Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
Datum: 23.09.2015, 09:40
„Die rasiermesserscharfen Widerhaken beim Natodraht und die geringen Abstände der Klingen zueinander sprechen für eine effektive Absicherung Ihres Objektes.“ Mit Sätzen wie diesem wirbt die Berliner Firma Mutanox. Mitte Juli haben die Grenzbaumeister aus Ungarn Angebote für Natodraht eingeholt. Auftragsvolumen 500.000 Euro. Ein Fall für Mutanox? Nein, die Firma wollte kein Angebot abgeben. Die Berliner Zeitung hat Firmenchef Talat Deger nach den Gründen gefragt. Seine Antwort: „Ich kann doch nicht einen Flüchtling, der nichts weiter hat als das, was er trägt, mit einem Kind auf dem Arm durch einen Natodraht laufen lassen."
Soweit lakonisch die "taz".
Die "Deutsch-Türkischen Nachrichten" berichten genauer: Der "türkischstämmige Unternehmer" (Name jetzt richtig geschrieben: Değer) hätte der türkischen Zeitung Sabah noch folgende weitere Begründung gegeben: "Als Migrantenkinder wollen wir auch unseren Beitrag für das Ansehen Deutschlands leisten." Kapitalistische Unternehmer entscheiden nicht nach Moral, sondern nach Profit. Dieser kann schon einmal rein ideeller Art sein, muss sich aber auch dann langfristig materiell, auf jeden Fall konkreter auszahlen. Ich weiß nicht, woran Herr Değer wirklich gedacht hat, als er entschied, den Migranten keine Hindernisse auf ihrer Reise nach Deutschland in den Weg zu stellen, will ihm seine edle Motivation aber gerne glauben.
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