Die Kultur wird bereinigt
Die Kultur wird bereinigt
Datum: 07.06.2023, 11:34
Die klassische Musik ist schon gesäubert worden. Böse Putinisten wie Anna Netrebko und Valery Gergiev sind verstoßen worden, kritische Leute wie Stefan Mickisch sind rechtzeitig gestorben. Es gibt aber in anderen Genres noch ein paar – drücken wir uns vorsichtig aus – nicht ausdrücklich linke Künstler in Deutschland: Xavier Naidoo, Nena, Michael Wendler, Rammstein, die Schauspieler der #allesdichtmachen-Aktion. Vielleicht gibt es noch einige mehr, aber die große Mehrheit der „Kulturschaffenden“ in Deutschland, um im wieder beliebten DDR-Slang zu bleiben, ist sicher links. Manche, wie der Multimillionär Grönemeyer, sind 120%-ig auf Regierungslinie; viele aber dürften, bei eher schwacher ideologischer Überzeugtheit, nur deshalb links reden, um überhaupt an die Fördertöpfe der Regierung heranzukommen, die derzeit von einem Verhängnis namens Claudia Roth verwaltet werden.
Aber auch nur einige wenige nicht-linke Künstler sind zu viel. Der „Kampf gegen Rechts“ muss unter allen Umständen mit einem totalen Sieg enden. Deshalb sind Naidoo, Nena, der Wendler nach ihren kritischen Äußerungen zu den Corona-Maßnahmen „gecancelt“ worden, obwohl sich alle Kritikpunkte und Befürchtungen der von dem Staatsfunk und der Regierungspresse als „Verschwörungstheoretiker“ Verleumdeten und Diffamierten mittlerweile bewahrheitet haben. Aber wer fragt schon nach Wahrheit? Es geht um den Gleichschritt. Es war unwürdig zu beobachten, wie sich ein Xavier Naidoo öffentlich entschuldigen musste für seine Äußerungen, nur um weiterhin seinen Beruf ausüben zu können. Jeder Mensch, der noch eine Erinnerung an den real existierenden Sozialismus hat, der offensichtlich gerade wieder aufersteht, weiß, dass dieses Ritual der öffentlichen Reue und Selbstbezichtigung bei ideologischer „Verirrung“ kommunistisch-stalinistischen Ursprungs ist.
Nun also Rammstein. Diese Gruppe war den linken Zensoren und Reinheitsfanatikern schon immer ein Dorn im Auge. Schon wie der Sänger Till Lindemann das R gerollt hat, erinnerte an früher, als es „das beste Deutschland, das es je gab“, noch nicht gegeben hat. Rammstein hatte in der dunklen Corona-Zeit klug die Klappe gehalten, wenigstens ist nichts von der Presse nach oben gespült worden, also musste man anders ansetzen, um sie wegzubekommen. Dafür eignet sich die #metoo-Hysterie bestens. Lindemann ist ja sichtlich Angehöriger der „toxischen Männlichkeit“. Da reichen schon bloße Anschuldigungen von irgendwelchen Frauen. Wen interessieren Beweise? Das war gestern. Heute definiert ein Harbarth den Rechtsstaat anders. (Wie lange darf der eigentlich noch so heißen? Rechts-Staat?) Und die Maschinerie läuft wie am Schnürchen. Ein rechtskräftiges Urteil wird nicht gebraucht. Jetzt hat Lindemanns Verlag die Zusammenarbeit mit ihm gekündigt. „Kontaktschuld“ ist zu einer Art von inoffiziellem Straftatbestand geworden, der sehr reale finanzielle Folgen hat. Das kann sich niemand leisten, der sich vom Staat zu sehr abhängig gemacht hat oder vielleicht machen musste.
Nun ist auch eine Umfrage lanciert worden, der zufolge eine Mehrheit der Deutschen dafür sei, dass alle Rammstein-Konzerte abgesagt werden sollten. (Mehrheit zählt nur in solchen Fällen, nicht bei der AfD – da sagt gerade noch rechtzeitig ein sogenanntes „Menschenrechtsinstitut“, die Voraussetzungen für ein Verbot seien erfüllt.) Rammstein ist wohl erledigt. Schade. Die Band hat einige gute Platten gemacht; das sollte eigentlich zählen. Sie war auch international bekannt; kein Geringerer als David Lynch hat ihre Musik für einige seiner Filme verwendet. Mit der Wirtschaft geht es sowieso stetig bergab, mit der Bildung auch, da muss die Kultur im Gleichschritt mithalten. Gleichschritt ist wichtig. Nun wird die deutsche Kultur also noch ein bisschen provinzieller als sie es eh schon ist.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment