Die Schweiz ist Avantgarde eines sterilen Feminismus
Die Schweiz ist Avantgarde eines sterilen Feminismus
Datum: 05.06.2010, 15:48
Frau Doris Stump, Schweizer sozialistisches Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, hat als Berichterstatterin eine Beschlussvorlage unter der Nummer 12267 in den Europarat eingebracht, wo sie zur Zeit beraten wird. Das Papier entstammt dem Ausschuss für Chancengleichheit von Frauen und Männern (Committee on Equal Opportunities for Women and Men) und hat den Titel “Combating sexist stereotypes in the media”. Der erste Satz der Zusammenfassung des englisch abgefassten Dokuments lautet in meiner Übersetzung: “Wenn sie nicht unterrepräsentiert oder unsichtbar sind, werden Frauen in den Medien oft in von der Gesellschaft traditionell zugeteilten Rollen repräsentiert, porträtiert als passive oder Wesen geringeren Werts, Mütter oder Sexobjekte.“ Man horcht auf: Mütter auf einer Ebene mit Sexobjekten! Von einer Sorge um die Chancengleichheit von Männern ist in diesem Dokument eines Ausschusses, das sich ja für die Chancengleichheit von Frauen UND Männern verantwortlich fühlt, nichts zu finden. Es ist nur von einer Benachteiligung von Frauen die Rede.
Der Ausschuss hat den Entwurf einer Resolution einstimmig angenommen, der folgendermaßen beginnt: „Die Parlamentarische Versammlung vermerkt und bedauert die Tatsache, dass Frauen die Opfer sexistischer Stereotypien in den Medien sind.“ Dann folgt wieder – leicht abgewandelt – der oben zitierte, erstaunliche Satz, in dem der Begriff der „Mutter“ als sexistisches Stereotyp bezeichnet wird, das wie die anderen die Gendergleichheit verhindere. Ziel soll es sein, europäische und nationale Gesetze zu schaffen, die jedwede von diesem Ausschuss als sexistische Stereotypien definierte Aussage, Darstellung oder Handlung unter Strafe stellen und bis hinunter in die Schulerziehung diese Vorstellungen in der Gesellschaft verankern. Während das Wort „Gender“ 82 mal im Text vorkommt, um wissenschaftliche Objektivität zu suggerieren, findet sich das Wort „Feminismus“ kein einziges mal, hat es doch auch für Feministinnen den unerwünschten Geruch von Ideologie. Dennoch wird man nicht fehlgehen, wenn man wähnt, ein feministisches Dokument vor sich liegen zu haben.
Ein Blick auf die Webseite Frau Stumps genügt, um bestätigt zu werden. Neben ihrem Foto prangt ein Motto von Christina Thürmer-Rohr, einer Hardcore-Feministin der ersten Generation, das lautet: „Feminismus ist kein kurzfristiger Arbeitsauftrag“. Aha, alles klar. So bestätigt denn auch die gesamte Webseite im wesentlichen diesen Befund. Doch zurück zu unserem feministischen Dokument. Dort werden im begleitenden Memorandum Frau Stumps neben einigem Bedenkenswerten (zum Beispiel der Gewalt im Internet) tatsächlich meist nur feministische Klischees präsentiert, die alle in der bekannten Forderung nach der Quote münden: So müssten in Zukunft nach Frau Stump mindestens fünfzig Prozent aller in den Medien gezeigten Fotos Frauen darstellen. Der Titel von Kapitel drei ihres Memorandums kommt dann wieder zur Sache: „Frauen porträtiert als Mütter, Sexobjekte oder lediglich hinsichtlich ihrer physischen Erscheinung“. Spätestens jetzt wird klar, dass hier aus ideologischer Verblendung über jedes Ziel hinausgeschossen und jedes Maß verloren wird. Verständlich wäre noch, würde argumentiert, dass Frauen in den Medien nur in der Mutterrolle dargestellt seien, nach dem Motto „Kinder und Küche“. Das stimmt aber offensichtlich nicht. Also wird eine absurde These aufgestellt: Mutterschaft, sagen Frau Stump und ihr Ausschuss, sei eine Frauen von der Gesellschaft traditionell zugeteilte Rolle. Den Satz muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Die mehrfache Wiederholung im Dokument 12267 lässt keinen Zweifel zu: Es existiert offensichtlich ein Ausschuss in Europa, das glaubt, die Darstellung einer Frau als Mutter sei sexistisch.
Wer außer einer Frau soll denn Mutter sein? Was ist daran sexistisch? Angefangen bei der Venus von Willendorf wurde eine Mutter in allen Gesellschaften verehrt. Der Begriff der Mutter implizierte immer etwas ehrfurchtgebietendes, Geborgenheit gebendes: Mutter Erde oder Muttersprache. Sogar feministische Richtungen existierten, die Mutterschaft als Ausdruck der besonderen weiblichen Kraft der Fruchtbarkeit hervorhoben. Und schließlich: jeder Mensch hat eine Mutter. Spielt alles keine Rolle mehr. Im Europarat agiert die sterile Variante eines verrückt gewordenen Feminismus, der sich den Menschen nur noch als Neutrum vorstellen kann, wie das Unwort „Elter“ zeigt, das den angeblich sexistischen Begriff des „Vaters“ und natürlich den besonders sexistischen Begriff der „Mutter“ ersetzen soll. Ob das die Frauen Europas wirklich wollen?
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment