Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Die Unbelehrbaren

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Die Unbelehrbaren
Datum: 12.11.2016, 13:38

Der Morgen des 9. November wird mir als einer der schönsten in Erinnerung bleiben: Im Frühstücksfernsehen um 7 die fassungslosen Mienen der linken Journaille, weil zu geschehen schien, was nicht erlaubt ist -- nämlich eine unerwartete Entscheidung des Souveräns. Allen voran Dunja Hayali, die sich mit kaum verhohlenem Ekel herabließ, einen Republikaner, der in Deutschland für seine Partei wirbt, doch tatsächlich zu fragen, ob ein Sieg Trumps die zerstrittenen Republikaner wieder einigen würde. Ach, wie hätte sie sich gewünscht, die Partei würde zerfallen! Ein letzter Hoffnungsschimmer... Der befragte Republikaner antwortete seriös, ruhig, differenziert und beschämte die konsternierte Propagandistin.

Herrlich dann, die vor Entsetzen geweiteten Augen Klaus Klebers aus Übersee zu sehen, der, als Trump schon fast die erforderliche Zahl an Wahlmännern erreicht hatte, immer noch davon faselte, dass die Entscheidung theoretisch kippen könne. Noch sei es nicht soweit... Man sah Kleber nach dem letzten Strohhalm greifen, der sein festgefügtes Weltbild hielt... Da war der Wunsch wohl Vater des Gedankens. Ein Musterbeispiel sachlicher Berichterstattung.

Schließlich war Trump gewählt. Auf N24 stand eine kleine Reporterin namens Christina Lewinsky bei der Siegesparty der Republikaner. Als bekannt wurde, dass Frau Clinton die Regel brach, eine „Concession speech“ zu halten und die versammelten Gäste dies mit (durchaus nachvollziehbaren) „Coward“-Rufen quittierten, sprach sie künstlich entrüstet von überaus unschönen Szenen und leitete gleich weiter, dass nun wohl Trump seine Siegesrede halten würde, von der man ja schon vorher wisse, was man an Rüpelhaftem zu erwarten habe. Wie bekannt, wurde auch sie eines Besseren belehrt, wenn das überhaupt möglich sein sollte. 

Auf die lächerlichen Bedingungen Dr. Angela Merkels für eine Zusammenarbeit mit Donald Trump einzugehen, erspare ich mir. Die Antwort kam postwendend: Der designierte Präsident hat nicht sie, sondern die britische Premierministerin als Erste eingeladen. Auch dass Frau v. d. Leyen, die die Bundeswehr erklärtermaßen (und perverser Weise) als „Unternehmen“ führt, Trump ermahnt, dass „die NATO kein Unternehmen“ sei, zeigt letztlich nur die Angst, dass die USA ihre schützende Hand zurückziehen könnten und damit das Desaster der Bundeswehr offenbar wird. Diese Berufspolitiker werden sich aber natürlich arrangieren.

Doch es hat sich in den letzten Tagen gezeigt, dass die linken Globalisierer, die Intellektuellen und Medienschaffenden nicht belehrbar sind und ihre Meinungsführerschaft kompromisslos behaupten wollen. Ich will nur zwei Beispiele anführen, um zu zeigen, mit wem man es zu tun hat. Das ist nicht mehr politische Gegnerschaft, sondern Feindschaft. Der FAZ-Autor Dietmar Dath bezeichnet am Tag nach der amerikanischen Präsidentenwahl die Wähler Donald Trumps als „Herdentiere“. Er ist nicht der einzige, der in mindestens der Hälfte einer Nation nichts als „Tiere“ sieht. Die FR titelt heute groß, dass Trump ein „Faschist“ sei. Schlau wird dieses Wort als Zitat eines bekannten Soziologen gekennzeichnet, doch wir alle wissen, wie ein solches Wort auf Seite Eins wirkt: Alle Trumpwähler, sagt es, seien „Faschisten“.

Natürlich werden diese Demokratiefeinde auf diese Weise einen US-Präsidenten Trump nicht so beiseite schieben können wie zum Beispiel den Autor Pirinçci. Aber es ist zu erwarten, dass das mediale Trommelfeuer der „Besitzer der Wahrheit“ gegen das „unvernünftige Pack“ anhält, in den USA wie auch hier. Vorsichtige Selbstkritik wie die von FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube wird selten und folgenlos bleiben. Ziel einer guten medialen Opposition wird es daher sein, kontinuierlich gegen die Lügen, Übertreibungen und Exzesse der selbsternannten Progressisten anzuschreiben, und zwar in der Form sachlich und in der Sache fest. Das ist deshalb wichtig, weil die Feststellung des Historikers Rolf Sieferle, der sich dieses Jahr leider das Leben nahm, stimmt: „Die Diskriminierung der AfD im Kontext des ‚Kampfs gegen rechts‘ funktioniert ein Stück weit. Man müßte angesichts der gemessenen Stimmung in der Bevölkerung erwarten, daß die AfD bei Wahlen über 30% der Stimmen erhält. Wenn es nur rund 15% sind, spricht dies dafür, daß die Diskriminierungskampagne einigen Erfolg hat.“

Es dürfte so sein, dass viele Deutsche, wenn sie in sich gehen und ihre politische Überzeugung prüfen, erschrecken, wenn sie feststellen, dass sie konservativ oder rechts sind. Es muss das Bestreben der oppositionellen Medien sein, mindestens diese Deutschen zu überzeugen, dass sie keineswegs erschrecken müssen. Es ist keine „Krankheit“, konservativ oder rechts zu sein. Es muss im politischen Diskurs wieder ebenso selbstverständlich werden zu sagen, man sei rechts, wie es leider schon immer selbstverständlich, um nicht zu sagen: chic war zu sagen, man sei links. Wer rechts ist, ist nicht gegen den Fortschritt, aber er will -- im Gegensatz zur Linken -- einen nicht-katastrophischen Wandel.

Sven von Storch

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