Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Der aktuelle Nebenpapst ist postkatholisch

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Der aktuelle Nebenpapst ist postkatholisch
Datum: 23.08.2017, 15:48

Ein Papst kann nur in Glaubensdingen für sich beanspruchen, wahrhaft autoritativ zu sprechen. Alles Andere, so besonders die politischen und ökonomischen Stellungnahmen von Papst Franziskus, ist nicht verpflichtend, insbesonders wenn, wie bei dem argentinischen Papst, theologische Defizite wahrnehmbar sind, wie leider schon oft von verschiedenster Seite bemerkt wurde.

Die genannte Botschaft hat schwere Mängel, die jedem Laien auffallen sollten. Ihr Motto lautet: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott" (Lev 19,34). - Das mag wohl sein, dass der einzelne Fremde so behandelt werden soll, aber nicht gemeint sein kann von der Satzlogik her, dass so viele Millionen kommen, bis es mehr Fremde als Einheimische gibt, und zweitens scheinen Feinde der Einheimischen mit diesem Spruch aus Leviticus auch nicht gemeint zu sein. 

„Jeder Fremde, der an unsere Tür klopft, gibt uns eine Gelegenheit zur Begegnung mit Jesus Christus, der sich mit dem aufgenommenen oder abgelehnten Gast jeder Zeitepoche identifiziert (vgl. Mt 25,35.43)". Auch hier fragt man bestürzt: Aber Gäste gehen doch irgendwann wieder? Gegen zeitlich klar begrenzte Hilfe dürften nur wenige Europäer etwas haben, doch genau damit hapert es.

Franziskus fährt fort: „Der Herr vertraut der mütterlichen Liebe der Kirche jeden Menschen an, der gezwungen ist, die eigene Heimat auf der Suche nach einer besseren Zukunft zu verlassen". Praktisch jeder Mensch kann sich Zustände ausmalen, die irgendwie besser sind als das, was er gerade hat. Die bessere Zukunft als Fluchtgrund ist ein Blankoscheck: Jeder ist Flüchtling. Das ist Wahnsinn.

„Wenn wir das gegenwärtige Szenario betrachten, so bedeutet aufnehmen vor allem, den Migranten und Flüchtlingen breitere Möglichkeiten für eine sichere und legale Einreise in die Zielländer anzubieten." Es war bisher definitionsgemäß so, dass man als Flüchtling eben keine bequeme und sichere Flucht vor sich hatte, denn man musste ja vor Bedrohungen fliehen. Nach dieser neuen Auffassung handelt es sich schlicht um eine gesponserte Reise mit den Schleusern und NGOs als Reise-, Shuttle- und Transitunternehmen. Europa soll also die Völkerwanderung, die mittelfristig seine Kultur auslöschen kann, auch noch finanzieren.

Franziskus setzt das Recht aus wie alle westeuropäischen Staaten: „Die kollektiven und willkürlichen Ausweisungen von Migranten und Flüchtlingen sind keine geeignete Lösung." Das hätten EU-Bürokraten schreiben können, ebenso wie die angesichts des Terrors mit bisher Hunderten von Ermordeten und Tausenden von Vergewaltigten verrückte Forderung: „...die Sicherheit der Personen [ist] stets der Sicherheit des Landes voranzustellen."

In diesem rechtsfreien Ton geht es weiter: „...sind Bemühungen notwendig, um alternative Lösungen zur Verwahrung für diejenigen vorzuziehen, die das Landesgebiet ohne Genehmigung betreten." Illegale sollen legal gemacht werden, so wie es als erklärtes Ziel Dr. Angela Merkel auch vorschwebt.

Fast schon witzig ist die Formulierung, „den Migranten [durch] eine angemessene konsularische Betreuung das Recht [ zu sichern], die Ausweispapiere immer mit sich zu führen." Und leider läßt sich der Papst zu folgendem links-grünen Gerede hinreißen, dass „Migranten, Asylbewerber und Flüchtlinge ... eine echte Ressource für die Gemeinschaften bilden, die sie aufnehmen." Vielleicht als Billiglöhner in einem turbokapitalistischen Alptraumstaat der Zukunft, für den die Linke heute die theoretische Unterstützung liefert, mit einem Verlust der bürgerlichen Rechte und Freiheiten. In der Globalisierung treffen sich das grenzenlose Kapital und die grenzenlose Migration.

