Prof. Dr. Adorján F. Kovács

zu Person und Archiv

Ein Wort zum Begriff der _Islamisierung_

Veröffentlicht:

Ein Wort zum Begriff der _Islamisierung_
Datum: 20.01.2015, 11:41

Es ist so einfach. Wo Träger einer Kultur aussterben, stirbt die Kultur aus. Dabei müssen nicht einmal die Menschen verschwinden, sondern ihre Überzeugungen. Wo Träger einer Kultur leben, wird diese gedeihen. Ein aktuelleres Beispiel: Schon der katholische Ire Kennedy war manchem der weißen angelsächsischen Protestanten, die das Sagen hatten, ein Dorn im Auge. Wenn derzeit immer mehr katholische Latinos in die USA einwandern, um dort zu leben, werden die USA katholischer. Dieser Prozess wird dort auch breit diskutiert, durchaus kontrovers.

Wenn kürzlich die FAZ in einem Leitartikel schreibt, dass in Deutschland auf lange Sicht muslimische Feiertage, muslimische Wohlfahrtsverbände, muslimische Kleidung, ja sogar muslimische Dörfer nichts anderes als schlichte  „Verfassungsrealität“ sind, dann mag das stimmen. Dann stimmt aber auch, dass Deutschland eine Islamisierung erlebt. Die Rückzugsgefechte der freiheitlichen Gesellschaft, wie wir sie noch kannten, die Demonstrationen (wie die in Dresden) verbietet und Karikaturenausstellungen (wie die von Greser und Lenz in Hanau) absagt, deuten in dieselbe Richtung. Es geht um einen Komparativ: Deutschland wird islamischer. Das Bestreiten dieses einfachen Sachverhalts ist schädlich, weil es eine adäquate Reaktion auf ihn verhindert.

Wo viele Christen leben, kommt es zu einer Verchristlichung der Gesellschaft. Das wissen islamische Staaten, weshalb sie alles dagegen tun. Dabei ist das Christentum zuallererst ein Glaube, nicht einmal eine Religion; doch wird der Glaube irgendwann unweigerlich gesellschaftlich spürbar und sichtbar. Selbst noch in unserem säkularen, glaubenslosen Staat scheint die Tradition des Christentums überall durch. Wenn Muslime irgendwo leben, wo es vorher keine Muslime gab, kommt es naturgemäß zu einer Islamisierung; dies umso mehr, als der Islam eine politische Religion ist, die auf jeden Fall unmittelbar sichtbar und spürbar wird, auch wenn der einzelne Moslem kein direktes politisches Interesse hat.

Es hat einfach keinen Sinn, schlichte Wahrheiten zu leugnen. Vor 50 Jahren gab es praktisch keine Muslime in Deutschland; zur Zeit leben hier zwischen 3,8 und 4,3 Millionen, davon sind etwa 74% sunnitisch, 13% alevitisch und 7% schiitisch. Der Anteil an der deutschen Bevölkerung beträgt also etwa 5%. Zum Vergleich: Es gibt etwa 300000 bis 350000 Menschen buddhistischen Glaubens in Deutschland, das sind etwa 0,4%, und etwa 100.000 Hindus (0,1%). Angesichts dieser Fakten von einer Bedrohung zu reden, ist Unsinn, deutet aber auf ein gering ausgeprägtes Selbstbewusstsein hin. Dieses rührt von der deutschen Vergangenheit her, mehr noch vom heute leider allgegenwärtigen Relativismus, der es gleichsam verbietet, an die Überlegenheit unserer modernen freiheitlichen Zivilisation zu glauben und entsprechend klare Vorgaben zu machen, und es hat wohl auch mit dem religiösen Glaubensverlust zu tun. Eine Vogel-Strauß-Politik nützt niemandem: Die Islamisierung im genannten Sinn ist Fakt. Es geht nur noch darum, welchen Islam Deutschland erträgt, ein Deutschland, das, so scheint es, außer einem blutleeren „Verfassungspatriotismus“ so gut wie nichts an eigener geistiger Substanz mehr aufweist. Es geht darum, als was Deutschland sich sieht und definiert; es muss geistig zu sich finden, dann wird sich die Realität dem auch nähern.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.