Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Der Rauch Satans

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Der Rauch Satans
Datum: 14.03.2017, 22:34

In den letzten Jahrzehnten häufen sich Fälle, die einen am Sprichwort: „Päpstlicher sein als der Papst“ zweifeln lassen. Denn Päpste, die den Koran küssen wie Johannes Paul II. oder Muslimen die Füße waschen wie Franziskus, dürften vor Johannes XXIII. und Paul VI. schlicht nicht denkbar gewesen sein. Es ist vielleicht doch kein Zufall und nicht ganz ohne Druck gewesen, dass ausgerechnet der Papst, der in Regensburg eine denkwürdige Rede gehalten hat, die den Gründer des Islam kritisch hinterfragte, als erster Papst nach 800 Jahren zurücktrat. Er hat auf jeden Fall die Agenda von Brüssel, Obama und diversen NGOs gestört, die darin besteht, die muslimische Masseneinwanderung nach Europa nicht zu problematisieren, um es vorsichtig auszudrücken.

Das Zweite Vaticanum formulierte das Verhältnis zu den anderen Religionen neu. So neu, dass man sich als (katholischer) Christ fragen könnte, warum man überhaupt noch Christ sein soll, wenn es angeblich auch andere Wege zum Heil gibt. In der Konzilserklärung „Nostra aetate“ hieß es, dass die Kirche „nichts von alledem ab[lehne], was in diesen (nämlich anderen) Religionen wahr und heilig“ sei. Es war Paul VI., der 1972, also schon sechs Jahre nach dem Ende des Konzils davon sprach, dass der „Rauch Satans [...] durch irgendeinen Riss in den Tempel Gottes eingedrungen“ sei. Damit meinte er „den Zweifel, die Unsicherheit, die Infragestellung“, die die Kirche erfasst hätten.

Eine berühmte Formulierung im genannten Konzilstext zu den „Muslim“ oder Mohammedanern, die noch 1442 vom Konzil von Florenz als zum ewigen Feuer verdammt befunden wurden, lautet in der offiziellen deutschen Übersetzung: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde“. Aus dieser Übersetzung könnte man schließen, dass es sich um den gleichen Gott handelt, den Muslim und Christen anbeten. Doch das ist schon eine Interpretation, freilich eine, die jenes seltsame Verhalten des polnischen wie des argentinischen Papstes erklärt.

Doch scheint der lateinische Originaltext keineswegs so eindeutig zu sein. Das Original („Ecclesia cum aestimatione quoque Muslimos respicit qui unicum Deum adorant, viventem et subsistentem, misericordem et omnipotentem, Creatorem caeli et terrae“) kann nämlich auch so übersetzt werden, dass die Muslim nicht zwei oder fünf Götter, sondern „einen einzigen Gott“ anbeten, der zwar lebendig, in sich seiend, barmherzig, allmächtig sowie Schöpfer ist, bei dem es sich aber doch nicht um den gleichen Gott wie den, zu dem die Christen beten, handelt.

Das kann denklogisch auch nicht der Fall sein, denn der in Jesus Christus geoffenbarte Gott ist dreifaltig. Bischof Huber, ein Vorsitzender der EKD, der heute ebenfalls nicht mehr denkbar wäre, sagte noch 2004: „Ob Gott derselbe Gott ist, muss man ihm selber überlassen. Als Menschen können wir nur über das Gottesbekenntnis urteilen. Wir haben als Christen keinen Grund zu sagen, wir würden uns zum gleichen Gott wie die Muslime bekennen.“ Ein Bedford-Strohm würde das nicht mehr sagen.

Verteidiger der relativistischen und globalistischen Interpretation behaupten, die Großschreibung von Deus würde eindeutig machen, dass es sich um „DEN“ und nicht „EINEN alleinigen (oder einzigen) Gott“ handeln würde, doch ist das fadenscheinig, denn Deus wird in kirchlichen Dokumenten immer groß geschrieben. Die Formulierung bleibt also zweideutig. Insofern tritt hier, in diesem unscheinbaren Detail, dem Wirken Satans, um im Bild Pauls VI. zu bleiben, der Heilige Geist entgegen, der die Kirche vor ihren eigenen Modernisten und Verirrungen schützt. 

Sven von Storch

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