Furchtbar auch das billige Verscherbeln der Staatsangehörigkeit: „In Achtung des allgemeinen Rechtes auf eine Nationalität muss diese allen Kindern zum Augenblick ihrer Geburt zuerkannt und entsprechend bescheinigt werden. Die Staatenlosigkeit, in der sich Migranten und Flüchtlinge zuweilen wiederfinden, kann leicht durch eine Gesetzgebung [...] vermieden werden". Franziskus denkt als Katholik global, aber er ist leider Globalist im schlechtesten Sinne.

Tragikomisch zu nennen ist die Forderung, dass „allen sich im Staatsgebiet aufhaltenden Ausländern die Bekenntnis- und Religionsfreiheit gewährleistet wird", wie das in den Herkunftsländern ja gang und gäbe ist, wie man weiß. Christenverfolgung in allen islamisch beherrschten Staaten? Dieser Papst kümmert sich darum nun wirklich nicht. Und den Vogel schießt er mit seinem Bekenntnis zum Familiennachzug im Sinne der Großfamilie ab: „Ihre Integrität soll stets durch die Begünstigung der Wiedervereinigung der Familien – einschließlich der Großeltern, Geschwister und Enkel - gefördert werden, und sie soll niemals wirtschaftlichen Erfordernissen unterworfen werden." Das ist George Soros pur, und leider auch Politik der UNO, dort „replacement migration" genannt.

Dieses durch und durch sozialistische und globalistische Schreiben schließt tatsächlich dann doch mit etwas Religiösem: „Heute, am 15. August, feiern wir das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Die Gottesmutter erfuhr die Härte des Exils am eigenen Leib (vgl. Mt 2,13-15), sie begleitete liebevoll den Weg ihres Sohnes bis hin zum Kalvarienberg und ist auf ewig dessen Herrlichkeit teilhaftig." Ja, es scheint, dass der Papst will, dass wir alle Märtyrer werden und auf diese Weise der himmlischen Herrlichkeit teilhaftig. Das ist sehr schön, aber die Nachfolge Christi war nie so gemeint, dass man den eigenen Tod provozieren soll. 

Der Rücktritt Benedikts XVI. erscheint nach Lektüre dieser „Botschaft" dubioser denn je, als sollte da jemand, der hemmend wirkt, weichen. „Ein so tief in der Historie verwurzelter Mann exponiert sich mal so nebenbei vor der Geschichte als der zweite zu Lebzeiten zurückgetretene Papst seit Petrus” (Ulrich Hintze) – und es gibt kaum Spekulationen über diese Entscheidung, die ja wie ein laut sprechendes Zeichen wirkt. Nun behauptet er aber, aus eigenem Willen gehandelt zu haben. Doch war es auch ein freier Wille? Jedenfalls kann man dem Zweitpapst aus dem Kontinent der Befreiungstheologie nicht vorwerfen, er wirke nicht als Schmiermittel für die reibungslose Masseneinwanderung nach Europa. Im Gegenteil: Er ist Bescheuniger.

Die katholische Kirche hat immer, auch in ihren politisch mächtigsten Zeiten, als Gegengewalt gewirkt, gegen die staatlichen Mächte. Nie hat sie in dem nun erreichten Ausmaß mit „dem Staat" gemeinsame Sache gemacht. Auch dies ist – neben vielen theologisch bedenklichen Annäherungen – eine weitere Protestantisierung, die der Staatskirchen-EKD und ihrem Gebaren beinahe schon ähnelt. Die fast zum Mimikry degenerierte Anpassung des Nebenpapstes an die politischen Gewalten ist eine erschreckende Neuigkeit im Katholizismus und komplett abzulehnen. Nicht umsonst hat Josef Ratzinger die Befreiungstheologie immer verurteilt. Nun muss er ihren temporären Sieg erleben.

Es bleibt zu hoffen, dass die postkatholischen Exzesse von Franziskus auf Kritik in der Weltkirche stoßen, die nun wirklich vielfältig genug ist. Man muss sich ja schon an den Kopf fassen, wenn sogar der Dalai Lama sagte, dass „zu viele" Menschen kämen, „dass das Ziel sein sollte, dass sie zurückkehren und beim Wiederaufbau ihrer eigenen Länder mithelfen und dass Europa, zum Beispiel Deutschland, kein arabisches Land werden könne". Seitdem ist der Dalai Lama aber auch kein Liebling der Linken mehr. Die pilgernde Kirche rechnet nicht in Jahren, sondern Jahrhunderten, und sie hat schon so manchen absurden Mann auf dem Thron Petri verkraftet. Insofern darf man gespannt sein, wer der nächste wahre Papst nach Benedikt XVI. sein wird.

 

 

 

Sven von Storch

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