Das Ende der Meinungsfreiheit unter dem Deckmantel der Rücksicht
Das Ende der Meinungsfreiheit unter dem Deckmantel der Rücksicht
Datum: 29.01.2015, 23:47
Panorama, das älteste politische Magazin im deutschen Fernsehen, berichtet nach eigener Einschätzung „pointiert und engagiert über Missstände“. So auch heute unter dem Titel „Wenn Meinungsfreiheit zur Waffe wird“ über den Missstand der Meinungsfreiheit. So musste man das wohl verstehen. Deutlich genug war es.
Wenn man Mohammed karikiert, war dort zu hören, beleidige man 1,5 Milliarden Muslime. Punkt. Also wenn in Hamburg gezeichnet wird, ist der Malaye in Kuala Lumpur unmittelbar betroffen. Warum das so sein soll, wurde nicht klar, denn Mohammed ist ja nicht mit jedem Muslim identisch, sodass dieser sich durch die Karikatur in seinen Rechten verletzt oder auch nur angesprochen fühlen könnte. Panorama stellte die islamische Selbstdarstellung einfach so als Tatsache in den Raum. In dieser Hinsicht gibt es also plötzlich „den“ Islam. Um andere Religionen ging es natürlich nicht.
Damit ist die mediale Ausrichtung in Zukunft klar. Nur knapp drei Wochen nach ihrer Ermordung wird bereits auf dem Vermächtnis der französischen Zeichner, dem kompromisslosen Bekenntnis zur Meinungsfreiheit, herumgetrampelt. Egal ob einem die Karikaturen des linken Blatts gefallen haben oder nicht - und sie waren oft objektiv geschmacklos -, diese Journalisten sind trotz massiver Drohungen nicht eingeknickt. Sie hatten Überzeugungen, sie hatten Rückgrat.
Nun knickt die deutsche Journalistenschaft ein, denn nach Panorama werden sicher weitere folgen. Wer hätte auch etwas Anderes erwartet? Rückgrat etwa? Wenn aber eine Gesellschaft den seltenen Mut einzelner Personen nicht zu würdigen weiß, werden sich immer weniger zu diesem Mut bereit finden. Die Konsequenz: Meinungsfreiheit adieu! Die Schere im Kopf wird gar nicht erst benötigt. Die Selbstzensur ist jetzt offiziell verkündet, verabschieden sich doch gerade die offen von der Meinungsfreiheit, deren Lebenselixier sie sein müsste: die Journalisten. Weitere Tabuthemen werden folgen, dies heute war ein Schritt auf dem Weg. Und wieder hat sich diese Republik etwas verändert.
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