Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Kinder an die Macht_

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Kinder an die Macht_
Datum: 24.03.2019, 22:54

In der Zeitschrift „Cicero“ wurde 2017 die Forderung des Deutschen Familienverbands, allen Kindern von Geburt an ein Wahlrecht zu geben, diskutiert. Nur damit könnten, so der Verband, die Rechte von Kindern in der Bundesrepublik Deutschland gewahrt werden. Pro Kind würden die Eltern je eine Stimme mehr bekommen, so der Plan. Der Journalist Hugo Müller-Vogg wies damals einleuchtend nach, dass diese Forderung naiv und undemokratisch ist. Undemokratisch, weil Kinderreiche dann dieselben Vorteile hätten wie früher im Dreiklassenwahlrecht die reicheren Bürger. Das Wahlgeheimnis wäre außerdem dahin. Ferner gäbe es unlösbare Konflikte bei einer ungeraden Kinderzahl, wenn die Eltern verschiedene Parteien wählen wollten – und das nicht zu sehen sei naiv. 

Solche rationalen Einwände stören insbesondere links orientierte Menschen nicht, die ganz auf Gefühl, Moral und Utopie setzen. Heute fordern deshalb linke Parteien mehr Rechte für Kinder und Jugendliche. Wie immer sind linke Parteien auf der Suche nach Minderheiten, die sie durch Förderung abhängig und zu zuverlässigen Linkswählern machen können. Auf der Webseite des Deutschen Familienverbands wirbt die SPD-Politikerin Renate Schmidt für das Kinderwahlrecht. Die derzeitige Justizministerin Katarina Barley (ebenfalls SPD) fordert – vergleichsweise moderat – das Wahlrecht erst mit 16. Begründet wird das mit dem aktuell modischen Engagement einer kleinen Gruppe von Schülern dieses Alters „für das Klima“, das im Schuleschwänzen und dem Bejubeln einer minderjährigen autistischen Schwedin, die eindeutig eine Marionette linker Politik ist, besteht.

Dass ein linker Künstler wie Herbert Grönemeyer schon 1986 forderte, „Kinder an die Macht“ zu bringen, überrascht da nicht. Kinder und Jugendliche werden für irgendwie besser gehalten als Erwachsene. Sie seien unverdorben und spontan, so ähnlich wie die „edlen Wilden“ des 18. Jahrhunderts: Jean-Jacques Rousseau lässt grüßen. Dass sie unerfahren, naiv und beeinflussbar sind, wird ausgespart. Wie immer bei einer solchen Frage hilft der Rückgriff auf die empirische Erfahrung. Haben Jugendliche in den letzten 100 Jahren besonders gute politische Entscheidungen unterstützt? Man denkt sofort an die Begeisterung der wilhelminischen Langemarck-Jugend für den Krieg 1914, an die gläubige Hingabe an den Führer Adolf Hitler in den Dreißigerjahren, an die katastrophale Kulturrevolution der Mao, die Roten Khmer und Ho Chi Minh anbetenden 68er. Auch die mit Teddybären werfenden, illegale Eindringlinge beklatschenden Jugendlichen lassen das Vertrauen in die politische Vernunft dieser Alterskohorte nicht gerade steigen.

Die furchtbarste Manifestation des linken Kinderwahns fand in Kambodscha statt. Für die Roten Khmer waren Kinder eine „Tabula rasa", von der „Gesellschaft“ nicht angekränkelt und daher im Vollbesitz aller guten menschlichen Möglichkeiten. Ihnen wurde zum Beispiel die „natürliche“ Fähigkeit zugetraut, komplexe chirurgische Operationen auszuführen. Moralisch wurden sie ebenfalls für überlegen gehalten, ähnlich wie das heute in Deutschland der Fall ist. Darum wurde ihnen die Unterscheidung von Schuldigen und Unschuldigen übertragen, zu der sie intuitiv in der Lage seien. Der Film „Killing Fields“ zeigte den resultierenden Horror nur zu realistisch, was passiert, wenn Kinder zu Herren über Leben und Tod werden. Es ist typisch für Linke, gerade auch linke Politiker, dass solche links motivierten Verbrechen vergessen (oder besser: bewusst aus dem Diskurs verdrängt) werden. Vierzig Jahre nach dem Untergang der Roten Khmer, für die bekanntlich auch Grünenpolitiker schwärmten, die heute als Ministerpräsidenten das ehemals funktionierende Bildungssystem eines schönen Bundeslandes ruinieren, werden diese zerstörerischen Utopien – wenn auch modifiziert – wieder aus der linken Mottenkiste geholt.  

Der amerikanische Erziehungswissenschaftler Lawrence Kolberg zeigte in seiner Stufentheorie der Moralentwicklung, dass Kinder und Jugendliche erst reifen müssen. Das war im Grunde jedem Realisten und also jedem Nicht-Linken vorher schon klar. Kinder können, wie jedermann weiß, sogar besonders grausam sein. Jugendliche sind, speziell in der Pubertät, wenn die Hormone verrückt spielen, extrem labil. Die Gehirnentwicklung ist erst mit etwa 20 Jahren weitgehend abgeschlossen. Viele Kinder und Jugendliche wirken heute zwar frühreif und altklug, aber das ist natürlich nur Fassade. Keinesfalls ist es ein Argument für das Kinderwahlrecht. Das parallel zum Führerscheinerwerbsalter angedachte, aber im Vergleich dazu natürlich noch weit wichtigere Wahlalter von 16 Jahren vernachlässigt jede Balance zwischen Rechten und Pflichten, denn welche Pflichten entsprechen dem Füllhorn an Rechten, die über den Jugendlichen ausgeschüttet werden?  Es ist die typisch verantwortungslose Politik der Linken, habituell amoralischen und unreifen, unerfahrenen und schwankenden Menschen größeren politischen Einfluss zu geben, nur um das eigene politische Überleben sichern und die eigenen destruktiven politischen Ziele verfolgen zu können.

 

 

Sven von Storch

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