Gauck ist Geschichte
Gauck ist Geschichte
Datum: 06.06.2016, 13:52
Joachim Gauck hat nämlich seine Aufgabe als quasi-seriöses Sprachrohr der Merkel-Regierungen im Grunde gut erfüllt, obwohl es anfangs hieß, die beiden Ostdeutschen würden sich aufgrund gewisser Vorfälle noch zu Zeiten der DDR und der Wende nicht grün sein. Damit hat er den Kurs der Kanzlerin in eine gelenkte Kanzlerdemokratie gefördert.
Einmal, noch am Anfang seiner Amtszeit, hat er sich hinreißen lassen, etwas Richtiges zu sagen. Im "Spiegel" vom 31.5.2012 liest man: "Bundespräsident Joachim Gauck hat sich von der Einschätzung seines Vorgängers Christian Wulff distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. Diesen Satz könne er so nicht übernehmen, »aber seine Intention nehme ich an«, sagte Gauck in einem Gespräch mit der Wochenzeitung »Die Zeit«. Wulff habe die Bürger auffordern wollen, sich der Wirklichkeit zu öffnen. »Und die Wirklichkeit ist, dass in diesem Lande viele Muslime leben. ... Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.«"
Liest man heute das Grundsatzprogramm der "Afd", so steht dort fast identisch: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland. [...] Viele Muslime leben rechtstreu sowie integriert und sind akzeptierte Mitglieder unserer Gesellschaft." (Im Gegensatz zu Gauck unterscheidet die "AfD" allerdings richtig zwischen den Muslimen, die hier leben, und denen, die rechtstreu und integriert sind.)
Hat man auch nur ein einziges Mal in der Breitenpresse gelesen, dass die "AfD" und der Bundespräsident in diesem Punkt im Grunde übereinstimmen? Nein, hat man nicht. Die damalige Aussage des Bundespräsidenten wurde nie mehr thematisiert, auch nicht zum Zeitpunkt der Verabschiedung des Grundsatzprogramms. Das zeigt unter anderem, dass es sich um eine "nicht hilfreiche" Äußerung Gaucks gehandelt hat, also einen Unfall. Dieser Präsident hat leider ein Rückgrat aus Gummi entwickelt und folglich späterhin nichts mehr gesagt, das der Merkel-Regierung nicht in den Kram gepasst hätte. Stattdessen hat er, was sich in seinem Amt eigentlich verbietet, in "Hell- und Dunkeldeutschland" polarisiert: eine Schande. Es ist deshalb nicht schade, dass er jetzt aufhört.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment