Der linke Rassismus
Der linke Rassismus
Datum: 06.07.2016, 18:17
Rassismus wird heute vielfach nicht mehr als Benachteiligung aufgrund der Hautfarbe und anderer angeborener Eigenschaften definiert, sondern als „gruppenbezogene“ Benachteiligung. Ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt, denn durch diese Erweiterung des Begriffs wird z. B. auch eine sachliche islamkritische Argumentation als „rassistisch“ denunziert, um kritische Fragen zum Islam zu unterbinden. In Deutschland gibt es aber - da, wo man es nicht erwartet hätte - immer mehr klassischen Rassismus, also einen Hass auf Menschen wegen gewisser Eigenschaften, für die sie nichts können und gegen die sie auch nichts zu unternehmen in der Lage sind.
So mehren sich in Deutschland die - vorerst nur verbalen - Angriffe auf ältere Menschen, nur weil sie alt sind. Ihre Existenz wird vor allem von unter 35-jährigen immer mehr als störend und eher unnötig empfunden. Den in allen echten Zivilisationen verbreiteten Respekt vor dem Alter gibt es nicht mehr. Nun war die Jugend immer schon, und oft zurecht, kritisch gegenüber den Alten. Es gibt heute allerdings eine verschärfende Besonderheit: Mit Alten sind nur alte Weiße gemeint. Alten „People of Color“ wird zumindest vordergründig immer noch jener Resekt entgegengebracht, der früher älteren Menschen wegen ihrer Erfahrung grundsätzlich zustand. (Der „Respekt“ gilt aber in Wahrheit nur der Hautfarbe, aus Gründen politischer Korrektheit.) Bei der Hetze gegen Alte machen sogar sogenannte Intellektuelle mit. Es sind die selbsternannten Progressiven, die hier einen „gruppenbezogenen“ Hass pflegen.
Im Bereich der Geisteswissenschaften und der Medien wird seit längerer Zeit schon gegen die stereotyp so genannten „alten weißen Männer“ gehetzt. Sie hindern angeblich ständig Frauen am Aufstieg in Vorstandsposten, sie führen andauernd Krieg, sie unterdrücken ununterbrochen Minderheiten, seien es Schwule oder Schwarze. Der Schriftsteller Michael Klonovsky hat dieser eigentlich lächerlichen Unterstellung aus der durchgegenderten linken und grünen Ecke zurecht den Aphorismus entgegengesetzt: „Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.“ Es ist dabei wegen der Mühe und Arbeit, die besagte Schöpfungen in aller Regel erfordern, logisch, dass diese vor allem von älteren und alten Männern stammen. Dass die schöpferischen Frauen in aller Regel auch nicht mehr taufrisch waren, wird bei der Neuschreibung der Kulturgeschichte durch die Quotenprofessorinnen an Genderlehrstühlen geflissentlich übersehen. Aber was können eigentlich Menschen, die alt und weiß sind, dafür, dass sie alt und weiß sind?
Nun, dass die weißen Alten nur kosten und damit verhindern, dass die Jungen möglichst ohne viel Arbeit in noch mehr Saus und Braus als ohnehin schon leben können, wird auch bereits seit mehreren Jahren überall wiederholt. Die Gesellschaft altert, und man stelle sich vor: sogar die Frauen. Da hilft kein Gendern und keine Quote. Schrecklich: überall lauter ruhige vernünftige Leute. Zwar ist man heute, könnte man gleichsam entschuldigend sagen, mit 60 oder 70 Jahren körperlich und geistig oft etwa so alt wie früher mit 40 oder 50, aber trotzdem. Oder eben gerade drum: Die Rente wird viel zu oft viel zu lange genossen. Das ist ein Skandal. Gut wenigstens, dass die Rente zu 100% besteuert wird; dass das Geld aus Einkommen stammt, das bereits besteuert wurde, macht dabei nichts. Die Rente mit 70 oder 75 ist aber auch keine Lösung; da bleiben die Alten nur an den Jobs kleben. Also weg mit ihnen. Die Eskimos machten es doch vor: auf die Eisscholle mit den Alten und tschüss! Die Neuregelung der Sterbehilfe ist schon mal ein Anfang.
Freilich möchten die heutigen Jungen auf das jugendliche Älterwerden auch nicht verzichten, bloß eben ohne die heutigen Alten, deren Gruppe abfällig „Generation Rolator“ genannt wird. Im viel zu hohen Alter verunstaltet diese Generation die Öffentlichkeit mit ihren lächerlichen Wägelchen. Diese Alten wagen sich doch tatsächlich auf die Straße und dann so... (Deutschland, immer noch an 17. Stelle weltweit, was die Bevölkerungsdichte angeht, hat sich gesundgeschrumpft. Anderswo gibt es, offenbar wünschenswert, den „youth bulge“, der gesetzmäßig zu Unruhen, Kriegen und Massenauswanderung führt. Wünschenswert darum, weil die jungen Leute aus aller Welt dann nach Deutschland kommen wollen. Und sollen: Wir schaffen das!)
Zuletzt fiel auf, dass die britische Abstimmung zum Brexit konsequent dahingehend interpretiert wurde, dass die Alten, die überwiegend für den Brexit gestimmt, den Jungen, die mehrheitlich dagegen gewesen wären, die Zukunft in der schönen Finanz-EU geraubt hätten. Tatsächlich sind die Älteren für die Eliten noch das letzte Hindernis bei der Durchsetzung der neoliberalen Agenda wie bei der ethnischen und kulturellen Umwandlung des europäischen Kontinents, was ungefähr dasselbe ist. Man sollte deshalb den Alten, spätestens ab Siebzig, nicht nur den Führerschein, sondern auch das Wahlrecht nehmen. Oder die Stimme nach der noch zu erwartenden Lebenszeit wichten: das Votum eines 20-jährigen würde fünfmal mehr zählen als das eines 70-jährigen.
Den Vogel schießt eine weiße Frau von der SPD ab, die tatsächlich in Deutschland Ministerin sein darf. Sie meint, dass die Jungen, die kleine Kinder haben, die so jung sind, dass sie noch in die Windeln kacken, beim Wahlrecht derart benachteiligt sind, dass den Hosenscheißern eine Stimme bei der Wahl gegeben werden sollte. Besser kann man seine Verachtung für das Wahlrecht nicht zeigen.
Die jungen Leute halten sich mehrheitlich für links, wie Umfragen zeigen, aber ihre tatsächlichen Überzeugungen und ihr wirkliches Verhalten sind es nicht wirklich, es sei denn, man definiert "links" neu. Wie der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel richtig sagt, wollen sie, wenn überhaupt, nur ein kurzfristiges, unverbindliches Engagement in zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Attac und interessieren sich vor allem für abgehobene kulturelle Themen wie die Frauenquote und die Schwulenehe. Dabei sind ihnen Diskussionsverbote wichtig und Umverteilung unwichtig geworden, beides natürlich mit einer linken Position eigentlich nicht vereinbar. Aber das ist egal: anything goes. Der Nationalökonomie, ja dem Nationalen wird zugunsten „globaler“ Zusammenhänge, die man sowieso nicht beeinflussen kann, eine Absage erteilt; die Deklassierten im eigenen Land, denen man wirklich helfen könnte, sind den Jungen darum auch egal. Lieber begrüßt man (natürlich nur braune und schwarze) „Flüchtlinge“, das macht sich erstens ganz gut, zweitens sind die ja auch jung und drittens hat man später nichts mehr mit ihnen zu tun. So kann man schön unverbindlich, verantwortungslos und theoretisch bleiben. Den Spaß bezahlen natürlich die Alten mit Steuergeld, bevor sie den Jungen gefälligst möglichst viel vererben.
Nachdem kürzlich bereits Harald Martenstein im ZEIT-Magazin seine verständliche Verachtung für Leute kundgetan hat, die Ältere und Alte nur aufgrund ihres Alters herabwürdigen, hat jetzt auch Lorenz Jäger in der FAZ unter dem Titel „Die Greisenfresser kommen“ die teilweise unglaublichen Ausfälle junger Leute gegen die Alten als Form eines neuen Rassismus bezeichnet. „Als Alter ist man der neue Feind: [Es verbreitet] sich nach dem Brexit ein Diskussionsstil, in dem ein erstaunlich unreflektierter Hass hoffähig zu werden droht.“ Oh nein, nicht erst seit dem Brexit!
Man hat ja in gewissen Dingen ungern recht. 2012 habe ich in einem Interview mit der Online-Zeitschrift „Cuncti“ erläutert, wie sich die deutschen neurotischen Befindlichkeiten seit dem verheerenden Krieg entwickelt haben. Die Leute unter 35 sind in einem Dunst des moralischen Relativismus erzogen worden. Sie kannten außerdem kaum Grenzen, haben schon als 3-jährige bei Tisch über die Menüfolge mitbestimmt. Ihr unmotiviertes Selbstbewusstsein und ihre wohlstandssatte Gleichgültigkeit gegenüber den Voraussetzungen des Wohlstands machen sie zu einer Generation, über die sich Nietzsche freuen würde. Das werden die Leute sein, die die Alten in den Heimen totspritzen werden und das ganz sachlich begründen. Das sind jetzt schon die Leute, die Menschenzüchtungen , von denen die Nazis nur träumen konnten, für gut und vertretbar halten, weil das so emanzipatorisch sei. Man hält sich ja nicht nur für teilweise, sondern für überwiegend fabelhaft. Dieses widersprüchlich neurotische Selbstbewusstsein trumpft dann einerseits voller Ressentiment auf gegenüber den europäischen Nachbarn und will andererseits in einem grenzenlosen Hyperhumanismus aus Deutschland einen Vielvölkerstaat machen. Ja, es handelt sich bei diesen jungen Linken um einen Deutschland und das Eigene hassenden, multikulturell denkenden, linken "Nazi"-Typus, um eine neue Art Linksfaschismus, der seinen eklatanten Rassismus nicht auf „People of Color“, die geliebt, und Juden, die toleriert werden, sondern unter anderem auf die Weißen und die Alten projiziert hat, die in einer Weise gehasst werden, die nach allen eingangs genannten Kriterien nur rassistisch genannt werden kann.
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