anderen Frauen ohne Verhüllung, Schlampen zu sein. Zuhause aber, unter Frauen und männlichen Angehörigen, legt sie das Kopftuch ab und zwar, weil sie atavistischen orientalischen Verwandschaftsvorstellungen folgt. Kopftuchträgerinnen wird man auch kaum in der Disco treffen: Der Westen ist nämlich schlecht, die eigene Kultur ideal. Wer von den Befürwortern der angeblich fortschrittlichen Frauenquote, Frühsexualisierung und Gendertheorie erklären will, was an diesen mit dem Kopftuch untrennbar verbundenen Haltungen selbstbestimmt und emanzipiert ist, muss schizophren sein. Und nun sollen solche Frauen in Deutschland unterrichten. Das Signal ist eindeutig. Der Weg in die deutschen Amtsstuben ist geschafft - in den Moscheevereinen beglückwünscht man sich.
Der Soziologe Hartmut Krauss hat mehrere Bücher zur wissenschaftlichen Islamkritik geschrieben, die man den Richtern gerne als Lektüre empfohlen hätte (u. a. Der Islam als grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung: Ein analytischer Leitfaden, 2013). Krauss argumentiert konzise von einer aufgeklärten religionskritischen Position aus, die noch in den 1970er Jahren als links gegolten hätte, aber vom deutschen Mainstream mittlerweile in die rechte Ecke geschoben wird - auch eine Absurdität des Zeitgeists wie die Verteidigung des Islam durch die atheistische Linke. Michel Houellebecq hat recht, wenn er sagt, dass die Linke so sehr von ihrem Rassismuswahn terrorisiert wird, dass sie dem Islam alles durchgehen lässt, was sie dem Juden- und Christentum nie hat durchgehen lassen noch durchgehen läßt. Krauss benutzt den Begriff der „Islamophilie“, der offenbar zur gültigen politischen Doktrin geworden ist.
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