Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Eine Lehrstunde in pluralistischer Ethik

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Eine Lehrstunde in pluralistischer Ethik
Datum: 05.01.2016, 10:42

Der Sozialphilosoph Arnold Gehlen behauptete (und meiner Meinung nach bewies er auch), dass es eine pluralistische Ethik gibt, d. h. es gibt auf der Welt nicht nur eine einzige, wie es diejenigen, die von einer abstrakten Menschheit reden, immer behaupten, sondern unterschiedliche Ethiken, die nicht miteinander vereinbar sein können und dies oft auch sind. Das ist schon in einer einzelnen Kultur so, wenn man die Entwicklung der Ethik durch die Geschichte betrachtet, umso mehr in verschiedenen Kulturen, auch zum gleichen historischen Zeitpunkt. Der bundesdeutsche Staatsphilosoph Jürgen Habermas hingegen hat seine Theorie des kommunikativen Handelns auch auf die Ethik hin so angelegt, dass alle Menschen in einer idealen Situation des Diskurses zu identischen Handlungsmaximen gelangen würden. Eine solche Situation, das sei zugegeben, lag in der Sylvesternacht am Kölner Hauptbahnhof nicht vor.

Nun wissen wir nicht endgültig, was genau dort vorgefallen ist, und Verallgemeinerungen über die Sylvesternacht hinaus verbieten sich zunächst, aber bislang über 60 von Frauen getätigte Anzeigen wegen massiver sexueller Belästigung und wohl auch Vergewaltigung durch migrantisch aussehende Männer sprechen für sich. Wie allgemein bekannt ist, hat Schweden in dieser Hinsicht bereits Lehrgeld zahlen müssen. Dort hat die Zahl an Gruppenvergewaltigungen drastisch zugenommen, wie trotz der Verschleierungstaktik der schwedischen Polizei durchsickerte. Ein vorsichtiger Analogieschluss bei der Ursachensuche bietet sich hier an. Insofern ist es  redlich, dass das Problem in Köln beim Namen genannt wurde, wenn auch nur, um „zu verhindern, dass Rechtsextreme dies zum Vorwand für Ausländerhass nehmen können“.

Vollkommen unreflektiert in der deutschen Öffentlichkeit ist die Tatsache, dass unter den Migranten fast nur junge Männer sind. Dabei spricht sie Bände. Die Wohlmeinenden argumentieren, darauf angesprochen, dass es doch verständlich sei, dass die Familien, die lange für die „Flucht“ gespart hätten, ihre stärksten Mitglieder vorschickten. Diese würden dann, nach ihrer Ankunft in Deutschland, ihre Familienangehörigen nachholen. Die Wohlmeinenden gehen also davon aus, dass naturgemäß hinter den jungen Männern noch ganze Familien auf Ausreise warten und Deutschland diese selbstverständlich aufnehmen werde, wobei noch geklärt werden muss, was genau welche Seite unter „Familie“ versteht.

Die erste Frage, die diese Antwort herausfordert, ist die, warum diejenigen unter den jungen Männern, die verheiratet sind, ihre Frauen und Kinder und diejenigen, die es nicht sind, überhaupt die Älteren und Schwächeren ihrer Familie zurücklassen. Die ethische Parole: „Alte, Frauen und Kinder ins Boot“ scheint also zu einer anderen Kultur zu gehören. Hier spreche ich eine Vermutung aus, deren wahrscheinliche Richtigkeit erst aus dem, was folgt, resultiert. Darum wollen wir uns den eindeutigeren Antworten zuwenden.

Keiner dieser Wohlmeinenden stellt sich nämlich die Frage, warum sich so wenige junge Frauen allein auf den Weg machen, obwohl es ja statistisch außer Frage steht, dass es genauso viele junge Frauen wie junge Männer geben müsste. Der Verdacht, diese jungen Frauen könnten die Reise nicht genauso gut machen, dürfte eigentlich von den Wohlmeinenden nicht geäußert werden, weil er mit ihren anzunehmenden Grundüberzeugungen nicht vereinbar wäre: Natürlich sind junge Frauen genauso stark und den Mühen der Reise gewachsen. Der Hinweis, alleinstehende junge Frauen wären auf der Flucht gefährdet und Übergriffen ausgesetzt, kann ebenfalls nicht geäußert werden, denn dies würde die männlichen „Flüchtlinge“ diskriminieren. 

Die Tatsache kann aber nur den einen Grund haben, dass in den orientalischen, speziell islamischen Gesellschaften den jungen Frauen nicht die gleiche Selbständigkeit wie den jungen Männern gewährt wird. Solange sie nicht verheiratet sind, bleiben sie in der Obhut der Familie. Dies ist in aller Regel so; Ausnahmen dürften diese Regel bestätigen. Die unbezweifelbare Tatsache, dass es sich bei den Migranten fast nur um junge Männer handelt, bestätigt also, dass diese jungen Männer aus patriarchalischen Gesellschaften kommen, deren Frauenbild von dem unsrigen himmelweit entfernt ist. Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass die jungen Frauen aus dieser Kultur dieses Frauenbild selbst verinnerlicht haben. Schon das islamische Kopftuch soll ja eine Züchtigkeit signalisieren, die einem andernorts als normal angenommenen aggressiven männlichen Verhalten einen Riegel vorschieben soll und gleichzeitig denjenigen Frauen, die kein Kopftuch tragen, eine gewisse "Unehrenhaftigkeit" unterstellt.

Nun ist vollkommen klar, dass für diese jungen Männer Frauen, die sich so frei und ungezwungen benehmen wie dies deutsche Frauen gelegentlich an Sylvester oder in der Faschingszeit tun, so etwas wie Nutten sind, die damit mehr oder weniger frei verfügbar sind und dies auch signalisieren. Es handelt sich um mehr als um ein klassisches Missverständnis. Die Pluralität der Ethik ist wie mit Händen zu greifen, eine Vermittlung ist schwierig und je mehr Migranten in kurzer Zeit aufgenommen werden, nicht möglich.

Denn es ist eine Illusion zu glauben, Beeinflussung durch Einwanderung sei eine Einbahnstrasse. Immer reden die Wohlmeinenden davon, dass die Einwanderer sich ändern und dazu gebracht werden müssten, die Positionen des Grundgesetzes zu achten; von „westlichen Werten“ redet kaum noch jemand, da es diese nicht mehr gibt und auch darum, weil dann zugegeben werden müsste, dass es sich vor allem um christliche Werte gehandelt hat (- aber nicht deren sozialistischer Umwertung). Was die Wohlmeinenden vergessen, ist, dass auch die Einwanderer die Gesellschaft verändern werden. Floskelhaft sagen sie zwar, dass Deutschland sich ändern musse; in welche Richtung, deuten sie nur an: Es geht natürlich nicht um die Akzeptanz syrischer Küche, sondern um den Verlust materiellen Wohlstands bei den Einheimischen. Deutschland wird sich aber auch geistig ändern und viel „konservativer“ werden, doch auf eine neue und sehr andere Weise - wie am Kölner Hauptbahnhof geschehen. Je mehr und länger islamische Migranten in Deutschland leben, umso mehr wird ihre Ethik akzeptiert werden müssen - einfach qua Masse. Man könnte von einem „Rechtsruck“ ganz eigener Art sprechen, wobei es sich beim Beschriebenen nur um den Teilaspekt eines weit größeren Problemkomplexes handelt. Man wird sich einmal nach dem zivilisierten Konservatismus alter Schule zurücksehnen, als man Frauen noch Damen genannt hat. 

Sven von Storch

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