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„FAZ startet Desinformation zum ungarischen Wahlkampf

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„FAZ startet Desinformation zum ungarischen Wahlkampf
Datum: 26.02.2018, 16:08

Am 8. April wählen die Ungarn ein neues Parlament. Daher hat der US-amerikanische Spekulant George Soros bereits vor Wochen mit der Einmischung in den Wahlkampf begonnen, indem er (ungewöhnlich für ihn) Interviews auf Ungarisch gab und den von ihm finanzierten so genannten „Nicht-Regierungsorganisationen“ frisches Geld für Büros, die die ungarische sozialistische Opposition unterstützen, gab. Auch die deutsche Presse verstärkt ihre Desinformation, die naturgemäß legitim und nicht etwa mit der behaupteten russischen Beeinflussung des US-amerikanischen Wahlkampfs zu vergleichen ist, weil die deutschen Medien die Wahrheit exklusiv für sich gepachtet haben.

Der früher für Spanien zuständige Journalist Paul Ingendaay schreibt heute im Feuilleton der „FAZ“ über den angeblichen „Flirt mit der Diktatur“, der in Ungarn herrsche. Er beschwert sich tatsächlich über die Beseitigung der Budapester Statuen von linksradikalen Politikern und Schriftstellern, so des „roten Grafen“ Mihály Károlyi, des Lyrikers Attila József, einer Art ungarischem Bertolt Brecht und des lebenslang stramm kommunistischen Philosophen György Lukács. Ich bin kein Freund des Abbaus von Statuen, weil das an den Vandalismus in den Südstaaten der USA erinnert, wo man derzeit Denkmäler von konföderierten Helden zerstört. Stattdessen hätte man Alternativen bieten und neben die Kommunisten Statuen von Liberalen oder Konservativen setzen sollen. Aber an der platten Kritik sieht man, wes Geistes Kind Herr Ingendaay ist. Offenbar gehört er zu den vielen westeuropäischen Intellektuellen, die den Kommunismus trotz Millionen von ihm Ermordeter immer noch für eine gute Sache halten.

Die derzeitige und hoffentlich auch zukünftige ungarische Regierung tut das nicht und sie hat recht damit. Das ist Linken im verblendeten Deutschland natürlich ein Dorn im Auge, weshalb sie jedes kritische Maß verlieren. Ingendaay sieht nicht, dass der dauerhafte und durchaus sympathische, wenn auch einseitige Protest ungarischer Oppositioneller gegen ein ästhetisch verunglücktes Budapester Denkmal zur Erinnerung an die Besetzung Ungarns 1944 durch deutsche Truppen gerade ein Beweis für die funktionierende Demokratie in Ungarn ist. Er schreibt, dass dieses Denkmal Ungarn reinwaschen wolle. Aber niemand in Ungarn bestreitet die antisemitischen Repressalien und Verbrechen der Horthy-Regierung ab 1920, niemand auch die Kollaboration im Weltkrieg; es gibt unzählige diesbezügliche Erklärungen der konservativen ungarischen Regierung unter Viktor Orbán, zuletzt beim Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Doch wäre es ohne die Besetzung Ungarns nie zur Massenvernichtung der ungarischen Judenheit in Auschwitz gekommen, und das zeigt dieses Denkmal am Freiheitsplatz. Das ist kein Fake, sondern Fakt, auch wenn es den deutschen Linken und der ungarischen Opposition nicht gefällt. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat diese Tatsache auf Polen gemünzt so betont: „Es stimmt, dass die Polen die Juden betrogen, bestohlen, erniedrigt und geschlagen haben, aber sie haben sie nicht getötet, und das ist ein großer Unterschied.“

Man kann die Hetze von Leuten wie Ingendaay nicht ernst nehmen, der in Ungarn überall „antiliberale, antirepublikanische und antisemitische Untertöne“ wahrnimmt. Für den „Antirepublikanismus“ zitiert er ausgerechnet die ungarische Verfassung von 2011, weil sie das eigene Land bewußt „Ungarn“ und nicht etwa nach der Staatsform „Republik Ungarn“ nennt. Dass bis 2011 die Postkommunisten die kommunistische Verfassung von 1949 beibehielten, hat deutsche Linke wie Ingendaay nie gestört. Zudem sind auch Monarchien wie die Großbritanniens „antirepublikanisch“ – na und? Hängen Freiheit und Demokratie jetzt nur an der Republik? Wieso denn? Und während in Deutschland der gewalttätige Antisemitismus durch den Import von konservativen Muslimen täglich zunimmt, blüht im angeblich so antisemitischen Ungarn die jüdische Gemeinde. Mehr als 100.000 Juden leben in Ungarn. Mir teilte ein Budapester Makler eine Information mit, die mehr über die jüdische Einschätzung Ungarns sagt als alle offiziellen Statistiken: Sehr viele Israelis haben Wohnungen in Budapest, die sie leerstehen lassen, um notfalls sofort aus Israel nach Ungarn, also in die Sicherheit ziehen zu können. Ein vernichtenderes Urteil über den Propagandajournalismus der „FAZ“ kann es wohl kaum geben.

 

 

 

Sven von Storch

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