Feminismusdämmerung_
Feminismusdämmerung_
Datum: 27.12.2011, 22:57
Auf Seite 70 des Stellenmarkts im letzten Deutschen Ärzteblatt dieses Jahres (Nummer 51/52 vom 26. Dezember 2011) findet sich eine typische Anzeige für eine Ausschreibung. Die Universitätsprofessur (W3) für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in der entsprechenden Klinik der Medizinischen Fakultät der Universität Münster ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu besetzen. Es finden sich neben den Anforderungen, die man üblicher Weise erwartet, auch einige Spezialitäten, die den Bewerberkreis so klein halten, dass man wahrscheinlich von einer für eine bestimmte Person maßgeschneiderten Ausschreibung ausgehen muss. Nicht schön, aber wir sind halt in Deutschland.
Pflichtschuldigst kommt gegen Ende des Textes der Satz, ohne den die Frauenbeauftragte einschreiten würde: "Bewerbungen von Frauen sind ausdrücklich erwünscht." Dann der Klassiker: "Frauen werden bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt berücksichtigt", und danach die Überraschung: "sofern nicht in der Person eines Mitbewerbers liegende Gründe überwiegen." Ich gestehe: Ich musste erst einmal schlucken.
Grundsätzlich muss man den Münsteranern gratulieren. Das ist eine tolle Formulierung, die zur Hoffnung Anlass gibt, dass die Personen in den akademischen Institutionen sich doch Gedanken um einen Widerstand gegen die Frauenquote machen. In diesem Fall bleibt natürlich ein Wermutstropfen zurück, denn die Ausschreibung sieht so noch mehr nach "custom-made" aus. Aber man soll ja nicht zuviel Gerechtigkeit auf einmal erwarten...
Zur Praxis der Stellenvergabe in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie lesen Sie bitte auch unter www.dr-kovacs.de/pdf/PATRONAGE_BERLINER_JOURNAL.pdf
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Adorján Kovács
Deutsche Befindlichkeiten. Eine Umkreisung
Artikel und Essays.
Essen: Die Blaue Eule, 1. Auflage 23.02.2012, Paperback, 318 S., Maße: 21,0 x 14,8 cm, ISBN: 978-3-89924-337-6, Preis: € 36,00.
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