Hysterie oder neue Prüderie_
Hysterie oder neue Prüderie_
Datum: 29.09.2018, 21:46
Zunächst wollte ich die Nachricht kaum glauben, aber mittlerweile ist sie mehrfach bestätigt und zwar in Details korrigiert worden, die aber an der Grundtatsache nichts ändern. Was ist geschehen?
Eine Schulklasse von 13- und 14-Jährigen war auf Klassenfahrt in einer Jugendherberge, die in einem Wald gelegen ist. Einige Schüler hielten sich auf dem Außengelände auf, als sie eine nackte Frau sahen. Daraufhin seien die Jugendlichen in Panik geraten und hätten sich so in diese hineingesteigert, dass die Lehrer den Notruf betätigten. Daraufhin kam die ganze Rettungskaskade in Gang. Natürlich konnten alle beruhigt und niemand musste behandelt werden. Aber sieben Kinder wurden daraufhin von den benachrichtigten Eltern abgeholt.
Jede und jeder von uns weiß, dass die Pubertät eine schwierige Zeit ist. Vielleicht erinnern sich manche der älteren Leser an den Film „Picnic at hanging rock“ von Peter Weir, der die vage sexuell konnotierte leichte Überdrehtheit von Schülerinnen eines viktorianischen Mädcheninternats sehr eindrucksvoll zeigte. Man nannte das früher Hysterie. Die Phantasie spielt verrückt, da werden Dinge ausgemalt, die nicht existieren, die Mädchen beeinflussen sich gegenseitig zu immer unwahrscheinlicheren Vorstellungen. Am Ende verschwindet tatsächlich sogar eines der exaltierten Mädchen bei einem Ausflug. Pubertäre erotische Schwärmereien vermengen sich mit Todessehnsucht.
Nun scheint es bei unserer Geschichte in Hagen einen realen Anlass gegeben zu haben: laut Ausweis eines Videos (heute wird ja alles gefilmt) eine nur in Unterhose joggende Frau, die offenkundig harmlos ihrem Freikörperkult nachging und im Wald wohl nicht mit Beobachtern gerechnet hat. Alles soweit schön und gut. Doch warum dann eine solche Panik? Ich war auch einmal in dem Alter, glaube aber nicht, dass ich oder meine Klassenkameradinnen und -kameraden von einer nackten Frau zur Hyperventilation getrieben worden wären.
Nicht umsonst fiel mir der genannte Film ein, der im sprichwörtlich prüden viktorianischen Zeitalter spielt. Ob das Cliché der Prüderie auf die genannte Zeit zutrifft, sei dahingestellt, aber die öffentliche Moral war nicht so lax wie, sagen wir, in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Heute scheint tatsächlich eine neue Prüderie zu herrschen. Die (interessanterweise linke) #metoo-„Bewegung“, die Schnüffelei nach angeblichen Vergehen, die 30 Jahre her sind, passt da bestens. Es könnte sich bei der Reaktion der Hagener Jugendlichen um die Folge der Schwingungsumkehr des Pendels handeln. Die sexuelle Revolution war, so kann man von heute aus sicherlich sagen, überzogen. Jetzt kehrt vielleicht eine Normalisierung ein.
Jedoch würde mich auch interessieren, wieviele der betroffenen Jugendlichen Mohammedaner waren. Die Frage ist heute ja grundsätzlich berechtigt. (Bald wird sie lauten: Wieviele sind noch Deutsche?) Denn dann könnte das Entsetzen über eine halbnackt joggende Frau neben rein zeitgeistigen auch religiös-ideologische Gründe haben. Und waren die Eltern, die ihre Kinder vor bedrohlicher Nacktheit meinten „retten“ zu müssen, linksgrüne deutsche Helikoptereltern, die am liebsten noch die Lehrer verklagen würden, oder sich ob westlicher Dekadenz bestätigt fühlende Mohammedaner, die schon immer etwas gegen Klassenfahrten hatten? Auch hier würde sich eine merkwürdige, aber breit wahrzunehmende Allianz zeigen zwischen der Linken und dem Islam, hier zwischen linker Hypermoral und islamischem Reinheitswahn.
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