Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Herr Steinmeier als Komiker

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Herr Steinmeier als Komiker
Datum: 27.09.2018, 13:08

Er stellte nämlich etwas fest, das jedem politisch Denkenden seit Jahren, wenn nicht schon seit 1968 klar ist, nur nicht ihm und offenbar auch nicht Politikwissenschaftlern: Es gebe in Deutschland eine „merkwürdige Lust am Untergang." 

Der SPD-Mann raunte (sehr einfallsreich!) von „Populismus" und davon, dass politische Institutionen „verächtlich gemacht" würden. Es gebe, so der ohne Gegenkandidat demokratisch Gewählte, nur eine liberale oder gar keine Demokratie. (Das ist erstens fraglich und war zweitens ein gegen ostmitteleuropäische Nachbarstaaten gerichteter Angriff. Aber ein Sozi darf immer spalten.)

Dass sich die politischen Institutionen, allen voran das Staatsoberhaupt und die Regierungschefin, samt den Altparteien durch ihre unsäglich destruktive und genuin undemokratische Politik selbst der Verachtung als einzig adäquater Reaktion ausgesetzt haben, davon sprach der weltfremde Bundespräsident nicht. Es sei unter vielem Anderen nur an das Netzwerkdurchsetzungsgesetz und die Absetzung eines regierungskritischen Beamten erinnert. Ob das korrumpierte politische System noch reformiert werden kann oder ob „Abgesänge" nicht doch eine kreative Berechtigung haben: So weit kann ein Teil des Problems naturgemäß nicht denken. 

Das ganze, vom herrschenden polit-medialen Komplex verantwortete Paket, das in den Untergang führt, fasste der Schriftsteller Michael Klonovsky gestern auf seinem Tagebuch-Blog so zusammen, weshalb ich es der Einfachheit halber hier wiederhole: „Verlust an Vertrauen: Genau das ist es. Das Gefühl, in einem freien, funktionierenden, sicheren und vor allem rechtssicheren Land zu leben, schwindet mit jedem Tag. Der Staatschefin ist das Volk, auf welches sie ihren Eid ablegte, gleichgültig. Staatsgebiet und Staatsgrenzen: Gibt es nicht mehr. Opposition: zunehmend kriminalisiert. Polizei: verheizt zum einen, zahnlos zum anderen, bald in vielen Kommunen mit den U-Booten der Clans durchsetzt. Landesverteidigung: keine Truppen, kein Material. Justiz: Beugehaft für GEZ-Verweigerer, unnachsichtige Verfolgung von Steuer- und Verkehrssündern, sofern sie keine Großfamilie haben, die sie schützt; skandalöse Nachsicht gegen eingewanderte Gewaltverbrecher. Medien: gelenkt. Schulen: Produktionsstätten von Sekundäranalphabeten, Brutstätten von Gewalt. Universitäten: verhetzt wie 1968, ideologisiert wie zu DDR-Zeiten. Energieversorgung: auf längere Sicht unsicher. Rechtssicherheit, Vertragssicherheit, Versammlungsfreiheit, Redefreiheit: Alles steht auf Treibsand. Immer mehr rechtsfreie Räume und gekippte Stadtteile. Zuwanderung von Ungebildeten, Abwanderung der Begabten. Die durchschnittliche Intelligenz der Bevölkerung sinkt, der Hass wächst. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen, Ethnien und Milieus stehen sich immer feindseliger gegenüber. Am Horizont Völkerwanderung, ethnische Konflikte, Verteilungskämpfe, Bandenkriege, Randale, Plünderungen, Anschläge. Wer klug ist, sorgt vor."

Die Lust am Untergang: ein Blick auf die ethnische, religiös-kulturelle und sprachliche Zusammensetzung von Kindergarten- und Grundschulklassen hätte Herrn Steinmeier geholfen, sein Thema nicht zu verfehlen. Das deutsche Volk, die deutsche Kultur gehen unter und viele finden das richtig wegen der ewigen deutschen Schuld am Holocaust, die nicht anders als durch Untergang gesühnt werden könne. Das ist die Lust am Untergang. Dass der Bundespräsident diese sehr deutsche Lust jetzt erst entdeckt, aber falsch analysiert, ist rührend und komisch zugleich. Herr Steinmeier ist ein sanfter Komiker, ein Humorist. Richtig ernst nehmen kann man ihn nicht.

Sven von Storch

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